Energiegeladen in die Zukunft: Nachhaltigkeit als Treiber
Wie prägen Steinbeis Papier, Steinbeis Energie und die gesamte Steinbeis Gruppe die Energiewende? Rieke Meier, Projektingenieurin und angehende stellvertretende Kraftwerksleiterin, spricht über die Planung eines neuen Kraftwerks, das Zusammenspiel der Unternehmensbereiche und die Philosophie, durch Vertrauen und Innovation nachhaltige Lösungen zu schaffen. Ein Gespräch über Verantwortung, Herausforderungen und Zukunftsvisionen.
Frau Meier, wie haben Sie Ihre Entwicklung bei Steinbeis erlebt?
Mein Werdegang bei Steinbeis ist eine spannende Reise. Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen im dualen Studium direkt bei Steinbeis Papier absolviert. Dabei hatte ich die besondere Gelegenheit, alle Abteilungen des Unternehmens kennenzulernen – von der Technik bis zur Produktion. Nach dem Studium habe ich dann als Assistentin der Geschäftsführung in der Steinbeis Energie gearbeitet. Nachdem ich zwei Jahre in dieser Position war, hatte ich die Gelegenheit, mich weiterzubilden und meinen Master in Verfahrens- und Energietechnik zu machen. Danach konnte ich in Papenburg das Kraftwerk kennenlernen und bin schließlich wieder zur Steinbeis Energie zurückgekehrt, um als Projektingenieurin zu arbeiten. Jetzt befinde ich mich gerade im Übergang zur stellvertretenden Kraftwerksleiterin. Es ist spannend, wie sich meine Aufgaben und Verantwortung im Laufe der Jahre entwickelt haben.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag momentan aus?
Die letzten Jahre waren sehr abwechslungsreich. Als Projektingenieurin arbeite ich vorrangig an der Entwicklung von Projekten – zum Beispiel im Bereich Solarenergie oder Fernwärme. Diese Projekte sind meist noch im Anfangsstadium, sodass ich mich intensiv mit der Planung und Machbarkeit beschäftige. Es ist eher eine strategische Tätigkeit als eine operative. Nach drei Jahren rein strategischer Arbeit habe ich mich entschieden, mehr in den operativen Bereich des Kraftwerks zu gehen. Der Wechsel in eine Führungsposition im Kraftwerk bringt eine ganz andere Herausforderung mit sich.
Was verändert sich aktuell in Ihrer Arbeitsweise?
Der Wechsel ist wirklich spannend, weil er mit einer ganz anderen Art von Verantwortung und Aufgaben einhergeht. Das Kraftwerk läuft rund um die Uhr, das bedeutet, es gibt ständig Aufgaben, die erledigt werden müssen. Als stellvertretende Kraftwerksleiterin werde ich künftig stärker in den operativen Betrieb eingebunden, was für mich eine völlig neue Dimension darstellt. Ich habe bereits zwei Monate lang in verschiedenen Schichten gearbeitet, um den Alltag im Kraftwerk besser kennenzulernen. Jetzt gehe ich den nächsten Schritt und arbeite eng mit dem derzeitigen stellvertretenden Kraftwerksleiter zusammen, um mich mit meinen neuen Aufgaben vertraut zu machen. Es ist ein spannender Prozess, weil ich meine Erfahrung aus der Projektarbeit in diese neue Rolle einbringen kann.
Wir behalten bei unserer täglichen Arbeit die energiewirtschaftlichen Themen aller Steinbeis Unternehmen im Blick.
Wie ist die Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens organisiert?
In meinen Projekten arbeite ich tatsächlich oft allein, aber nicht ganz ohne Unterstützung. Viele unserer Projekte, wie der Bau von Solarparks oder die Implementierung von Fernwärme, erfordern externes Know-how. Das bedeutet, dass ich regelmäßig mit externen Beratern, Behörden oder auch mit Stadtwerken zusammenarbeite. Intern ist es eher so, dass ich in meiner Rolle als Projektingenieurin eine eigenständige Verantwortung trage. Natürlich gibt es ab und zu Schnittstellen zu anderen Abteilungen, und insbesondere mit meinen Kollegen mit Fokus auf die erneuerbaren Energien sowie die kaufmännischen Projektthemen besteht ein guter Austausch. Durch meine langjährige Arbeit bei Steinbeis kenne ich viele Kollegen sehr gut, was die Kommunikation und Zusammenarbeit deutlich erleichtert.
