Company, Unternehmen

Der Motor für nachhaltige Versorgung

Die Nähe von AP Concept auf dem Werksgelände von Steinbeis Papier in Glückstadt ermöglicht kurze Kommunikations- und Entscheidungswege. Dies führt zu einer effizienten Zusammenarbeit und schnellen Reaktionszeiten. Foto: Steinbeis Papier

09.07.2024 – AP Concept ist ein wichtiger Teil der Versorgung von Steinbeis Papier mit hochwertigen Altpapiersorten. Seit 25 Jahren spielt das Unternehmen aus Glückstadt eine zentrale Rolle in der kommunalen Entsorgung, im Altpapierhandel und in direkten Kundenbeziehungen. Mit flexiblen Ansätzen und einem Fokus auf Nachhaltigkeit bewältigt das Unternehmen die Herausforderungen eines sich wandelnden Marktes. Eike Lömker, für Akquisition & Administration bei AP Concept verantwortlich, erklärt im Interview, wie dieser Prozess funktioniert und wo neue Möglichkeiten entstehen.

 

Was sollten Unternehmen und Privatpersonen bei der Entsorgung von Altpapier beachten?

Zunächst die Tonne immer geschlossen halten, damit das Material trocken bleibt. Das Papier sollte lose in die Altpapiertonne geworfen werden, nicht in Plastiktüten oder ähnlichem. Wichtig ist, dass Kartonagen groß bleiben. Sie müssen nicht zerkleinert werden. Wenn ein Karton das Format DIN A4 hat, ist das ideal. Klein gerissene Pappe lässt sich nur schwer im Sortierprozess erfassen. Altpapier, das in etwa auf DIN-A3- oder DIN-A4-Format zerkleinert wird, passt gut in die heimische Altpapiertonne und lässt sich bei uns bereits in den ersten Sortierschritten erfassen.

Können Sie uns einen Überblick über Ihre Rolle und Ihre Aufgaben bei AP Concept geben?

Im Wesentlichen bin ich für die Beschaffung von Altpapier verantwortlich, welches aufgrund seiner Beschaffenheit einer Weiterverarbeitung bzw. Vorbehandlung zugeführt werden muss, bis es eine für die Papierfabrik spezifizierte Qualität hat. Wir treten auch als Entsorgungspartner auf und beauftragen dafür Dienstleister. In Zweitfunktion nehme ich die Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten sowie Abfallbeauftragten wahr, und nach den Büroumbauten erstelle ich den neuen Brandschutzordner. Mein Aufgabengebiet ist also vielfältig und umfasst sowohl operative als auch administrative Tätigkeiten.

Eike Lömker sorgt dafür, dass AP Concept stets ausreichend Altpapier hat und kümmert sich um die Zusammenarbeit mit Entsorgungsdienstleistern. Als Sicherheits- und Abfallbeauftragter hält er zudem die Abläufe bei AP Concept sicher und effizient. Fotos: Steinbeis Papier

Welche Dienstleistungen bietet AP Concept an und für welche Kunden?

Unsere Altpapierbeschaffung gliedert sich in drei Bereiche: Erstens die kommunale Entsorgung, hier beteiligen wir uns an Ausschreibungen von Landkreisen und Kommunen. Ziel ist es hier, das anfallende Altpapier auf unserer Sortieranlage aufzubereiten, sodass der grafische Anteil bei Steinbeis wieder in die Produktion hochwertiger Recyclingpapiere fließen kann. Die nichtgrafischen Anteile, der „Nebenstrom“, also Mischpapier und Kartonagen, werden an Hersteller von zum Beispiel Graukarton oder Wellpappe verkauft. Das zweite Standbein ist der Altpapierhandel, bei dem wir die benötigten Sorten von anderen Entsorgern und Handelspartnern kaufen, betrieblich bearbeiten oder direkt an die Papierfabrik liefern. Last, but not least bieten wir auch vielfältige Dienstleistungen zur Entsorgung von gewerblichen Kunden an. Mit dieser diversifizierten Strategie können wir flexibel auf Marktentwicklungen reagieren und gleichzeitig eine nachhaltige Versorgung sicherstellen.

AP Concept sensibilisiert Unternehmen für die Bedeutung der Altpapierentsorgung und nachhaltiger Praktiken, wobei das Engagement beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis ein wichtiges Instrument zur Bewusstseinsbildung ist. Foto: Steinbeis Papier

Welche Geschäftsstrategie bzw. Unternehmensphilosophie verfolgt AP Concept?

Bei AP Concept verfolgen wir eine klare Geschäftsstrategie, die darauf abzielt, von den Schwankungen des Altpapiermarktes unabhängig zu bleiben. Eine Herausforderung für uns sind die teilweise stark volatilen Preise. Unser Fokus liegt darauf, die Stoffströme für uns und für Steinbeis Papier zu sichern und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, um Altpapierengpässe zu vermeiden. Seit unserer Gründung vor 25 Jahren ist es uns immer gelungen, diesem Ansatz treu zu bleiben und ihn erfolgreich umzusetzen. 

