Ökologie & Gesellschaft

Plop mit Haltung: Flensburger mixt Geschmack und Nachhaltigkeit

Tradition trifft auf moderne Technik: Die Abfüllanlagen der Flensburger Brauerei sind perfekt auf die ikonischen Bügelverschlussflaschen ausgelegt. Verwurzelt in der Region: Die Flensburger Brauerei ist seit Generationen ein fester Bestandteil der norddeutschen Identität. Fotos: Flensburger Brauerei

Mit der Küstenlimo erweitert Flensburger sein Sortiment um ein Getränk, das ausgewogene Süße, vollen Geschmack und das unverwechselbare „Plop“ der Bügelflasche bietet – versehen mit Etiketten aus Recyclingpapier von Steinbeis Papier. Die Küstenlimo verbindet Lifestyle, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit, um gezielt jüngere Zielgruppen anzusprechen. Im Gespräch verrät Produktmanagerin Heike Zilm, wie Geschmacksauswahl, Produktion und Design Schritt für Schritt umgesetzt wurden, und Online-Marketing-Managerin Laura Henneke zeigt, wie die Marke, das Lebensgefühl und die nachhaltigen Werte zusammengeführt werden. Dabei wird deutlich: Mit der Küstenlimo entsteht nicht nur ein neues Getränk, sondern ein norddeutsches Lebensgefühl, das Tradition, Innovation und Verantwortung in einer Flasche vereint.

Was macht die neue Küstenlimo aus?

Heike Zilm: Mit der Küstenlimo wollen wir uns neben dem Bier ein zweites Standbein aufbauen. Der Biermarkt stagniert seit Jahren, wir konnten das lange durch Wachstum kompensieren. Aber wir wissen, dass das nicht ewig so weitergeht. Also haben wir uns den Erfrischungsgetränkemarkt angesehen. Die größten Segmente sind Cola, Limo und Cola-Mix – und genau da sind wir eingestiegen. Wir wollten nicht experimentell werden, sondern Produkte entwickeln, die ohne Schnickschnack auskommen, dafür mit hohem Fruchtgehalt und möglichst wenig Zucker. Geschmack steht dabei immer an erster Stelle. Außerdem wollten wir die Marke verjüngen, denn Bier ist insgesamt eher ein „älteres“ Segment. Mit der Küstenlimo sprechen wir bewusst auch jüngere Zielgruppen an, und das sieht man auch im frischen Design.

Ihr habt die klassische Flens-Flasche beibehalten. War das von Anfang an klar?

Heike Zilm: Absolut. Technisch geht es gar nicht anders, weil unsere Anlagen auf Bügelverschlussflaschen ausgelegt sind. Umgekehrt könnten andere Brauereien auch nicht ohne Weiteres Bügelflaschen abfüllen.

Laura Henneke: Und es passt perfekt zu unserer Marke. Der Bügelverschluss ist unser Markenkern, und das „Plop“ steht synonym für FLENS. Das wollten wir natürlich auch in die neue Produktlinie übertragen. Und mal ehrlich: Gerade für jüngere Leute macht das Ploppen einfach Spaß.

Und läuft die Produktion über die gleichen Anlagen wie beim Bier?

Heike Zilm: Nur teilweise. Es gibt komplett eigene Tanks für die Limos. Zucker im Bier wäre eine Katastrophe, das würde unkontrolliert weitergären. Die Abfüllanlagen sind dann natürlich die gleichen wie beim Bier. Jedoch muss sehr gründlich gereinigt werden, bevor wieder andere Produkte abgefüllt werden.

Laura Henneke: Eine kleine Anekdote dazu: Am Anfang war die Idee, zuerst Orange, dann Mix und am Ende Cola abzufüllen, damit keine Farben ins nächste Produkt übergehen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass Orange durch den hohen Fruchtgehalt aufwendig zu reinigen ist. Deshalb wurde die Reihenfolge am Ende genau umgedreht.
 

Warum genau diese Geschmacksrichtungen?

