Paper worlds, Papierwelten

Kunst in jeder Faser: Medium Papier im Rampenlicht der Paper Positions

Angela Glajcar war mit ihrer Papierskulptur „Terforation“ (links) ein Highlight der Paper Positions 2023 in Berlin. Mit präziser Material- und Lichtgestaltung definiert sie den Raum neu. Neben Glajcar präsentieren viele verschiedene Galerien eine Vielzahl von Facetten der Papierkunst, die die kreative Bandbreite dieses Mediums verdeutlichen. Fotos: Courtesy of Galerie Nanna Preussners, Clara Wenzel-Theiler

Papier eröffnet Künstlerinnen und Künstlern eine besondere Ausdruckskraft, von filigranen Zeichnungen bis hin zu beeindruckenden skulpturalen Werken. Die Messe Paper Positions stellt genau diese Vielfalt in den Mittelpunkt und präsentiert Papier nicht nur als Trägermaterial, sondern als eigenständiges Kunstmedium. Mit ihrem innovativen Konzept schafft die Messe ein Schaufenster für die faszinierende Bandbreite der Papierkunst und lädt Besucherinnen und Besucher ein, die kreative Kraft dieses oft unterschätzten Materials neu zu entdecken.

 

Papier als Kunstmedium fasziniert nicht nur durch seine Vielseitigkeit, sondern auch durch die innovative Kraft, die es entfaltet. Werke von Kunstschaffenden wie Angela Glajcar und Oskar Holweck haben gezeigt, wie Papier in seiner Zerbrechlichkeit und Struktur Räume öffnet und neue Perspektiven auf Kunst ermöglicht. Genau diese Faszination steht auch im Mittelpunkt der Paper Positions, deren nächste Ausgabe vom 21. bis 24. November 2024 in Wien stattfindet. Hier wird Papier nicht nur als Medium, sondern als eigenständiges Kunstwerk gefeiert – und schafft so eine neue Begeisterung für das Material, das uns vertraut ist, aber immer wieder überrascht.

Die Paper Positions lädt Besucherinnen und Besucher ein, Papier als eigenständiges Kunstmedium zu entdecken – von filigranen Zeichnungen bis hin zu beeindruckenden Installationen. Mit ihrem offenen Messeformat schafft sie Raum für direkte Begegnungen und überraschende Einblicke in die Vielfalt der Papierkunst. Foto: Clara Wenzel-Theiler

Ein internationales Schaufenster für die Kunst auf Papier

Die Messe Paper Positions hat sich als fester Bestandteil der internationalen Kunstszene etabliert. Mit Standorten in Berlin, München, Basel und Wien bietet sie ein Schaufenster für Kunst, die das Medium Papier in den Mittelpunkt stellt. Die besondere Vielfalt der gezeigten Papierkunst und die offene, niedrigschwellige Präsentation machen das Konzept der Messe einzigartig. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Galerien eine größtmögliche Bandbreite an Papierkreationen zu zeigen, die sowohl unsere Sammlerinnen und Sammler als auch das breite Publikum überraschen und begeistern“, erklärt Kristian Jarmuschek, einer der beiden Messedirektoren.

Ein weiteres Merkmal, das die Paper Positions auszeichnet, ist die innovative Z-Form der Stände, die den Austausch zwischen Besucherinnen und Besuchern, Galerien und Künstlerinnen und Künstlern fördert. „Diese Anordnung senkt die Hemmschwelle und regt den Dialog an“, so Heinrich Carstens, ebenfalls Direktor der Messe. Neben der Vielfalt an Techniken und künstlerischen Ansätzen, die von Zeichnungen bis zu raumgreifenden Installationen reichen, spielt die Internationalität der Ausstellerinnen und Ausstellern eine zentrale Rolle. „In Berlin haben wir in der Regel zwischen 30 und 40 Prozent Galerien, die nicht aus Deutschland stammen“, erläutert Jarmuschek. Die leichte Transportierbarkeit des Mediums macht es besonders attraktiv für internationale Galerien.

