„Nachhaltigkeit ist die DNA von Steinbeis Papier“
Die Steinbeis Papier GmbH hat sich als einer der führenden Hersteller von Recyclingpapier in Europa ambitionierte Ziele für die Zukunft gesetzt. Im Interview spricht Geschäftsführer Marc Gebauer über die Erfolge des vergangenen Jahres, die Unternehmensziele 2025 und die Herausforderungen und Chancen in der Papierindustrie.
Herr Gebauer, wie blicken Sie persönlich und unternehmerisch auf das Jahr 2024 zurück?
Es war ein erfolgreiches Jahr für Steinbeis Papier. Wir haben eine gute Auslastung erreicht und durften wichtige strategische Erfolge feiern. Besonders stolz sind wir auf die gewonnenen neuen Magazine im LWC-Bereich, die vor allem unseren innovativen Produkten Steinbeis Nature und Steinbeis Select zum Durchbruch verholfen haben. Ein weiterer Meilenstein war die vollständige Übernahme der Anteile an dem Kraftwerk in Papenburg. Durch diese strategische Akquisition konnten wir den Anteil nachhaltig erzeugter Energie in der Steinbeis Holding auf 100 Prozent steigern.
Persönlich blicke ich mit Zufriedenheit und Stolz auf das Jahr zurück, da wir als Unternehmen sowohl ökonomisch als auch ökologisch weiter einen bedeutenden Schritt nach vorn gemacht haben. Wir haben unser Engagement für eine nachhaltige Zukunft konsequent weiterverfolgt und konnten unsere Marktposition im Recyclingpapierbereich weiter festigen.
Welche Ziele und Visionen haben Sie für Steinbeis Papier bis 2025?
Unsere Vision bleibt klar: Wir möchten unsere Rolle als europäischer Marktführer und Vorreiter für Recyclingpapiere aus 100 % Altpapier weiter ausbauen. Bis 2025 wollen wir unsere Marktanteile ausweiten, neue innovative Produkte entwickeln und unsere CO₂-Emissionen weiter reduzieren. Ein Schwerpunkt liegt auf maßgeschneiderten Lösungen für unsere Kundinnen und Kunden sowie auf Investitionen in Forschung und Entwicklung. Parallel dazu setzen wir auf die gezielte Förderung unserer Mitarbeitenden. Ein weiterer zentraler Baustein für 2025 ist die Entwicklung eines umfassenden Konzepts zur Erfassung unserer CO₂-Emissionen, begleitet von einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Maßnahmen bis 2040.
Steinbeis ist bezüglich der Energieversorgung bestens aufgestellt.
Wie bereitet sich Steinbeis Papier auf Veränderungen in der Branche vor?
Die Papierindustrie steht vor der Transformation hin zu einem nachhaltigen Kreislaufsystem. Recyclingpapier gewinnt an Bedeutung, während die Nachfrage nach grafischen Papieren rückläufig ist. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen wir auf eine effiziente Produktion, innovative Recyclingprozesse und Flexibilität für kleinere Auftragsvolumen.
Auch die Sicherung von Altpapier als Rohstoff ist entscheidend, insbesondere bei steigendem Anteil an Verbundverpackungen. Hierauf haben wir uns rechtzeitig mit dem Sondersortenstrang vorbereitet, um neue Altpapierquellen nutzen zu können. Steinbeis ist bezüglich der Energieversorgung bestens aufgestellt – mit eigenen Kraftwerken und nachhaltiger Energie aus einer eigenen Grünstromversorgung.
Welche Innovationen in Produktion und Produktentwicklung sind geplant?
In der Produktion setzen wir bereits auf prozessorientierte Abläufe und planen, in den kommenden Jahren noch mehr in digitale Lösungen zu investieren, um unsere Prozesse noch effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Weiterhin haben wir einen Fokus auf unser Portfolio der Etikettenpapiere. Neben den Optimierungsprozessen der bestehenden Produkte Steinbeis Label Wet und Steinbeis Label Dry sind weitere Ausprägungen und neue Produkte in der Entwicklungsphase.
Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung sind zentrale Themen für Steinbeis Papier. Wie setzen Sie diese in der Praxis um?
