Segeln mit Seele: Maritimes Highlight vor Glückstadt
Im goldenen Licht des Spätsommers erhebt sich eine Armada stolzer Traditionssegler auf der Elbe und steuert auf einen beeindruckenden Höhepunkt des maritimen Kalenders zu: Die 50. Auflage der Gaffelregatta „Rund um die Rhinplate“ findet am 28. September 2024 in Glückstadt statt und verspricht ein unvergessliches Spektakel für Teilnehmende sowie Zuschauerinnen und Zuschauer zu werden.
„Rund um die Rhinplate“ ist mehr als nur eine Wettfahrt – die Regatta ist ein Fest der maritimen Tradition, eine Hommage an die Seefahrt vergangener Zeiten und eine Feier des Erbes der Gaffelsegler. Ursprünglich von Hamburger Enthusiasten als privates Vergnügen ins Leben gerufen, zieht die Regatta mittlerweile jedes Jahr zahlreiche Skipper, Besatzungen und ihre historischen Schiffe sowie Segelbegeisterte aus ganz Deutschland und den Nachbarländern an. Die Veranstaltung, die als älteste ihrer Art für Traditionssegler in Deutschland gilt, bietet die seltene Gelegenheit, historische Schiffe in Aktion zu erleben. Bis zu 40 Gaffelsegler finden sich an diesem Wochenende in Glückstadt ein.
Historische Segelkunst
Doch was macht diese Art des Segelns so besonders? Der Name „Gaffelsegel“ kommt von dem waagerechten Holzstück, der sogenannten Gaffel, das den Mast wie eine Gabel umspannt. An diesem Holzstück wird das Segel befestigt. Da das Gaffelsegel eine schräge Form hat und entlang der Gaffel am Mast hochgezogen wird, ist es flexibler als andere Segel. Es lässt sich leichter an veränderte Windbedingungen anpassen. Das untere Ende des Gaffelsegels wird mit einem weiteren Holzstück, dem sogenannten Baum, fixiert. Im 17. Jahrhundert entstanden, war die Gaffeltakelung bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die führende Technologie auf See, bis sie von der fortschrittlicheren Hochtakelung abgelöst wurde. Heute verleihen Gaffelsegel den Schiffen einen nostalgischen Hauch von Abenteuer und Pioniergeist.
Das Programm: Ein maritimes Wochenende
Das Regatta-Wochenende beginnt bereits im Laufe des Freitags mit dem Einlaufen der etwa 40 Traditionssegler im Glückstädter Außenhafen. Dort lassen sich die Manöver und die Wartungs- und Pflegemaßnahmen durch die Besatzung beobachten. Im Laufe des Nachmittags entsteht so eine einmalige Atmosphäre rund um die Schiffe, und auch die ein oder andere Ziehharmonika kommt bereits zum Vorschein, die ersten Shantys werden angestimmt. Am Freitagabend folgt dann das erste Highlight des Wochenendes: Die Seglervereinigung Glückstadt, der örtliche Verein, der Veranstaltungen und Aktivitäten für Segelbegeisterte organisiert, sorgt mit einer Lampionfahrt für romantische Momente, wenn bunt geschmückte Boote durch den Binnenhafen fahren. Anschließend folgt eine stimmungsvolle Party am und im historischen Hafenrestaurant „Nettchen“, die von Livemusik begleitet wird. Das Kultlokal bietet ein maritimes Ambiente und ist bekannt für regionale Spezialitäten wie den Glückstädter Matjes, der aus eigener Produktion stammt.
Der Regatta-Tag
Am Samstagmorgen beginnt der Regatta-Tag mit einem gemeinsamen Frühstück für alle Teilnehmenden auf der Sonnenterrasse des Hafens. Während der anschließenden Skipperbesprechung wird der genaue Kurs für die Umrundung der Rhinplate bekannt gegeben, und die Teilnehmer bereiten sich auf die Abfahrt vor.
Um 11 Uhr ertönt das Startsignal. Die Segelschiffe, darunter beeindruckende Plattbodenschiffe, englische Smakken und Cornish Crabber, setzen ihre Segel und begeben sich auf die Fahrt rund um die Rhinplate. Dabei pflegt die Regatta eher den Charakter einer Geschwaderfahrt, also eines freundschaftlichen Wettstreits, bei dem es weniger um das Gewinnen, sondern vielmehr um das gemeinsame Erleben und Präsentieren der Schiffe geht. Die Teilnehmer sind angehalten, die Regeln der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung zu befolgen und der Berufsschifffahrt auf der stark befahrenen Elbe Vorfahrt zu gewähren, was Erfahrung und seglerisches Können erfordert. Während die Gaffelsegler die Rhinplate umrunden, bietet sich den Zuschauern ein atemberaubendes Bild auf der Elbe.
Abschluss und Siegerehrung
Nach der Rückkehr der Schiffe wird an der Rigmor Werft eine Siegerehrung veranstaltet. Teilnehmende und Gäste sind eingeladen, diesen besonderen Moment zu feiern und die Gewinner der Regatta zu ehren. Auch wenn der sportliche Wettkampf nicht im Vordergrund steht, so gibt es doch einige Preise für besonders schöne Manöver oder die am besten erhaltenen Schiffe. Natürlich wird auch über die Geschehnisse des Tages oder andere Segelabenteuer gesprochen und reichlich Seemannsgarn gesponnen.
Zwischen Geschichte und Moderne
Die Gaffelregatta steht nicht nur für die Freude am Segeln, sondern auch für die Bewahrung maritimen Kulturerbes. In einer Zeit, in der moderne Technologien die Seefahrt bestimmen, erinnern diese Schiffe daran, wie wichtig das Verständnis von Wind und Wasser, die Kunst der Navigation sowie das handwerkliche Können an Bord immer noch sind. Auch in ihrer 50. Auflage bleibt die Regatta ihrer ursprünglichen Idee treu: Gemeinschaft, Tradition und Liebe zur See stehen im Mittelpunkt. Und natürlich handelt es sich bei der Regatta nicht nur um ein Ereignis für Segler, sondern ein Fest für die ganze Stadt Glückstadt. Mit ihrer jahrzehntelangen Tradition ist sie ein bedeutendes kulturelles Erbe, das die maritime Geschichte der Region lebendig hält.
Diese Verbundenheit mit Traditionen spiegelt sich auch in der lokalen Wirtschaft wider, wie das Beispiel von Steinbeis Papier zeigt. Das Unternehmen kombiniert jahrzehntelange Erfahrung mit einer klaren Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren und gleichzeitig höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten. Für Glückstadt bedeutet dies, dass altes Handwerk und moderne Innovationen in Einklang gebracht werden, um die Zukunft der Region zu sichern. Sowohl die Gaffelregatta als auch Steinbeis Papier verkörpern das Prinzip, dass Tradition und Fortschritt gemeinsam eine starke Basis für eine nachhaltige und verantwortungsvolle Entwicklung schaffen können. So wird die Regatta nicht nur zum maritimen, sondern auch zum symbolischen Höhepunkt eines Ortes, der die Balance zwischen Geschichte und Moderne lebt.
Titelbild: cottonbro/Pexels