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Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Wie Steinbeis PolyVert den Wertstoffkreislauf stärkt und Zukunft schafft.

Mit 29 Jahren leitet Annika Krause bereits den Betrieb am Standort der Steinbeis PolyVert Fulda GmbH in Großenlüder – und trägt Verantwortung für 36 Mitarbeitende. Den Grundstein dafür legte sie 2016 mit einem dualen Studium in Glückstadt. Foto: Steinbeis PolyVert

Annika Krause ist Betriebsleiterin am Steinbeis PolyVert Standort in Großenlüder und trägt die Verantwortung für 36 Mitarbeitende. Ihr Weg dorthin ist eine Geschichte von Leidenschaft für Technik und Mut zur Veränderung. Ein Gespräch über tägliche Herausforderungen, gelebte Nachhaltigkeit und die Kraft des Miteinanders.

Frau Krause, mit gerade einmal 29 Jahren sind Sie schon seit 10 Jahren in der Steinbeis-Gruppe tätig – und tragen heute die Verantwortung für den Betrieb der Steinbeis PolyVert Fulda GmbH in Großenlüder: Eine spannende Dekade, die hinter Ihnen liegt.

Ja, das kann man so sagen. Angefangen hat alles 2016 mit einem dualen Studium zur Wirtschaftsingenieurin bei der Steinbeis Papier in Glückstadt. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mein Herz für den technischen Teil schlägt und habe meinen Schwerpunkt schon früh auf die Technik und Produktion gelegt. Nach dem Studium stieg ich zunächst als technische Assistentin im Projektmanagement ein und wechselte später in die Holding, um das Projektmanagement zentral für alle Standorte auszubauen. 

Ihre Leidenschaft für Technik kommt nicht von ungefähr, oder?

Das hat früh angefangen. Mein Opa war begeisterter Autoschrauber, auch mein Vater ist handwerklich sehr begabt. Das hat mich geprägt. In der Schule war dann Mathematik mein Steckenpferd. Da meine Eltern aber eher einen kaufmännischen Hintergrund haben, war das Wirtschaftsingenieurwesen die perfekte Kombination beider Welten und das hat mich schließlich zu Steinbeis geführt.

Einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt Annika Krause direkt an den Maschinen – dort, wo aus gebrauchten PET-Flaschen Schritt für Schritt hochwertige Flakes werden. Prozessoptimierung und eine stabile Produktion gehören zu ihren täglichen Aufgaben. Fotos: Steinbeis PolyVert

Und doch ist der Schritt von Glückstadt nach Großenlüder nicht nur fachlich, sondern auch räumlich ein großer. Wie kam es dazu?

Eines meiner Projekte führte mich im ersten Schritt hierher nach Großenlüder zur Steinbeis PolyVert Fulda GmbH. Als der damalige Betriebsleiter das Unternehmen verließ, bot man mir die Chance, dauerhaft hier zu bleiben und diese Aufgabe zu übernehmen. Ich bin nun seit fast zwei Jahren Betriebsleiterin hier am Standort – eine Entwicklung, die ich mir am Anfang meiner Zeit bei Steinbeis niemals erträumt hätte.

Wie muss man sich Ihre Aufgabe vorstellen, wie sieht Ihr Alltag aus?

Das Spannende, aber auch Herausfordernde ist, dass ich keinen klassischen Alltag habe. Meine Arbeit ist eine ständige Balance zwischen dem operativen Tagesgeschäft und der strategischen Werksentwicklung. Einen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich in Arbeitskleidung an den Maschinen. Da geht es um Prozessoptimierung, um eine konstante und stabile Produktion zu sichern. Zudem gehören die disziplinarische Personalführung sowie die langfristige Entwicklung des Werks zu meinen Aufgaben.

Kurze Wege, großes Know-how: Dank des standortübergreifenden Austauschs innerhalb der Gruppe lassen sich Herausforderungen schnell und effizient lösen. Fotos: Steinbeis PolyVert, Steinbeis Holding

Um ein Gefühl zu bekommen: Was macht den Alltag so abwechslungsreich?

Als Betriebsleiterin stehen für mich die Belange des Betriebes sowie der Mitarbeitenden im Vordergrund. Somit werde ich nahezu tagtäglich mit neuen Situationen und Herausforderungen konfrontiert, die Reaktionsfähigkeit und letztendlich eine Entscheidung von mir verlangen. 

Weiterhin fasziniert mich grundsätzlich der Wertschöpfungsprozess vom Abfall (PET-Getränkeflasche) bis hin zu einem Produkt (PET-Flakes). Beim Recyceln von PET-Flaschen werden diese in einem mehrstufigen Prozess zerkleinert, gewaschen und von Fremdstoffen getrennt. Das Ergebnis sind hochwertige PET-Flakes – ein wertvoller Rohstoff, aus dem wieder neue Getränkeflaschen, Verpackungen oder andere Produkte entstehen können. 

Das klingt energieintensiv – was den persönlichen Einsatz angeht als auch mit Bezug auf das Produkt. Nachhaltigkeit ist immer das Geschäftsmodell in der Steinbeis-Gruppe und damit von entscheidender Bedeutung. Wo und wie begegnet Ihnen dieses Thema konkret in Ihrer täglichen Arbeit?