Heike Zilm: Wir haben ganz nüchtern die Marktzahlen ausgewertet und geschaut, wo die größten Segmente liegen. Mit Cola, Limo und Mix erreicht man die meisten Menschen. Inzwischen haben wir zusätzlich noch eine Cola Zero bislang nur für die Gastronomie eingeführt, weil das das viertgrößte Segment ist. Und wir haben intern wie extern intensiv verkostet, auch blind gegen Wettbewerber. Dabei merkt man schnell, wie groß die Unterschiede bei Fruchtgehalt, Zucker und Geschmack sind.

Wie fällt bisher das Feedback aus?

Laura Henneke: Sehr positiv. Gerade die Cola kommt super an, weil sie nicht so süß ist wie viele andere. Wir hören oft, dass das genau der Unterschied ist, der den Leuten gefällt.

Heike Zilm: Und natürlich ist es für uns spannend zu sehen, wie das online geteilt wird – mit Bildern, Videos und Feedback auf der Website. Wir merken: Das hat Potenzial, auch wenn es noch am Anfang steht.

Wird die Limo irgendwann genauso wichtig wie das Bier?

Heike Zilm: Das ist schwer vorherzusagen. Im Moment sind die beiden Bereiche klar unterschiedlich gewichtet. Aber wir sehen, dass die junge Generation weniger Alkohol trinkt und viel stärker auf alkoholfreie Getränke und Innovation setzt. Langfristig wollen wir uns nicht nur als Brauerei, sondern als Getränkehersteller positionieren.
 

„Nachhaltigkeit ist mittlerweile Teil unserer DNA – bei der Küstenlimo war es naheliegend, auch die Etiketten nachhaltig zu gestalten.“

Laura Henneke, Online-Marketing-Managerin bei der Flensburger Brauerei

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei euch – allgemein und speziell bei der Küstenlimo?

Laura Henneke: Nachhaltigkeit ist mittlerweile fest in unserer Unternehmensstrategie verankert. Man kann sagen: Teil unserer DNA. Das war nicht immer so, aber wir haben in den letzten Jahren einen echten Transformationsprozess angestoßen. Zusammen mit der gemeinnützigen Organisation ORCA haben wir zunächst unsere Emissionen und Stellschrauben erfasst und daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet. Das sind keine Schlagworte, sondern hinter jeder Maßnahme stehen klare Zahlen und Prioritäten. Vieles betrifft die Technik, aber es strahlt in alle Bereiche hinein. Auch im Marketing setzen wir Zeichen, etwa durch die Umstellung auf zertifiziertes Papier in der Verwaltung. Für die Küstenlimo war es naheliegend, auch bei den Etiketten nachhaltige Lösungen einzusetzen.

Das heißt, schon bei der Entwicklung der Limo habt ihr Nachhaltigkeit mitgedacht?

Heike Zilm: Ja, definitiv. Wir wollten ein Produkt, das zur jungen Zielgruppe, die in diesen Themen sehr aufmerksam ist, passt. Beim Design war klar: Das funktioniert nicht auf Hochglanzpapier. Also haben wir uns bewusst für ein naturbelassenes Recyclingpapier entschieden, mit einem leichten Graustich. Wir lassen den Hintergrund sichtbar und drucken nur die Farben und Grafiken. So sieht man sofort: Das ist ein natürliches, nachhaltiges Material. Es ergänzt das Gesamtprodukt hervorragend.

Wie sah es bei den Zutaten aus – war „Natürlichkeit“ auch da ein Kriterium?

Heike Zilm: Jein. Wir haben ja schon lange alkoholfreie Getränke im Sortiment, etwa Malz oder Radler, die überwiegend mit Süßungsmitteln hergestellt werden. Bei der Küstenlimo haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Wir wollten zuckergesüßte Getränke anbieten, aber mit möglichst wenig Zucker und möglichst viel Frucht. Damit geben wir den Konsumenten eine echte Wahl: klassisch mit Zucker oder bewusst ohne, wie bei der Cola Zero, die wir später nachgeschoben haben.

Was sind die größten Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Unternehmen selbst?