Wie sieht der konkrete Sortierprozess bei der Altpapieraufbereitung aus?

Der Sortierprozess ist bei uns vielfältig und erfolgt in mehreren Schritten. Für die kommunale Entsorgung am Beispiel unseres Heimatkreises wird das gesammelte Altpapier mit den Pressfahrzeugen in unserem Rohstofflager angeliefert, dort abgekippt und in unserer Sortieranlage aufbereitet. Unsere Sortieranlage besteht aus mehreren Stufen: Zuerst werden grobe Kartonagen aussortiert, dann folgt eine Feinsortierung für kleine Kartonagen und abrasive Materialien wie Glasscherben oder Kronkorken. Danach trennt ein Paper Spike noch im Stoffstrom befindliche Kartonagen ab. Der verbliebene Anteil wird von einem Nah-Infrarot-System gescannt, um verbliebene papierfremde Bestandteile so gut wie möglich zu entfernen. Trotz dieser automatisierten Prozesse erfolgt am Ende noch eine Handsortierung, um sicherzustellen, dass keine bedruckten Kartons oder andere unerwünschte Materialien im Altpapier verbleiben. Das Endprodukt wird als Deinkingware an Steinbeis Papier zur Herstellung von neuem Papier geliefert. Der Mix aus zugekauften Papierqualitäten und eigenem sortierten Altpapier wird von Steinbeis zur Herstellung des dortigen Produktportfolios eingesetzt.

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Papier zu Recyclingpapier verarbeitet werden kann?

Zunächst muss es sich um Papier und nicht um Karton handeln. Außerdem darf das Papier nicht durchgefärbt sein. Die Farben bestimmter Druckverfahren lassen sich nicht deinken und hätten einen negativen Einfluss auf das Endprodukt. Techniken bei der Produktion von Zeitschriften wie zum Beispiel Hologramm-Druck oder UV-Lacke zur optischen Aufwertung erschweren das Deinking, also das Entfernen der Druckfarben.

Wie kann AP Concept bestimmte Papierqualitäten garantieren?

Wir arbeiten nach klaren Richtlinien und Verfahren. Basis ist die Altpapiernorm DIN EN 643, in der die Altpapiersorten klassifiziert sind. Für Steinbeis Papier sind einige dieser Sorten spezifiziert, sodass wir nach klaren Vorgaben arbeiten können. Unsere Aufgabe bei AP Concept ist es, das gesammelte Altpapier aufzubereiten. Dieser Prozess erfolgt maschinell, und das Endprodukt, das an Steinbeis Papier geliefert wird, wird einer Sichtkontrolle unterzogen und regelmäßig überprüft. Wir führen Zählungen durch, indem wir Stichproben mit einem bestimmten Gewicht ziehen und die Verunreinigungen im Papier analysieren. Dabei halten wir uns an festgelegte Grenzwerte - zum Beispiel dürfen bis zu 1,5 Prozent Verunreinigungen im Papier sein, bei Überschreitung kommt es zu Ermahnungen oder Reklamationen. Ein Faktor, der die Qualität des Altpapiers beeinflusst, ist zum Beispiel Regenwetter. Das Altpapier wird in den blauen Tonnen oder an Umschlagpunkten nass, was den Sortierprozess beeinträchtigt. 

Welche Rolle spielt AP Concept im gesamten Papierkreislauf?

Wir sind der exklusive Altpapierbeschaffer für Steinbeis Papier. Wenn es neue oder andere verwendbare Altpapiersorten gibt, kümmern wir uns um die Beschaffung von Mustern. Diese werden im Steinbeis-Labor auf ihre Verwendbarkeit untersucht. Dabei spielen verschiedene Faktoren wie Druckverfahren, Füllstoffgehalt und Papiersorte eine Rolle. Nachdem das Papier im Labor getestet und für geeignet befunden wurde, wird eine Probelieferung vereinbart und an die Fabrik geschickt. Dort wird es durch den Produktionsprozess begleitet, um die Auswirkungen auf das Endprodukt zu überwachen. So wird sichergestellt, dass das Altpapier den hohen Qualitätsstandards von Steinbeis Papier entspricht und effizient in den Produktionsprozess integriert wird.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen bei der Altpapierbeschaffung?

Wir erleben einen Rückgang der Auflagen, und in den letzten Jahren haben viele, auch große Druckereien geschlossen oder ihre Produktionsstandorte verlegt. Der Anteil der Printmedien wird immer geringer, und auch das Aufkommen von Printwerbung wie Zeitungsbeilagen und Flyer hat sich deutlich verringert. Dadurch kommt weniger Altpapier auf den Markt. Um dem entgegenzuwirken, setzt AP Concept auf die direkte Ansprache und Sensibilisierung von Unternehmen für Nachhaltigkeit. Darüber hinaus versuchen wir, die Unternehmen zu motivieren, ihr Papier selbst vorzusortieren, um den Recyclingprozess zu optimieren. Auch wenn dies für uns keinen direkten finanziellen Vorteil bringt, so wissen wir doch, dass es letztlich zu einer besseren Wiederverwertung von Altpapier und damit zu einem nachhaltigeren Kreislauf beiträgt.

