Ökologie & Gesellschaft

Der nachhaltige Schulstart – und zwar richtig!

Am Anfang eine Schätzfrage: Wie viel Prozent der verkauften Schulhefte in Deutschland bestehen aus Recyclingpapier? Das ist ein relevanter Faktor, immerhin werden hierzulande allein rund 200 Millionen Schulhefte jedes Jahr verkauft.1 Recyclingpapier schont nicht nur Holz als Rohstoff, es spart gegenüber Frischfaserpapier in der Herstellung durchschnittlich weit mehr als die Hälfte an Wasser und Energie ein.2

Der Anteil der Schulhefte aus Recyclingpapier liegt leider gerade einmal bei: Zehn Prozent.3 Dass die Quote für Schulhefte aus Recyclingpapier so niedrig ist, dürfte auch daran liegen, dass nachhaltiger Papierkauf im Alltag komplizierter wirkt, als er eigentlich sein müsste. Auf Heften, Blöcken und Kopierpapier finden sich viele Hinweise und Siegel: FSC etwa steht für „Forest Stewardship Council“ und verweist auf Standards in der Waldwirtschaft. „Chlorfrei gebleicht“ klingt ebenfalls umweltbewusst. Ist beides nicht verkehrt, hat beides Vorteile – mit Recyclingpapier hat es aber nur bedingt zu tun. 

Dabei ist es ganz leicht, Recycling-Papier zu finden und zu kaufen. Worauf es ankommt, ist der erste von
fünf Tipps, die wir in diesem Blogbeitrag für alle Eltern, Kinder und Lehrer für einen nachhaltigen Schulstart gesammelt haben. 

Tipp 1: Bei allen Papierprodukten auf den Blauen Engel achten

Der Blaue Engel ist beim Papier der wichtigste Wegweiser, Produkte mit diesem Siegel bestehen garantiert zu 100 Prozent aus Recyclingpapier. Und sie sind längst nicht mehr grau und grob – moderne Recyclingpapiere können hell, glatt und hochwertig sein und funktionieren im Schulalltag genauso zuverlässig wie Papier aus Frischfasern. Übrigens sind nicht nur Hefte eine Gelegenheit zum Umstieg auf Recyclingpapier. Auch Schnellhefter, Eckspanner, Sammelmappen, Trennstreifen, Registerblätter oder Ordner mit Pappeinband können statt in Plastik in Recycling-Papier gekauft werden. 
Leider lesen nicht alle Eltern und Kinder unseren Blog – daher widmen wir unseren nächsten Tipp den Lehrern, die in Bezug auf die Elternschaft als Multiplikator agieren können. 

In Deutschland bestehen nur 10 % von 200 Millionen Schulheften aus Recyclingpapier. Bild: shutterstock_2319700983 + Blauer Engel Logo

Tipp 2: Liebe Lehrkräfte, berücksichtigt Nachhaltigkeit auf Euren Material-Listen

Die Material-Listen, die Sie, liebe Lehrkräfte, vor dem Schulstart verschicken, werden von vielen Eltern 
sehr genau gelesen – und meist ziemlich sorgfältig abgearbeitet. Schon eine kleine Ergänzung kann 
deshalb viel bewegen: Schreiben Sie statt „2 Hefte DIN A4, Lineatur 25“ besser „2 Hefte DIN A4, 
Lineatur 25, mit dem Blauen Engel“.

Auch bei Stiften gibt es eine Menge zu beachten.

Tipp 3: Kein Lack, keine Wegwerfpatronen – worauf bei Stiften zu achten ist

Blei- und Buntstifte sollten unlackiert sein, weil Lacke zusätzliche Stoffe enthalten können – und weil Kinder Stifte nun einmal auch mal in den Mund nehmen.

Auch beim Füller lohnt sich der Blick auf die Details: Ein robuster Füller, der über Jahre genutzt wird, ist nachhaltiger als häufige Neukäufe. Noch besser wird die Bilanz, wenn er nicht mit einzelnen Wegwerfpatronen, sondern mit einem Konverter oder Tanksystem und Tinte aus dem Glas befüllt wird. Bei Textmarkern, Kugelschreibern und Finelinern gilt ähnlich: lieber nachfüllbare Modelle, Ersatzminen oder Recyclingvarianten wählen als Einwegprodukte, die nach kurzer Zeit im Müll landen.

Und was, wenn man nun vom Einkauf fürs ältere Kind damals noch ungenutzte Plastikordner hat? Wenn die Verwandtschaft feinste lackierte Buntstifte geschenkt hat? Und der Patenonkel auf Wunsch des Kindes die Brotdose aus Plastik mit der Superheldenfigur statt eine nachhaltige Dose aus Edelstahl abgibt? Bitte alles nehmen und benutzen!

Tipp 4: Nichts Vorhandenes ersetzen, weil es Nachhaltigeres gibt

Auch das ist Nachhaltigkeit – vielleicht sogar die ehrlichste Form davon: Dinge zu nutzen, die schon da sind. Denn ökologisch ist es selten sinnvoll, ein vorhandenes Produkt zu ersetzen, nur weil es inzwischen eine nachhaltigere Alternative gibt. Die Plastikmappe, die Brotdose mit Superheldenfigur oder die lackierten Buntstifte sind bereits hergestellt, gekauft und im Haushalt angekommen. Deshalb gilt: erst aufbrauchen, weitergeben, reparieren oder so lange nutzen, wie es geht – und erst beim nächsten notwendigen Kauf bewusster entscheiden. 

Der nächste Kauf ist auch Thema des nächsten und letzten Tipps. 

Tipp 5: Erst Bestandsaufnahme, dann Einkauf

Vor dem Einkauf lohnt sich ein kleiner Rundgang durch Schubladen, Mäppchen, Schränke und alte Schulranzen. Meist findet sich mehr, als man denkt: angefangene Blöcke, leere Schnellhefter, lose Blätter, Lineale, Geodreiecke, Spitzer, Bleistifte, Buntstifte, Tintenkiller, Klebestifte, Karteikarten oder Heftumschläge, die noch völlig brauchbar sind. 

Auch ein halb gefülltes Heft ist kein Fall für den Papierkorb, sondern kann noch als Übungsheft, Notizheft oder Schmierpapier dienen. Das Mindset sollte zum Beispiel so sein: Ein Radiergummi, der in der Mitte durchgebrochen ist, ist nicht kaputt – er hat sich verdoppelt! 

Und wenn es dann mit den Schulsachen endgültig vorbei ist, wenn die Hefte voll sind, aber nicht wichtig genug, um aufgehoben zu werden, dann greift ein Bonus-Tipp zum Ende der Wertschöpfungskette, an dem ein neuer Anfang stehen sollte: Schulhefte und Papier, das nicht mehr benötigt wird, gehört ins Altpapier – nur dann kann daraus neues Papier werden.


Autor/-in

Christian Heinrich

Christian Heinrich ist promovierter Mediziner und hat seine Journalisten-Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Seit 2010 arbeitet er als freier Journalist und Autor. Christian Heinrich schreibt für DIE ZEIT, die Süddeutschen Zeitung, den SPIEGEL, GEO und andere Medien. Er ist Mitglied beim Redaktionsbüro nerdpol, ein Kollektiv aus Wissenschaftsjournalisten.

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