Laura Henneke: Da passiert gerade viel. Wir bauen zum Beispiel unser eigenes Photovoltaik-Netz massiv aus, um uns perspektivisch selbst mit Strom zu versorgen. Außerdem haben wir eine neue Entalkoholisierungsanlage, die Ethanol in einer Qualität produziert, dass dieses künftig vielleicht sogar als CO₂-neutraler Brennstoff dienen könnte. Das größte Projekt ist aber unser neues Sudhaus, das gerade in Flensburg entsteht. Es wird unter anderem durch den Einsatz von Wärmepumpen statt klassischem Dampf rund 30 Prozent energieeffizienter sein als das alte. Damit sind wir im Branchenvergleich ziemlich weit vorn, auch wenn wir keine neuen Technologien erfinden. Wichtig ist, dass Nachhaltigkeit von Anfang an in unsere Investitionen einfließt.

„Der Bügelverschluss ist unser Markenkern, bleibt im Kreislauf und ist natürlich auch bei der Küstenlimo dabei – so sparen wir pro Jahr rund 150 Millionen Kronkorken.“

Heike Zilm, Produktmanagerin bei der Flensburger Brauerei

Das berühmte "Plop" des Bügelverschlusses bleibt auch bei der neuen Küstenlimo erhalten und spart jährlich Millionen von Kronkorken. Mit der StrandGut-Aktion engagiert sich Flensburger gemeinsam mit Partnern seit 2017 aktiv für saubere Strände in Schleswig-Holstein. Fotos: Flensburger Brauerei

Welche Rolle spielt euer Mehrwegsystem in Sachen Nachhaltigkeit?

Heike Zilm: Eine sehr große. Rund 90 bis 95 Prozent unserer Produkte sind in Mehrwegflaschen. Und im Gegensatz zu Kronkorkenflaschen bleibt unser Bügelverschluss beim Kreislauf erhalten. Das bedeutet: Wir sparen pro Jahr etwa 150 Millionen Kronkorken ein, weil unsere Flaschen immer wieder mit den Bügeln zurückkommen. Das ist ein echter Unterschied.

War dieser Nachhaltigkeitsaspekt schon der Grund für die Bügelverschluss-Mechanik?

Heike Zilm: Nein, der Ursprung liegt viel weiter zurück. Der Bügelverschluss wurde im 19. Jahrhundert erfunden und war damals Standard. Viele Brauereien sind später auf Kronkorken umgestiegen, weil es günstiger und einfacher war. Flensburger ist aber dabei geblieben, vor allem durch die Weitsicht unseres damaligen Geschäftsführers Emil Petersen. Diese Durchgängigkeit hat uns geprägt. Heute ist der Bügelverschluss unser Markenkern. Das „Plop“ ist sogar als Marke eingetragen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Steinbeis Papier?

Laura Henneke: Das war eigentlich eine Kette glücklicher Zufälle. Wir hatten intern ohnehin schon diskutiert, unser Kopierpapier auf Recyclingpapier umzustellen. Dadurch war das Thema Papier und Nachhaltigkeit stärker präsent. Irgendwann kam die Frage auf, ob nicht auch unsere Etiketten nachhaltiger gestaltet werden könnten. In dem Moment haben uns unsere Berater von ORCA empfohlen, Recyclingpapier einzusetzen. Und wenn man sich in diesem Bereich umsieht, landet man sehr schnell bei Steinbeis Papier. Steinbeis ist da im Grunde der einzige Anbieter, der ein Etikettenpapier aus 100 Prozent Altpapier auf diesem technischen Niveau liefern kann.

Wo lagen die gemeinsamen Schnittmengen zwischen Flensburger und Steinbeis Papier?

Heike Zilm: Die haben wir schon früh in den Gesprächen entdeckt. Obwohl wir keine direkte Geschäftsbeziehung haben – wir kaufen unsere Etiketten bei Druckereien, die wiederum bei Steinbeis ordern –, war klar: Nur wenn das Papier technisch einwandfrei durchläuft, kann es funktionieren. Etiketten sind leicht, dünn, dürfen nicht reißen oder abfallen. Deshalb mussten wir uns Schritt für Schritt herantasten. Das war ein Prozess, in dem klar wurde: Wir teilen denselben Qualitätsanspruch.