Der Rückgang der verfügbaren Altpapierressourcen stellt eine wesentliche Herausforderung für AP Concept dar, die durch verstärkte Recherche nach alternativen Beschaffungsquellen und effizientere Recyclingprozesse bewältigt werden kann. Foto: Steinbeis Papier

Können Sie uns einen Einblick in die Zusammenarbeit zwischen AP Concept und Steinbeis Papier geben?

Unsere Hauptansprechpartner sind der Einkauf und natürlich die Kollegen aus der Altpapieraufbereitung. Hier finden regelmäßig Besprechungen und Abstimmungsgespräche zu Lieferungen, Unterstützungsleistungen oder auch Reklamationen und deren Auswirkungen statt. Da kann es auch mal kontrovers zugehen. Viele von uns sind ehemalige Steinbeis-Mitarbeiter, sodass wir uns gut kennen und einen kollegialen Umgang auf allen Ebenen pflegen. Die kurzen Wege machen vieles einfacher, und die Zusammenarbeit ist unkompliziert, auch wenn es natürlich Reibungspunkte gibt. Aber die lassen sich schnell und einfach klären. Alles in allem eine sehr gute Zusammenarbeit.

Wie wirken sich die Innovationen von Steinbeis Papier, zum Beispiel der Sondersortenstrang, auf das Geschäft von AP Concept aus?

AP Concept arbeitet im Rahmen der Steinbeis-Innovation daran, neue Altpapiersorten zu beschaffen und zusätzliche Bezugsquellen zu erschließen. Das ist je nach Quelle unterschiedlich und erfolgt in engem Kontakt mit den Kollegen im Vertrieb bei Steinbeis. Das belebt den Markt, weil die Leute merken, dass es heute bereits bei der Beschaffung wichtig ist, auch über die Entsorgung und das Recycling der jeweiligen Produkte und Materialien nachzudenken und konzeptionell in ein nachhaltiges Wirtschaften zu integrieren. So können wir gemeinsam mit den Kunden sicherstellen, dass auch diese speziellen Sorten optimal verwertet und recycelt werden.

Wo sieht AP Concept neue Möglichkeiten für die Zukunft, und welche Perspektiven und Ideen für neue Ansätze gibt es bereits?

Wir bei AP Concept sehen neue Chancen, aber auch Herausforderungen. Spannend wird es in Zukunft, wenn Steinbeis Papier neue Produkte entwickelt und wir uns um die Rückgewinnung dieses Materials kümmern. Dabei geht es auch darum, innovative Forschung bei der Entwicklung und Aufbereitung dieses Materials zu betreiben und zu prüfen, ob es wiederverwendet werden kann. Das Ziel ist klar: Das Material, das produziert wird, soll auch zurückgenommen und hochwertig wiederverwertet werden – und nicht in der Verbrennung oder auf der Deponie landen. Eine zunehmende Herausforderung bilden dabei sogenannte Multiverbundwerkstoffe, also primär Verpackungen, die aus verschiedenen Materialien bzw. Schichten, zum Beispiel Kunststoff, bestehen und nur äußerlich nach Papier aussehen. Daher haben wir die Hoffnung, dass sich Recycling weiter durchsetzt bzw. besser gesagt, dass alles, was wir konsumieren, bereits bei der Kaufentscheidung hinsichtlich seiner Recyclingfähigkeit beurteilt wird.

Wie sieht Ihre persönliche Nachhaltigkeitsagenda aus?

Ich lebe mit meiner Familie auf dem Land und finde es wichtig, bewusst mit Ressourcen umzugehen. Wir bauen unser eigenes Gemüse an und versuchen, uns so weit wie möglich selbst zu versorgen. Das heißt nicht, dass wir komplett autark sind, aber wir bevorzugen regionale Produkte und saisonale Lebensmittel. Wenn es die Zeit erlaubt, fahre ich gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit, auch wenn das 30 Kilometer sind. Das ist zwar manchmal anstrengend, aber so kann ich meinen Beitrag zum Umweltschutz leisten und gleichzeitig aktiv bleiben.

 


Titelbild: Steinbeis Papier


Autor/-innen

Benjamin Seibring

As a senior editor, Benjamin Seibring specialises in developing content on sustainability, mobility, technology and lifestyle. An editorial traineeship at a German media group and his many years of experience in corporate publishing form the basis. With a high affinity for trend topics and innovative AI tools, he implements cross-media storytelling.

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Benjamin Seibring

Als Senior Redakteur entwickelt Benjamin Seibring schwerpunktmäßig Inhalte zu Nachhaltigkeit, Mobilität, Technik und Lifestyle. Ein Redaktionsvolontariat bei einem deutschen Medienkonzern und seine langjährige Erfahrung im Corporate Publishing bilden die Basis. Mit einer hohen Affinität zu Trendthemen und innovativen KI-Tools setzt er crossmediales Storytelling um.

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