Welche spezifischen Projekte im Bereich umweltfreundliche und erneuerbare Energien betreuen Sie derzeit bei Steinbeis Energie?
Wir sind aktuell in der finalen Phase eines großen Projekts – dem Genehmigungsantrag für ein neues Kraftwerk hier am Standort. Das Ziel ist, die bei der Papierproduktion anfallenden Faserreststoffe, von denen Steinbeis Papier momentan einen Teil extern entsorgen muss, intern zu verwerten und deren Energiepotenzial zu nutzen. Diese Faserreste sind zu kurze Papierfasern und Druckfarben, die beim Recyclingprozess entstehen. Im Kraftwerk wollen wir auch diesen Anteil an Reststoffen energetisch nutzen, dadurch die Strom- und Dampferzeugung erhöhen und vor allem die langfristige Entsorgungssicherheit stärken. Der Antrag für das Kraftwerk ist bereits eingereicht, und wir erwarten in den kommenden Wochen den Genehmigungsbescheid. Das ist ein zentrales Projekt, das wir intensiv vorantreiben.
Inwiefern fließen Nachhaltigkeitsziele in die Planung und Umsetzung solcher Projekte ein?
Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der strategischen Ausrichtung der Steinbeis Gruppe und unserer Projekte, insbesondere im Bereich Energie. Wenn wir effizienter mit den Papierfaserreststoffen umgehen, vermeiden wir nicht nur Transportkosten und -wege, sondern steigern auch die Ressourcennutzung. Zudem ist die verstärkte Nutzung von Abwärme und die Möglichkeit, diese als Fernwärme zu vermarkten, ein weiterer Schritt, um unsere Umweltbilanz zu verbessern. Nachhaltigkeit und Effizienz gehen bei uns Hand in Hand. Das stärkt nicht nur unsere wirtschaftliche Position, sondern auch unsere Verantwortung gegenüber der Region und der Umwelt.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Steinbeis Energie und Steinbeis Papier in der Entwicklung nachhaltiger Energie- und Produktionslösungen?
Die Zusammenarbeit zwischen Steinbeis Energie und Steinbeis Papier ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg unserer Unternehmen. Unser Hauptziel ist die zuverlässige und effiziente Energieversorgung für die Papierproduktion mit Strom und Dampf. Wir erreichen durch die enge Zusammenarbeit planbare und verlässliche Konditionen und reduzieren die Abhängigkeit von externen Märkten. Die enge Koordination im Energiemanagement ist dabei unerlässlich. Projekte wie das neue Kraftwerk oder die vollständige Integration der Steinbeis Energie Papenburg auf dem Weg in die CO₂-neutrale Stromversorgung der Steinbeis Papier sowie die Entsorgung von Papierfaserreststoffen erfordern immer eine enge Abstimmung sowie den Blick auf das große Ganze. Durch diese enge Zusammenarbeit können wir kontinuierlich die Energieeffizienz steigern und gleichzeitig die Produktionsanforderungen von Steinbeis Papier erfüllen.
Welche Herausforderungen treten bei der gemeinsamen Entwicklung neuer Projekte auf?
Die Herausforderungen liegen vor allem in der engen Abstimmung und der Integration neuer Technologien, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig sind. Bei spezifischen Projekten wie der Entsorgung von Papierfaserresten arbeiten wir interdisziplinär, was bedeutet, dass alle relevanten Abteilungen eingebunden werden. Diese enge Vernetzung hat sich in der Praxis bewährt, erfordert jedoch eine präzise Kommunikation und flexible Anpassung an neue Anforderungen. Zudem müssen wir sicherstellen, dass größere Infrastrukturprojekte, wie das neue Kraftwerk, nicht nur intern, sondern auch in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden.
Welche technischen und regulatorischen Herausforderungen treten bei Optimierungsprojekten auf, und wie geht Steinbeis damit um?
Die Unsicherheit bezüglich regulatorischer Vorgaben stellen eine große Herausforderung dar. Das wird an dem Beispiel CO₂ und Carbon Capture (Kohlenstoffrückgewinnung aus dem Abgas) gut sichtbar. Oftmals sind die technischen Lösungen bereits vorhanden, aber die politischen Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt. Dank unserer vorausschauenden Projektarbeit können wir schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren. Durch kontinuierliche Beobachtung der politischen Entwicklungen und die Einholung externer Expertise stellen wir sicher, dass unsere Projekte sowohl technisch als auch regulatorisch optimal umgesetzt werden.
