Innovation & Technologie

Alte Liebe, neuer Antrieb

Ein echtes Nordlicht: Nils Iwahn, geboren 1989 in Eckernförde und aufgewachsen in Kiel, verbindet norddeutsche Bodenständigkeit mit Pioniergeist in der Elektromobilität. Foto: Nils Iwahn

Elektromobilität mit Herzblut: Wie Nils Iwahn mit e-drive solution Oldtimern ein zweites Leben schenkt.

Ein Funke, der zur Leidenschaft wurde

Schon als Kind begeisterte sich Nils Iwahn für alles Mechanische und Elektrische. Ob Modelleisenbahnen, Lego Technic oder erste Basteleien an Motoren – früh war klar, dass sein Weg in eine technische Richtung führen würde. „Ich hatte eine riesengroße Märklin-Eisenbahn und war völlig fasziniert von der Idee, Dinge mit Elektrik anzutreiben. Später kam dann der Punkt, an dem ich dachte: Warum nicht auch Autos?“, erzählt Nils. Seine technische Neugier trieb ihn stetig voran. „Ich habe schon früh an allem herumgebastelt, was einen Motor hatte. Es ging mir immer darum zu verstehen, wie Dinge funktionieren und wie man sie eventuell verbessern kann.“

Der Weg zum Elektro-Experten

Nach seiner Ausbildung zum Elektriker und einer Weiterbildung zum Servicetechniker für Windenergieanlagen kam der entscheidende Moment: Die Kombination seiner Elektro-Kenntnisse mit der Leidenschaft fürs Autoschrauben sollte sein weiterer Weg werden. Im Rahmen seines Studiums zum „Staatlich geprüften Techniker für Elektromobilität“ baute er mit Kommilitonen ein E-Trike und rüstete eine Ente von Citroën auf Elektroantrieb um. „Wir haben alles selbst gemacht – von der Planung über die Verkabelung bis zur Anpassung der Steuerung. Es war ein echter Gamechanger für mich zu sehen, wie das Auto danach auf völlig andere Weise funktionierte.“

Von der Vision zum eigenen Unternehmen

Nach einigen Jahren als Projektleiter bei einem Spezialunternehmen für Elektromobilitätslösungen gründete Nils 2019 e-drive solution. Sein innovativer Ansatz: Statt selbst Fahrzeuge umzubauen, unterstützt er andere dabei, ihre Umbauprojekte zu realisieren. „Ich rüste selbst keine Autos um, sondern liefere die Komponenten, das Know-how und die richtigen Kontakte“, erklärt Nils. „Viele meiner Kunden sind Oldtimer-Fans oder haben einfach eine emotionale Bindung zu ihrem Auto. Die Idee, dass sie ihr Fahrzeug weiter nutzen können, nur mit modernem Antrieb, begeistert sie.“

Das Herzstück der Verwandlung: Elektromotoren, wie sie die Kunden von e-drive solution verbauen, hauchen Oldtimern neues Leben ein – leise, sauber und kraftvoll. Foto: Nils Iwahn

Maßgeschneiderte Lösungen für jeden Bedarf

Die Bandbreite der Projekte ist beeindruckend: Von klassischen Oldtimern bis zu Spezialfahrzeugen reicht das Spektrum. „Die meisten meiner Kunden brauchen ihr Auto hauptsächlich für kürzere Strecken“, erklärt Nils. „Da muss man das Fahrzeug nicht unbedingt für lange Distanzen ausrüsten – das spart Kosten und macht technisch mehr Sinn.“ Die Aufwendungen für eine Umrüstung variieren je nach Fahrzeug und gewünschter Leistung. „Ein Grundsystem für kleinere Fahrzeuge wie einen Fiat 500 oder Mini Classic beginnt bei etwa 10.000 Euro", erklärt Nils. „Für größere Fahrzeuge oder mehr Leistung kann es auch das Doppelte sein.“ Zwar ist das eine beträchtliche Investition, doch für viele Kunden rechnet sie sich: Die Wartungskosten sind deutlich geringer als bei einem Verbrenner, und die Betriebskosten mit Strom liegen weit unter denen für Benzin oder Diesel. „Aber letztlich geht es bei Oldtimern ohnehin nie um reine Wirtschaftlichkeit“, schmunzelt Nils. „Wenn jemand sein geliebtes Fahrzeug weiter nutzen möchte, spielen die Kosten oft eine untergeordnete Rolle. Das ist wie bei jeder Liebhaberei.“ Besonders stolz ist er auf die Vielfalt seiner Kundschaft: Mein jüngster Kunde ist 16 Jahre alt und baut einen alten Trecker um, und ich habe einen Kunden, der mit 85 einen Kübelwagen auf Mallorca zusammenschraubt.“ Diese Diversität spiegelt sich auch in den Projekten wider: Von VW Bullis über Porsche-Klassiker bis hin zu historischen Feuerwehrfahrzeugen – jedes Projekt hat seine eigene Geschichte.