Laura Henneke: Genau, solche Projekte sind immer ein Zusammenspiel aus drei Partnern – Papierhersteller, Druckerei und Abfüller. Das erfordert enge Abstimmung und viel Vertrauen. Steinbeis hat dabei von Anfang an den Endkunden mitgedacht: Das Etikett sollte Nachhaltigkeit sichtbar machen, bewusst nicht reinweiß, sondern als klares Statement. Hinzu kommt die regionale Nähe – kurze Wege in Schleswig-Holstein, Partner gleich um die Ecke. Das verbindet und macht die Zusammenarbeit glaubwürdig.
 

Welche Rolle spielt die regionale Nähe?

Heike Zilm: Eine große. Wir sitzen in Schleswig-Holstein und versuchen, so viel wie möglich in der Region zu halten. Unsere Etiketten lassen wir bei Ellerhold in Wees drucken – das ist quasi um die Ecke. Kurze Wege sind uns wichtig, auch damit das Geld in der Region bleibt.

Welche Perspektiven gibt es für die Küstenlimo-Range?

Heike Zilm: Wir schauen über das Bestehende hinaus. Wir glauben an die Range, wir glauben an den Namen – Küstenlimo klingt einfach nach einem Sehnsuchtsort. Mit Küsten verbinden sich automatisch Urlaub, Erholung, Natur und Freiheit. Das ist ein starkes Fundament. Dazu kommt unser Engagement wie die StrandGut-Aktion: Seit 2017 reinigen wir gemeinsam mit Tourismusorganisationen die Strände in Schleswig-Holstein. Das ist konkret, überprüfbar, für jeden zugänglich und eben nicht irgendwo weit weg. Solche Aktivitäten laufen schon lange und geben uns Authentizität.

Wie soll das Lebensgefühl rund um die Marke ausgebaut werden?

Laura Henneke: Wir wollten nicht einfach nur ein neues Produkt hinstellen, sondern verstehen, wie die Lebensrealität der jüngeren Zielgruppe aussieht. Wie verbringen sie ihre Freizeit, was treibt sie an – und wie passt Flens authentisch hinein? Uns geht es darum, eine Welt aufzubauen, die natürlich wirkt: Küsten, Wassersport, Reisen im Bulli, digitale Communities. Dafür suchen wir Partner, Sponsoring-Formate und auch Influencerinnen und Influencer, die diese Lebenswelt verkörpern. Die Küstenlimos sind dafür ein idealer Anknüpfungspunkt.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in dieser Perspektive?

Laura Henneke: Nachhaltigkeit gehört für junge Leute zur Realität – das können wir nicht ausblenden. Aber wir nutzen es nicht als lautes Marketinginstrument. Unser Anspruch ist, Produkte zu entwickeln, die für sich stehen, und gleichzeitig selbstverständlich nachhaltig zu handeln. Es ist für uns kein Werbehebel, sondern ein zusätzlicher Wert.

Heike Zilm: Genau. Nachhaltigkeit ist bei uns organisch mit Marke und Aktivitäten verwoben, ohne dass wir es ständig hervorheben müssen. Wir gehen norddeutsch-understatementmäßig vor: Wichtig ist nicht, wie laut man darüber spricht, sondern dass man losgeht. Wir haben konkrete Pläne und setzen sie Schritt für Schritt um.

 


Titelbild: Flensburger Brauerei


Autor/-in

Benjamin Seibring

Als Senior Redakteur entwickelt Benjamin Seibring schwerpunktmäßig Inhalte zu Nachhaltigkeit, Mobilität, Technik und Lifestyle. Ein Redaktionsvolontariat bei einem deutschen Medienkonzern und seine langjährige Erfahrung im Corporate Publishing bilden die Basis. Mit einer hohen Affinität zu Trendthemen und innovativen KI-Tools setzt er crossmediales Storytelling um.

Beiträge von Benjamin Seibring


Leider verwenden Sie einen veralteten Browser.
×
Unser Internetauftritt wurde auf Basis zeitgemäßer und sicherer Technologien entwickelt. Daher kann es bei der Nutzung eines veralteten Browsers zu Problemen bei der Darstellung und den Funktionalitäten kommen. Wir empfehlen Ihnen, einen anderen aktuellen und kostenlosen Browser zu nutzen:
Mozilla Firefox
Google Chrome
Microsoft Edge