Ganz richtig: Das Streben nach Effizienz und Ressourcenschonung ist Teil unseres Geschäftsmodells und begleitet all unsere Entscheidungen. Um beim Thema PET zu bleiben: Für unsere Qualität der Flakes wollten wir das alte Waschaggregat, den sogenannten Refiner, durch eine Natronlaugen-Heißwäsche ersetzen. Dabei standen wir vor der Wahl einer gasbefeuerten konventionellen Lösung oder einer Wärmepumpe, um die Prozesswärme zu erzeugen. Die Wärmepumpe war die größere Investition, aber im Sinne der Nachhaltigkeit und unserer Zukunftsfähigkeit war sie für uns die einzig richtige Entscheidung. 

Lässt sich die Reduzierung des Energieverbrauchs schon in Zahlen ausdrücken? 

Durch die Eliminierung eines alten Aggregats konnten wir unseren Energieverbrauch signifikant reduzieren, was ich beeindruckend finde. Das alte Waschaggregat hatte einen strombetriebenen 500-kW-Antrieb. Durch die Kombination der Heißwäsche mit einer neuen effizienten Wärmepumpe für die Prozesswärme merken wir bereits jetzt im Testbetrieb der neuen Heißwäsche, dass wir den Energieverbrauch um circa 20 Prozent reduzieren konnten. Das zeigt, dass sich die Investition nicht nur für die Umwelt, sondern auch wirtschaftlich absolut gelohnt hat.

Inwiefern profitieren Sie hier am Standort bei derartigen Entscheidungen vom Wissenstransfer innerhalb der Gruppe?

Der Austausch ist extrem wichtig. Wir sind ein kleiner Standort, haben nicht für jeden Bereich einen Fachexperten vor Ort – aber in der Gruppe. Wir hatten beispielsweise ein Problem mit Ablagerungen an einem Sieb. Ein Anruf bei einem PolyVert-Kollegen in Österreich für einen ersten Tipp und eine Probe an das Steinbeis-Labor in Glückstadt genügten, um eine Lösung zu finden. Es ist ein großer Vorteil, auf dieses Know-how aus unterschiedlichsten Bereichen zugreifen zu können. In meinem Fall kenne ich viele der Kolleginnen und Kollegen persönlich aus meinen vorherigen Stationen, was mir natürlich vieles erleichtert.

Am Standort Großenlüder zeigt Steinbeis PolyVert, wie industrielle Kreislaufwirtschaft in der Praxis aussieht: Mit modernster Anlagentechnologie und dem Know-how der gesamten Steinbeis-Gruppe entstehen aus Abfall leistungsfähige Materialien für die Industrie. Foto: Steinbeis PolyVert

Ist das Persönliche noch einmal ein stärkerer Hebel?

Unbedingt, das Miteinander ist auch ein wichtiger Teil, der für mich die Steinbeis-Gruppe auszeichnet. Das habe ich für mich schon früh festgestellt. Ich kann nur jedem empfehlen, so oft es geht den persönlichen Kontakt zu suchen und zu pflegen. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden; oft existiert eine Lösung schon in ähnlicher Form innerhalb der Gruppe. Diesen Austausch aktiv zu fördern und ein Netzwerk aufzubauen, ist unbezahlbar.

Gab es ein Schlüsselmoment, der für Sie besonders gut zeigt, was die Arbeit in der Steinbeis-Gruppe ausmacht?

Ja, definitiv. Direkt nach dem Studium durfte ich ein komplexes Projekt in Glückstadt, den Bau eines vollautomatisches Palettenlagers, zunächst begleiten und dann alleinverantwortlich vor Ort zu Ende führen. Ich war jung, unerfahren, aber das Team und die Kollegen haben mich unglaublich unterstützt. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie viel Vertrauen einem bei Steinbeis entgegengebracht wird und wie viel man im Team erreichen kann. Das hat mich geprägt und hilft mir noch heute, hier in Großenlüder.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Potenziale sehen Sie, um die Nachhaltigkeitsagenda bei Steinbeis PolyVert und in der Gruppe weiter voranzutreiben?

In Summe geht es immer darum, die Kreisläufe zu schließen Die Kunststoffindustrie und der Einsatz von Rezyklaten und somit Schonung von natürlichen Ressourcen sind für unser aller Zukunft sehr wichtig und wird zunehmend verpflichtend. In dem Zusammenhang wird es spannend sein, die „Towards Zero“-Nachhaltigkeitsstrategie, die bei Steinbeis Papier entwickelt wurde, auf unser Geschäft zu übertragen, um noch effizienter und nachhaltiger zu produzieren. Aber auch da vertraue ich auf den Wissenstransfer, der uns alle voranbringt. Schließlich ist die Vermeidung beziehungsweise die Wiederverwertung von Abfällen ein übergeordnetes Thema, das alle Unternehmen innerhalb der Steinbeis-Gruppe aus ökologischer, aber auch ökonomischer Sicht betrifft.

 


 


Titelbild: Steinbeis PolyVert


Autor/-in

Patrick Morda

Patrick Morda hat seit 2009 umfangreiche Erfahrung in leitenden Redaktionspositionen gesammelt. Er war mehrfach als Chefredakteur tätig und verantwortete die Entwicklung neuer Geschäftsfelder im Medienbereich, insbesondere mit einem Fokus auf Themen wie New Mobility. Seine Expertise erstreckt sich auf die strategische Leitung von Redaktionen und die Arbeit an Special-Interest-Magazinen.

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