Innovative Lösungen für die Industrie

Während private Umbauprojekte den Kern seiner Arbeit bilden, sind es vor allem die industriellen Anwendungen, die die Vielseitigkeit seiner Lösungen zeigen. Ein besonders spannendes Tätigkeitsfeld sind Spezialprojekte für die Automobilindustrie. „Ich liefere Antriebssysteme für Konzeptfahrzeuge, die auf großen Automobilmessen präsentiert werden“, verrät Nils. „Die Hersteller kaufen unsere Plug-and-Play-Systeme, weil es für sie effizienter ist, als eigene Lösungen zu entwickeln.” Aber auch in anderen Bereichen sind seine Lösungen gefragt: Für die Wiener Stadtwerke entwickelte er elektrische Loren, die in Wasserleitungstunneln fahren. „In einem Stollen kann man keine Diesellok anwerfen“, erklärt er. „Da braucht es elektrische Antriebe.“ Ein weiteres Beispiel ist ein ferngesteuerter Mähroboter für extreme Steigungen: „Der fährt Hänge mit 50 Grad Gefälle hoch - komplett elektrisch und umweltfreundlich. Das wäre mit einem Verbrennungsmotor kaum möglich.“

Service als Herzstück

Was e-drive solution besonders auszeichnet, ist der persönliche Service. „Manche Kunden rufen täglich an, andere monatlich - alle bekommen die gleiche Aufmerksamkeit“, betont Nils. „Der Support kostet bei mir nichts extra. Ich möchte, dass die Kunden anrufen, wenn sie Fragen haben, bevor etwas schiefgeht.“ Dieser Ansatz zahlt sich aus: Von der ersten Beratung über die Bereitstellung der Komponenten bis zur finalen Abnahme begleitet Nils jeden Schritt des Umbaus. Das BMS (Battery Management System) und andere technische Komponenten werden dabei so aufeinander abgestimmt, dass auch technische Laien die Umrüstung bewältigen können.

Herausforderungen und Lösungen

Anfängliche Bedenken gegenüber der Elektrifizierung klassischer Fahrzeuge können schnell ausgeräumt werden. „Viele sorgen sich wegen des Hochvoltsystems“, erklärt Nils. „Aber wenn man sich unser System anschaut – es ist wirklich einfach. Wir beliefern sogar Berufsschulen, die mit Schülern Umbauprojekte realisieren. Man sollte immer Respekt vor Strom haben, aber Angst ist nicht angebracht.“
Ein weiteres häufiges Argument: Der Charme und das Fahrgefühl würden verloren gehen. „Das höre ich oft, aber meine Kunden sind nach dem Umbau begeistert, wie sanft und gleichzeitig kraftvoll sich ihr Fahrzeug fährt.“ Auch die TÜV-Abnahme, die viele zunächst als große Hürde sehen, erweist sich als gut lösbares Thema. „Ich begleite meine Kunden persönlich zur Abnahme und reiche alle nötigen Unterlagen ein", erklärt Nils. „Die Kunden zahlen nur die reinen TÜV-Gebühren – meine Unterstützung ist kostenlos.“ Ein Service, der sich bewährt hat: Kunden kommen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Hamburg, um ihre umgebauten Fahrzeuge hier abnehmen zu lassen.

Blick in die Zukunft

In kommenden Entwicklungen sieht Nils sowohl Chancen als auch Herausforderungen. „In Frankreich gibt es bereits Zuschüsse für Umbauten. Wenn es diesen Umweltbonus auch bei uns gäbe, und wenn es nur 5000 Euro wären, würden mir die Leute die Bude einrennen.“ Auch die mögliche Entwicklung beim H-Kennzeichen beschäftigt ihn: „Wenn irgendwann H-Kennzeichen-Fahrzeuge nicht mehr in Umweltzonen fahren dürfen, wird die Nachfrage nach Elektro-Umrüstungen vermutlich noch steigen.“ Eine Lösung ist dann bereits vorhanden – umgerüstete Fahrzeuge können ein E-Kennzeichen erhalten und damit alle Vorteile von Elektrofahrzeugen nutzen. Sein Ziel für die Zukunft? „Ich möchte die Standardisierung für beliebte Umbaumodelle weiter vorantreiben“, erklärt Nils. „Wenn wir es schaffen, dass jeder handwerklich geschickte Autobesitzer sein Fahrzeug mit einem Plug-and-Play-Kit umrüsten kann, dann sind wir einen riesigen Schritt weiter.“

Nachhaltigkeit als Motivation

Was treibt ihn an weiterzumachen? „Ich hoffe, dass ich meinen Beitrag für die Allgemeinheit leisten kann“, sagt Nils. „Es geht darum, nicht immer nur neue Autos zu produzieren, sondern bestehende Fahrzeuge, die schon vor Jahrzehnten viel CO2 in der Produktion verursacht haben, weiter am Leben zu halten.” Dabei geht es ihm nicht nur um die technische Transformation: „Die Menschen wissen oft gar nicht, dass so etwas möglich ist. Viele sagen: ,Ach so, so was geht auch? Ich dachte, ich muss mir jetzt ein neues Auto kaufen.‘ Diese Aufklärungsarbeit zu leisten und eine nachhaltige Alternative aufzuzeigen, das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“

Elektromobilität selbst erleben

Auch wenn e-drive solution mittlerweile ein florierendes Unternehmen ist, bleibt Nils ein Ein-Mann-Betrieb. „Ich mache das, weil ich dafür brenne. Mir ist es wichtig, mit meinen Kunden in direktem Austausch zu stehen und zu sehen, wie ihre Projekte Wirklichkeit werden.“ Das sagt er mit einem Lächeln, das an den kleinen Jungen erinnert, der einst begeistert an seiner Modelleisenbahn bastelte. „Im Grunde bin ich heute noch genauso fasziniert wie damals – nur dass aus der Modelleisenbahn eben echte Autos geworden sind.“

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite von e-drive solution: www.e-drive-solution.de


Titelbild: Nils Iwahn


Autor/-in

Jan Strahl

Jan Strahl hat seit seinem Redaktionsvolontariat in Hamburg für nahezu alle großen und kleinen Verlage der Stadt als Journalist, Redakteur oder Autor gearbeitet. Er schreibt für Publikumsmedien und Corporate Publishing Publikationen über Kunst, Fashion, Lifestyle oder Wissensthemen.

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