Innovation & Technologie

Grüne Gründer, große Ideen – wie Start-ups dem Planeten Beine machen

Exowatt ermöglicht Rechenzentren eine klimafreundliche, stabile Energieversorgung rund um die Uhr – ganz ohne Stromnetz, seltene Rohstoffe oder wartungsintensive Batterien. Die innovative Wärmespeicherlösung senkt Emissionen, schützt vor Lieferengpässen und macht den Betrieb fit für das KI-Zeitalter. Fotos: Christopher Politano/Pexels, Pixabay/Pexels

Ob Stromspeicher im Containerformat oder Zement aus Industrieabfällen – weltweit entwickeln Start-ups Lösungen für eine nachhaltige Zukunft. Mit automatisierten Indoor-Farmen, essbaren Algenverpackungen und smarter Recycling-Technologie zeigen sie, wie Innovation und Umweltschutz Hand in Hand gehen. Ihr Ziel: Ressourcen schonen, Emissionen senken und unsere Gewohnheiten revolutionieren.

 

Nachhaltigkeit und Innovationskraft sind zwei Seiten derselben Medaille – und beides braucht mehr als nur gute Absichten. Zwar spielen politische Maßnahmen und wissenschaftliche Forschung eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Klima- und Ressourcenkrise. Doch ebenso entscheidend sind visionäre Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit Mut, Kreativität und unternehmerischer Entschlossenheit neue Wege beschreiten. Sie entwickeln Lösungen, die ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbinden – und damit zeigen, wie nachhaltiger Wandel ganz konkret gelingen kann. Die folgenden sechs Start-ups aus aller Welt stehen exemplarisch für diesen Ansatz: Sie setzen auf clevere Technologien, nutzen vorhandene Ressourcen neu oder ersetzen umweltschädliche Prozesse durch smarte Alternativen. Ihr gemeinsamer Nenner? Der Wille, nicht auf Veränderungen zu warten – sondern sie selbst voranzutreiben.

Exowatt (USA): Sonnenenergie rund um die Uhr

Wenn Rechenzentren klimafreundlich arbeiten sollen, reichen ein paar Solarpanels auf dem Dach längst nicht mehr aus. Denn der Energiebedarf solcher Serverfarmen – vor allem im Zeitalter von KI – ist enorm. Und der Anspruch wächst: zuverlässig, rund um die Uhr, unabhängig vom Stromnetz. Genau hier setzt Exowatt aus Miami an. Das junge US-Start-up hat ein modulares Energiesystem entwickelt, das Sonnenenergie in Form von Wärme speichert – und bei Bedarf wieder in Strom umwandelt. Die sogenannte P3-Lösung besteht aus standardisierten Containern, etwa so groß wie ein Schiffscontainer. In ihnen bündeln Linsen das Sonnenlicht, das dann in ein langlebiges Speichermaterial übergeht. Die so erzeugte Wärme kann bis zu 24 Stunden vorgehalten und später per Generator in Strom umgewandelt werden – auch nachts oder bei schlechtem Wetter. Im Unterschied zu klassischen Solar- oder Batteriesystemen basiert die Lösung auf thermischer Speicherung. Das macht sie nicht nur langlebiger und wartungsärmer, sondern auch unabhängiger von knappen Rohstoffen wie Lithium oder seltenen Erden. Zudem setzt Exowatt auf Komponenten „made in USA“, um sowohl Lieferkettenrisiken als auch Emissionen in der Produktion zu senken.

Vollautomatisierte Indoor-Farmen liefern frische, pestizidfreie Lebensmittel direkt in die Stadt – mit minimalem Wasserverbrauch und ohne lange Transportwege. Fotos: Ann H/Pexels, Thisisengineering/Pexels

Cemvision (Schweden): Zement mit 95 Prozent weniger Emissionen

Zement gehört zu den größten CO₂-Verursachern der Welt. Das schwedische Start-up Cemvision zeigt, wie es auch anders geht: Es stellt Hochleistungszement aus recycelten Reststoffen wie Industrieabfällen aus dem Bergbau oder der Stahlproduktion her – ganz ohne Kalkstein und mit fossilfreier Energie. So lassen sich die Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Zement um bis zu 95 Prozent senken. Das Produkt namens Re-ment ist nicht nur ressourcenschonender, sondern bindet sogar CO₂ aus der Atmosphäre. In der aktuellen Demo-Produktion werden bereits 80 Prozent eingespart. Bis 2030 soll das volle Potenzial erreicht sein. Cemvision wurde 2020 gegründet und gilt als einer der vielversprechendsten Anbieter im Bereich nachhaltiges Bauen. 