Die Paper Positions entstand 2017, ursprünglich als Ergänzung zur Hauptmesse, der Positions Berlin Art Fair. „Wir merkten bald, dass uns eine Veranstaltung im Jahr nicht ausreicht“, erinnert sich Jarmuschek. Als ihnen dann ein Veranstaltungsort im Bikini Berlin angeboten wurde, der für großformatige Kunst ungeeignet war, kam die Idee, Papierarbeiten zu zeigen. „Papierarbeiten, die oft kleiner sind und unmittelbarer wirken, passten perfekt“, erklärt Carstens. Schnell stellte sich heraus, dass das Interesse an Papier als eigenständiges künstlerisches Medium groß war – die Resonanz von Galerien, Künstlerinnen und Künstlern sowie Besucherinnen und Besuchern war überwältigend. „Unser Ziel ist es, Interessierten zu zeigen, dass Papier viel mehr ist als nur ein Trägermaterial – es ist ein Medium, das in seiner Vielseitigkeit immer wieder überrascht“, fasst Carstens zusammen.

Oskar Holweck war ein deutscher Papierkünstler, der mit Techniken wie Reißen und Falten sowie einer monochromen Farbpalette arbeitete. Seine Konzentration auf die Materialität und die strukturelle Vielfalt machen ihn zu einem wichtigen Vertreter der Papierkunst, der bei der Paper Positions besondere Aufmerksamkeit verdient. Fotos: Courtesy of Galerie Martin Kudlek & the artist

Papier: Eine Vielfalt der Möglichkeiten und Herausforderungen

Bei der Paper Positions stehen die Direktoren Kristian Jarmuschek und Heinrich Carstens im Austausch mit der Kunstszene, um Erfahrungen und Perspektiven zu diesem faszinierenden Material zu erkunden. „Wir haben viele Gespräche mit Galerien, Künstlerinnen und Künstlern geführt, die uns berichtet haben, dass Papier oft als vorübergehend und vorläufig wahrgenommen wird. Das unterscheidet sich stark von anderen Materialien, wie zum Beispiel der Leinwand“, erklärt Jarmuschek. „Die Kunstschaffenden schätzen die Spontaneität, die das Arbeiten mit Papier mit sich bringt. Es ermöglicht einen viel unmittelbaren Zugang zum kreativen Prozess.“ Carstens fügt hinzu: „Die Herausforderung liegt oft darin, dass Papier ein zerbrechliches Medium ist. Doch gerade diese Zerbrechlichkeit eröffnet auch neue Wege. Man kann mit verschiedenen Techniken arbeiten, sei es durch Schnitte, Reißen oder das Verarbeiten vorgefundener Papiere. Diese Vielfalt macht das Arbeiten mit Papier so reizvoll.“ Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft des Mediums ist die Geschwindigkeit, mit der Ideen umgesetzt werden können. „Papier ermöglicht es Künstlerinnen und Künstlern, Ideen viel schneller und intensiver zu Papier zu bringen als bei größeren Leinwänden“, so Jarmuschek. „Der künstlerische Prozess wird dadurch viel intuitiver.“

Die Paper Positions zeigt nicht nur die Vielfältigkeit des Mediums, sondern auch die Rückkehr zu alten Techniken. Carstens bemerkt: „Wir beobachten, dass klassische Methoden wie Aquarell oder Collage einen neuen Reiz bekommen. Diese Techniken werden heute wieder neu interpretiert und in den künstlerischen Diskurs integriert.“ Ein entscheidender Trend ist die Auseinandersetzung mit der Perfektion. „Immer mehr Künstlerinnen und Künstler legen weniger Wert auf Perfektion und lassen Bruchstellen in ihren Arbeiten stehen. Sie sind bereit, das Unvollkommene zu akzeptieren und damit zu experimentieren. Diese Offenheit ist erfrischend und zeigt sich besonders in den Arbeiten von Künstlern wie Oskar Holweck, der schon in den 60er-Jahren mit Papier als Hauptdarsteller gearbeitet hat“, erläutert Carstens.