Nachhaltigkeit ist die DNA von Steinbeis Papier, und wir werden auch weiterhin alles daransetzen, unseren ökologischen Fußabdruck immer weiter zu minimieren.
Ein wichtiger und ergänzender Schritt in diese Richtung ist unsere Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Nachhaltigkeit in der Lieferkette zahlt hier direkt auf unseren Scope 3 ein.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit mit Evonik Active Oxygens. Dank dieser Partnerschaft kann Steinbeis Papier sicherstellen, dass das eingesetzte Wasserstoffperoxid nicht nur in der Anwendung, sondern auch in seiner Herstellung möglichst klimaneutral ist.
Transparenz und ESG-Standards gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wie stellt sich Steinbeis Papier auf?
Wir legen großen Wert darauf, höchste ESG-Standards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten. Deshalb bewerten wir unsere Lieferanten inzwischen nach strengen ESG-Kriterien. Gleichzeitig haben wir uns selbst diesem Bewertungsprozess unterzogen und wurden durch die Synesgy-Plattform mit der Höchstnote „A – Exzellent“ ausgezeichnet.
Diese Bewertung zeigt, dass wir nicht nur die ESG-Anforderungen erfüllen, sondern auch internationale Best Practices umsetzen. Basis der Bewertung sind renommierte Standards wie die Global Reporting Initiative (GRI) und die Sustainable Development Goals (SDGs).
Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?
Der Fachkräftemangel ist auch für uns eine Herausforderung. Wir setzen auf eine starke Arbeitgebermarke und bieten sichere, zukunftsfähige Arbeitsplätze in einer Kultur der Vielfalt und Innovation. Unsere Aus- und Weiterbildungsprogramme bereiten Mitarbeitende auf die Zukunft vor, während wir Quereinsteiger gezielt fördern.
Wir pflegen enge Kontakte zu Schulen, Sportvereinen und der Region, um junge Talente frühzeitig für uns zu begeistern. Viele Praktikanten sammeln wertvolle Erfahrungen in unserem Werk, und unsere Ausbildungsquote haben wir in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Lokales soziales Engagement stärkt unsere Verbindung zur Gemeinschaft, während Auszeichnungen als „Top-Arbeitgeber“ unsere Attraktivität unterstreichen.
Wo sehen Sie die größten Chancen für Steinbeis Papier, und welche Veränderungen sind dafür notwendig?
Die größten Chancen für Steinbeis Papier liegen in der Weiterentwicklung unserer Produktpalette und der Erschließung neuer Märkte. Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit der Schlüssel zum Erfolg ist, und sehen einen klaren Trend zu einer verstärkten Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten. Wir werden alles daransetzen, diesen Trend zu nutzen und unsere Position als Marktführer weiter auszubauen. Notwendige Veränderungen betreffen nach wie vor die digitale Transformation und die Optimierung unserer Prozesse – ein kontinuierlicher Prozess, bei dem wir auf einem sehr guten Weg sind. Wichtig ist auch, die Flexibilität zu fördern, um schnell und gut auf neue Marktgegebenheiten und neue Kundenanforderungen reagieren zu können. Auch wenn Flexibilität Geld kostet, ist sie unverzichtbar für unseren zukünftigen Erfolg.
Wir setzen auf eine starke Arbeitgebermarke und bieten sichere, zukunftsfähige Arbeitsplätze.
Welche wichtigen Ziele haben Sie sich für das Jahr 2025 gesetzt?
2025 wird ein anspruchsvolles Jahr. Wir wollen weiterhin eine hohe Auslastung unserer Kapazitäten sicherstellen und gleichzeitig unsere Kostenposition stetig verbessern. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung unseres Portfolios für Spezialpapiere. Darüber hinaus möchten wir unserer Klimaneutralität in der Produktion näherkommen und unsere Position als Marktführer im Recyclingpapierbereich weiter stärken. An oberster Stelle steht wie bisher unser stetiger Anspruch, die hohe Steinbeis-Qualität und -Zuverlässigkeit sicherzustellen und das Vertrauen unserer Kunden nicht zu enttäuschen. Jeden Tag aufs Neue. Dafür setzen sich unsere 354 Mitarbeitenden mit voller Leidenschaft ein.
Titelbild: Steinbeis Papier