Stacked Farm (Australien): Vertical Farming in Vollautomation

Das australische Start-up Stacked Farm bringt frische Lebensmittel auf ein neues Level – und zwar das ganze Jahr über, nachhaltig und mit minimalem Wasser- und Energieverbrauch. Ihre Indoor-Farmen sind komplett automatisiert: Von der Aussaat bis zur Verpackung übernehmen Roboter und ein selbst entwickeltes Steuerungssystem jede Aufgabe. So gibt’s weniger Fehler und keine Kontaminationsrisiken. Die Farmen arbeiten mit einem Wasserkreislauf, der kaum Wasser verliert, und stehen möglichst nah an Städten, wodurch lange Transportwege und CO₂-Emissionen eingespart werden. Pro Farm können bis zu 22.000 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. Das Ergebnis? Frische, pestizidfreie Lebensmittel mit bis zu 18 Tagen Haltbarkeit – deutlich länger als bei herkömmlichen Produkten. Dank der modularen Bauweise lassen sich die Anlagen schnell erweitern. Stacked Farm will deshalb bald in allen australischen Großstädten mit ihren Indoor-Farmen vertreten sein. Gegründet wurde das Unternehmen 2016 aus einer privaten Hydroponik-Idee. Heute arbeitet ein Team von über 60 Experten daran, die urbane Landwirtschaft nachhaltig zu verändern. Kein Wunder, dass Stacked Farm 2025 von „Time“ und Statista als eines der führenden Green-Tech-Unternehmen weltweit gefeiert wird.

Notpla (UK): Algen als Verpackung

Notpla ist ein britisches Start-up, das mit coolen Verpackungen aus Algen und Pflanzen richtig was für die Umwelt tut. Gegründet 2014 von Rodrigo García González und Pierre-Yves Paslier, die beide an renommierten Unis studiert haben, startete das Unternehmen mit den essbaren Wasserverpackungen „Ooho“. Diese bestehen aus Braunalgen, sind komplett kompostierbar und können einfach mitgegessen oder im Garten vergraben werden. Mittlerweile hat Notpla ein ganzes Sortiment an nachhaltigen Verpackungen entwickelt, die am Ende ihres Lebenszyklus keine Spuren hinterlassen. Die Materialien basieren auf natürlichen Polysacchariden und kommen ohne Chemikalien aus. Die Verpackungen funktionieren ähnlich wie eine Fruchtschale: Sie schützen den Inhalt auf natürliche und umweltfreundliche Weise. Besonders spannend sind die algenbeschichteten Verpackungen für den Take-away-Markt. Schon über eine Million dieser grünen Verpackungen wurden zum Beispiel für Lieferdienste wie Just Eat Takeaway hergestellt und in verschiedenen europäischen Ländern eingesetzt. Notpla hat für seine innovativen Ideen sogar den Earthshot Prize gewonnen – einen Umweltpreis, den Prinz William ins Leben gerufen hat. Über zehn Millionen Pfund kamen bisher durch Crowdfunding und Investoren zusammen, damit Produktion und Produktpalette wachsen können. Neben den essbaren Verpackungen gibt es jetzt auch transparente Folien und sogenanntes Seetangpapier. Der Clou: Die Algen, aus denen alles gemacht wird, wachsen superschnell und brauchen weder Süßwasser noch Dünger.

Algenbasierte Verpackungen ersetzen Plastik, sind kompostierbar, essbar und hinterlassen keinerlei Müll (links). Eine smarte Technologie trennt Kaffeesatz automatisch von der Kapsel – so wird Recycling endlich einfach, sauber und alltagstauglich (rechts). Fotos: Vincent Ma Janssen/Pexels, Karolina Grabowska/Pexels