Werden bei der Projektkonzeption verschiedene Lösungen in Betracht gezogen, um flexibel auf regulatorische Veränderungen reagieren zu können?
Das hängt vom Projekt ab. Bei großen Projekten wie dem Carbon Capture verfolgen wir eine mehrgleisige Strategie, um sicherzustellen, dass wir flexibel bleiben und uns an politische Entscheidungen anpassen können. Bei anderen Projekten, wie dem neuen Kessel, haben wir bereits eine klare Lösung im Blick und müssen weniger flexibel auf verschiedene politische Szenarien reagieren.
Das eigene Kraftwerk sichert Energieunabhängigkeit, Produktionsstabilität und fördert eine nachhaltige Energieversorgung nicht nur für Steinbeis Papier.
Steinbeis Energie spielt nicht nur eine Rolle in der Weiterentwicklung nachhaltiger Energielösungen, sondern ist auch ein zentraler Garant für die Produktion von Steinbeis Papier. Wie wichtig ist die externe Energieunabhängigkeit für den Standort?
Die Energieunabhängigkeit ist für uns ein entscheidender Faktor. Die Energiekosten sind und waren ein wesentlicher Faktor für die Papierproduktion. Durch die Gründung der Steinbeis Energie wurde in diesem Bereich Know-how aufgebaut, das wir nun intern wie auch extern nutzen. Die Produktion von Steinbeis Papier sichern wir zuverlässig ab, unabhängig von externen Krisen oder Marktschwankungen. Mit unserem eigenen EBS-Kraftwerk sowie der Vielfalt an weiteren Energiequellen wie Biomasse, Biogas, Solar und Windkraft sind wir in der Lage, die Energieversorgung stabil und flexibel zu gestalten. Gerade in Zeiten von Energieknappheit oder geopolitischen Unsicherheiten zeigt sich der Vorteil dieser Eigenständigkeit. Wir können schnell auf Schwankungen reagieren und gewährleisten, dass die Papierproduktion nicht stillsteht. Das macht uns nicht nur krisenfest, sondern stärkt auch den gesamten Standort und letztlich unsere Wettbewerbsfähigkeit. Unsere Unabhängigkeit erlaubt es uns, langfristig zu planen und gleichzeitig nachhaltig zu wirtschaften – das ist ein klarer Vorteil, der uns als Gruppe auszeichnet. Ganz aktuell konnten wir noch einen wesentlichen Baustein hinzufügen: Durch die vollständige Übernahme der Steinbeis Energie Papenburg stärken wir wesentlich unsere Energieerzeugung innerhalb der Gruppe. Weitere Synergieeffekte wie beispielsweise die Verwertung des Papierfaserreststoffes sowie die Vertiefung des technischen Austausches stehen für uns auf der Aufgabenliste.
Wie sehen Sie Steinbeis Energie in den kommenden Jahren?
Ich bin überzeugt, dass wir unseren eingeschlagenen Weg mit Erfolg fortsetzen und weiter ausbauen werden. Unsere eigenständige Ausrichtung hat sich bereits bewährt, und mittlerweile wird auch von anderen Unternehmen das Potenzial dieser Herangehensweise anerkannt. Wir sind mit vielen unserer Initiativen bereits einen Schritt weiter als andere. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Projekt in Papenburg, das für uns einen entscheidenden Fortschritt bedeutet. In den kommenden Jahren sehe ich Steinbeis Energie als Vorreiter in der Umsetzung von innovativen, nachhaltigen Lösungen. Unsere Verbindung von Forschung und praktischen Anwendungen wird uns auch in Zukunft ermöglichen, technologische Entwicklungen voranzutreiben und ressourcenschonende Prozesse effizient umzusetzen. Neben internen, wegweisenden Projekten werden wir unsere breite Aufstellung in regulatorischen, technischen und energiespezifischen Themen nutzen und auch extern am Wachstum des Geschäftsfeldes Umweltfreundliche Energieerzeugung arbeiten. Als stellvertretende Kraftwerksleiterin freue ich mich darauf, diese strategische Ausrichtung aktiv mitzugestalten und weiterzuentwickeln, damit Steinbeis seinen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung und zur Lösung globaler Herausforderungen leisten kann.
Titelbild: Florian Thoss für Steinbeis Papier