Mit neuem Auflösestrang zum Recycling der Zukunft
Wie lässt sich Papier recyceln, das eigentlich nicht recycelbar ist? Diese Frage hat ein Expertenteam bei Steinbeis Papier so lange umgetrieben, bis aus der Idee eine technische Innovation wurde. Herausgekommen ist ein Verfahren, das selbst Spezialpapiere wie Etiketten oder Sicherheitsdrucke wieder in den Stoffkreislauf zurückbringt. Die Lösung könnte die Recyclingbranche dauerhaft verändern – ökologisch, wirtschaftlich und strategisch.
Steinbeis Papier bringt das Recycling auf ein neues Level: Ein innovativer Auflösestrang macht bisher schwer verwertbare Altpapiere wie nassfeste Etiketten oder beschichtete Spezialpapiere wieder nutzbar. Die neue Technologie sorgt dafür, dass wertvolle Rohstoffe effizienter verwendet und dauerhaft im Stoffkreislauf gehalten werden. Mit dieser Entwicklung erschließt Steinbeis Papier neue Recyclingpotenziale. Materialien wie Banknoten, To-go-Becher oder nassfeste Etiketten, die bislang als kaum recycelbar galten, können nun wiederverwertet werden. Die technologische Weiterentwicklung optimiert nicht nur die Rohstoffnutzung, sondern stärkt auch die nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist das Etikettenpapier Steinbeis Label Wet, das von Anfang an für die Wiederverwertung konzipiert wurde und jetzt vollständig in einem geschlossenen Recyclingprozess zirkulieren kann.
Von der Idee zur Realisierung
Die Grundidee für den neuen Auflösestrang entstand bereits 2018/2019. Damals stand Steinbeis Papier vor der Herausforderung, die Rohstoffversorgung langfristig zu sichern – vor dem Hintergrund der rückläufigen Verfügbarkeit grafischer Altpapiere sollte zugleich das Produktportfolio um neue, nachhaltige Lösungen erweitert werden. Die steigende Nachfrage nach recycelbaren Materialien und der Wunsch, bislang schwer verwertbare Papiersorten wie nass- oder laugenfeste Produkte in den Produktionsprozess zu integrieren, führten zu einer grundlegenden Neuausrichtung. Tamas Kordsachia, Prozess- und Altpapiertechnologe bei Steinbeis Papier, erläutert: „Unsere Vision war es, Altpapiersorten wieder nutzbar zu machen, die bislang aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften kaum verarbeitet werden konnten. Dazu zählen unter anderem Materialien mit Nassfestigkeit oder chemischer Beständigkeit, wie sie bei bestimmten Etikettenpapieren oder Sicherheitspapieren vorkommen.“
Der neue Auflösestrang und das „Closed-Loop“-Verfahren
Insbesondere Etikettenpapiere, die auf Getränkeflaschen und Gläsern verwendet werden, profitieren von der neuen Lösung. Bisher mussten diese aufgrund ihrer speziellen Ausrüstung häufig thermisch verwertet werden, da sie im Kontakt mit Wasser ihre Festigkeit beibehalten und so in konventionellen Recyclingprozessen Probleme verursachen. Mit dem neu entwickelten Verfahren werden solche Etiketten nun wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt – inklusive der bei der Verarbeitung anfallenden Reste wie Druck- und Stanzabfälle. Daraus resultiert ein vollständig geschlossener Zyklus, in dem neue Produkte aus 100 Prozent Recyclingpapier entstehen können. Die technische Herausforderung bestand darin, ein System zu entwickeln, das die große Bandbreite an Sondersorten sicher und wirtschaftlich verarbeiten kann. Intensive Forschungsarbeit und umfangreiche Tests führten zu einem innovativen Recyclingstrang, der auch Materialien mit komplexen Eigenschaften zuverlässig auflöst und in die Produktion zurückführt.
Neue Recyclingmöglichkeiten und strategische Vorteile
Mit dem neuen Auflösestrang erschließt Steinbeis Papier nicht nur neue Rohstoffquellen, sondern sichert sich auch eine stabilere, unabhängige Versorgung. Die gesteigerte Kapazität der Anlage ermöglicht es, die Recyclingquote spürbar zu erhöhen. Veronika Warmers, Marketingleiterin bei Steinbeis Papier, betont: „Durch die Wiederverwertung von Materialien, die bislang kaum in den Recyclingkreislauf integriert werden konnten, leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu einer ressourcenschonenden Produktion. Gleichzeitig stärken wir unsere Position als nachhaltiger Vorreiter in der Branche.“ Ein besonderes Beispiel dafür ist das Steinbeis Label Wet – ein speziell entwickeltes nassfestes Etikettenpapier, das durch den neuen Recyclingstrang aus vollständig recycelten Fasern hergestellt werden kann. Das ermöglicht eine deutliche Reduktion des Frischfaseranteils und trägt zur Schonung natürlicher Ressourcen wie Holz, Wasser und Energie bei.
Ökologische und ökonomische Einsparungen
Die Umstellung auf das neue Recyclingverfahren bringt signifikante Umweltvorteile mit sich: Im Vergleich zur Herstellung von Frischfaserpapieren werden im Recyclingprozess 73 Prozent weniger Energie und 79 Prozent weniger Wasser verbraucht – gleichzeitig sinken die CO₂-Emissionen um 42 Prozent. Diese Einsparungen übertreffen teilweise sogar branchenübliche Vergleichswerte und unterstreichen den ökologischen Mehrwert der Innovation. Marc Gebauer, Geschäftsführer von Steinbeis Papier, hebt hervor: „Mit dem neuen Auflösestrang erweitern wir nicht nur unser Produktionsportfolio. Wir verbinden ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz – und sichern so unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt.“
Zukunftsperspektiven und Weiterentwicklung
Die Inbetriebnahme des neuen Auflösestrangs ist ein bedeutender Meilenstein in der strategischen Ausrichtung von Steinbeis Papier – doch die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Geplant sind weitere Systemerweiterungen, mit denen zusätzliche Altpapiersorten integriert und der Recyclingprozess kontinuierlich optimiert werden sollen. „Wir sehen großes Potenzial in der Weiterentwicklung dieser Technologie und werden die Effizienz des Auflösestrangs stetig verbessern“, erklärt Tamas Kordsachia. Und Veronika Warmers ergänzt: „Für uns ist Nachhaltigkeit mehr als ein Trend – es ist eine Verantwortung gegenüber der Umwelt, unseren Kunden und der Gesellschaft. Mit dem neuen Auflösestrang haben wir einen entscheidenden Schritt in eine nachhaltige Zukunft gemacht.“
Titelbild: Steinbeis Papier