Recycap Technologies (Spanien): Revolution im Kaffeekapsel-Recycling

Kaffeekapseln sind praktisch, keine Frage – aber ökologisch ein echtes Problem. Genau das will Recycap Technologies ändern. Das junge Start-up aus Valencia hat sich ganz dem Recycling verschrieben und bringt frischen Wind in den boomenden Kapselmarkt. Die Lösung: smarte Geräte, die den Kaffeesatz automatisch aus gebrauchten Kapseln entfernen. Was bleibt, ist eine saubere Aluminium- oder Kunststoffhülle, die ganz normal recycelt werden kann. Die patentierte REACT-Technologie steckt nicht nur in großen Maschinen für Büros und Gastronomie, sondern bald auch in kleineren Modellen für den Heimgebrauch. Der Ansatz ist klar: Recycling muss einfach sein – und zwar für alle. Gegründet wurde Recycap 2022, seither wächst das Unternehmen rasant. Unterstützt von Investoren arbeitet das Team daran, seine Geräte in möglichst viele Haushalte und Cafés zu bringen. Und das ist erst der Anfang: Auch eine Integration direkt in Kaffeemaschinen ist bereits in Planung.

Oolu (Senegal): Sonnenstrom fürs Dorf – einfach per Handy zahlen

Kein Stromnetz, kein Problem. Das Start-up Oolu aus Dakar bringt Solarenergie dorthin, wo sonst oft nur Kerzenlicht flackert – in abgelegene Dörfer und ländliche Regionen Westafrikas. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Ein Solar-Home-Kit versorgt Haushalte mit Strom für Lampen, Handys, Radios, Ventilatoren oder sogar Fernseher. Gezahlt wird ganz bequem per Handy – Stück für Stück, im Pay-as-you-go-Modell. Gegründet wurde Oolu 2015 mit einer klaren Mission: Menschen ohne Netzanschluss einen sicheren, sauberen und verlässlichen Zugang zu Strom ermöglichen. Und das mit einem Service, der fast schon luxuriös wirkt: Installation, Wartung, Batteriewechsel und Upgrades übernimmt Oolu gleich mit. Das Start-up ist inzwischen in mehreren Ländern der Region unterwegs – darunter Senegal, Burkina Faso, Mali und Nigeria – und bringt Licht in den Alltag von Menschen, für die Strom keine Selbstverständlichkeit ist. Die Technik ist durchdacht, auf lokale Bedürfnisse abgestimmt und funktioniert auch dort, wo Infrastruktur oft fehlt. Mit Oolu wird die Sonne nicht nur zur Energiequelle, sondern zur echten Alltagserleichterung. Eine simple, smarte Lösung, die zeigt, wie viel Impact clevere Ideen haben können.

Die vorgestellten Start-ups eint der unbedingte Wille, mit innovativen Technologien und kreativen Ansätzen Ressourcen zu schonen, Emissionen drastisch zu senken und nachhaltige Alternativen zu traditionellen Produkten und Prozessen zu schaffen. Getrieben vom ständigen Innovationsdrang und unermüdlicher Ideenfindung sucht auch Steinbeis Papier kontinuierlich nach nachhaltigen und effizienten Lösungen. Ziel ist es, Recyclingpapier immer wieder neu zu denken und auf ein noch höheres ökologisches sowie ressourcenschonendes Level zu heben. So wird die Zukunft des Papiers aktiv mitgestaltet – im Einklang mit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.

 


Titelbild: Googledeepmind/Pexels


Autor/-innen

Benjamin Seibring

As a senior editor, Benjamin Seibring specialises in developing content on sustainability, mobility, technology and lifestyle. An editorial traineeship at a German media group and his many years of experience in corporate publishing form the basis. With a high affinity for trend topics and innovative AI tools, he implements cross-media storytelling.

Beiträge von Benjamin Seibring

Benjamin Seibring

Als Senior Redakteur entwickelt Benjamin Seibring schwerpunktmäßig Inhalte zu Nachhaltigkeit, Mobilität, Technik und Lifestyle. Ein Redaktionsvolontariat bei einem deutschen Medienkonzern und seine langjährige Erfahrung im Corporate Publishing bilden die Basis. Mit einer hohen Affinität zu Trendthemen und innovativen KI-Tools setzt er crossmediales Storytelling um.

Beiträge von Benjamin Seibring


Leider verwenden Sie einen veralteten Browser.
×
Unser Internetauftritt wurde auf Basis zeitgemäßer und sicherer Technologien entwickelt. Daher kann es bei der Nutzung eines veralteten Browsers zu Problemen bei der Darstellung und den Funktionalitäten kommen. Wir empfehlen Ihnen, einen anderen aktuellen und kostenlosen Browser zu nutzen:
Mozilla Firefox
Google Chrome
Microsoft Edge