In einer zunehmend digitalisierten Welt ist das Medium Papier nicht nur ein kreatives Werkzeug, sondern auch ein Statement. „Papier zieht sich ein Stück weit aus der Alltäglichkeit zurück und gewinnt dadurch an Wert und Reiz. Es ist nicht mehr selbstverständlich, Papier zu verwenden, was die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Medium umso interessanter macht“, meint Jarmuschek. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Papierkunst. „Recycling ist ein großes Thema, besonders bei Künstlerinnen und Künstlern, die mit Collagen arbeiten. Sie verwenden vorgefundene Materialien und zeigen damit, dass Papier ein wertvoller Rohstoff ist“, betont Carstens.

Perspektive der Paper Positions

Ein zentrales Anliegen der beiden Direktoren ist es, jungen Galerien und Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zu bieten. „Es ist immer ein schwieriger Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und der Möglichkeit für junge Talente, sich zu präsentieren“, sagt Jarmuschek. „Wir möchten sicherstellen, dass auch sie bei uns eine Chance bekommen, ohne dass es für sie finanziell belastend wird.“ Die Wahl des Veranstaltungsortes ist für die Paper Positions von entscheidender Bedeutung. Carstens betont: „Es ist wichtig, dass die Location eine besondere Atmosphäre hat. Eine normale Messehalle ist für uns völlig uninteressant. Wir benötigen einen Ort, der zentral ist und einen einzigartigen Charakter aufweist.“

Die Resonanz auf die Paper Positions ist international. Jarmuschek erklärt: „In jedem Land, in dem Kunst produziert wird, gibt es auch Papierkunst. Das Format ist so erfolgreich, weil viele Sammlerinnen und Sammler mit Papierarbeiten beginnen. Oft war es die erste Kunst, die sie gekauft haben, da sie vielleicht noch nicht viel Geld hatten oder keinen Platz für größere Werke.“ Beide Direktoren haben beobachtet, dass viele Sammlerinnen und Sammler im Laufe der Jahre zu ihren Anfängen zurückkehren, was oft mit Papierkunst zu tun hat. Carstens bemerkt: „Es ist ein faszinierendes Phänomen, dass Menschen im Alter wieder zu den Dingen zurückkehren, die sie in ihrer Jugend geschätzt haben. Ähnlich verhält es sich mit der Papierkunst. Sie bleibt ein zentraler Bestandteil der Kunstsammlung für viele Menschen.“

Die Paper Positions steht vor einer aufregenden Zukunft, in der sie sowohl junge Talente unterstützen als auch die globalen Trends in der Papierkunst reflektieren will. Mit einem klaren Fokus auf die besondere Qualität der Locations und der Unterstützung junger Künstlerinnen und Künstler sind die Macher bereit, neue Wege zu gehen und das Medium Papier in all seinen Facetten zu feiern. Jarmuschek und Carstens schließen: „Wir sind gespannt, wo uns die Reise hinführt.“

 


Titelbild: Natalia Carstens Photography


Autor/-innen

Benjamin Seibring

As a senior editor, Benjamin Seibring specialises in developing content on sustainability, mobility, technology and lifestyle. An editorial traineeship at a German media group and his many years of experience in corporate publishing form the basis. With a high affinity for trend topics and innovative AI tools, he implements cross-media storytelling.

Beiträge von Benjamin Seibring

Benjamin Seibring

Als Senior Redakteur entwickelt Benjamin Seibring schwerpunktmäßig Inhalte zu Nachhaltigkeit, Mobilität, Technik und Lifestyle. Ein Redaktionsvolontariat bei einem deutschen Medienkonzern und seine langjährige Erfahrung im Corporate Publishing bilden die Basis. Mit einer hohen Affinität zu Trendthemen und innovativen KI-Tools setzt er crossmediales Storytelling um.

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