Das nachwachsende Büro

Ressourcen werden knapper, Nachhaltigkeit spielt auch im Büro eine immer größere Rolle. In unserer Reihe Green Office zeigen wir, wie Sie mit wenigen Kniffen Ihren Büroalltag nachhaltiger gestalten. Dabei können kleine Veränderungen einen großen Einfluss haben. Das ist nicht nur gut für die Ökobilanz, sondern kann sogar Ihre Betriebskosten senken.  

Nachhaltigkeit auf dem Schreibtisch

Wer Wert auf Nachhaltigkeit bei Bürobedarf legt, findet inzwischen zahlreiche Alternativprodukte, die Ressourcen schonen und Energie einsparen. Das betrifft vor allem das Material, aus dem sie hergestellt wurden. Zur allgemeinen Orientierung beim Einkauf dienen Gütesiegel wie „FSC“ oder „Blauer Engel“. Doch was ist eigentlich wirklich nachhaltig, wenn es um Stift, Papier, Druckerpatrone und Monitor geht? 

Büroartikel im Plastikzeitalter

Seit dem Durchbruch zur Massenware ist Plastik ein fester Bestandteil unseres Alltags – auch und insbesondere im Büro. Vom Monitorgehäuse, Drucker und Telefon, bis hin zum Stuhl auf dem wir sitzen und dem Stift mit dem wir schreiben. Angesichts vermüllter Meeresstrände und Kunststofftüten in 10.000 Metern Tiefe sehen wir inzwischen ziemlich deutlich, welchen Schaden Plastikmüll auf unserem Planeten anrichtet. Hinzu kommen enorme Mengen von Treibhausgasen, die von der Herstellung bis zur Entsorgung in unsere Umwelt gelangen. Alleine 2019 sind das schätzungsweise 850 Millionen Tonnen – ein Wert, der vergleichbar ist mit dem Ausstoß von 136 Kohlekraftwerken im gleichen Zeitraum (Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet).

Auch die deutsche Recyclingquote erweist sich bei genauerem hinsehen als Mogelpackung: Diese liegt hierzulande mit 46 Prozent zwar über dem EU-Durchschnitt, allerdings ist in der Quote der Teil inbegriffen, der ins Ausland verschifft wird. Auf die Umweltstandards, unter denen der Müll dort weiterverarbeitet wird, haben wir keinerlei Einfluss. Und: Das Plastikproblem wird damit keineswegs gelöst, sondern nur verlagert. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Wir exportiren unseren Müll in die Welt und schütteln doch den Kopf beim Anblick solcher Bilder. Eine gefährliche Doppelmoral. Foto: Hermes Rivera on Unsplash
Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff

Wer diesem Kreislauf entkommen will, sucht nach Alternativen zum konventionellen Plastik. Inzwischen gibt es auf dem Markt eine ganze Reihe alternativer Kunststoffe, die als nachhaltige Alternative angepriesen werden. Diese werden ganz oder teilweise aus Biomasse hergestellt. Statt fossiler Ressourcen bestehen sie aus Mais- oder Kartoffelstärke, Rohr- und Rübenzucker, Pflanzenölen, Cellulose oder landwirtschaftlichen Abfällen. Wie hoch der Anteil nachwachsender Rohstoffe sein muss, damit sie als biobasierte Produkte gekennzeichnet werden dürfen, ist jedoch gesetzlich nicht geregelt. Ihre Namen klingen ähnlich kryptisch wie die der etablierten Kunststoffe: Polyactide (PLA), biobasiertes Polyethylen (PET), biobasiertes Polypropylen (BioPP) und biobasiertes Polyethylenterephalat (BioPET). Neben den biobasierten gibt es weiterhin die biologisch abbaubaren Kunststoffe. Entscheidend dafür, ob der Kunststoff biologisch abbaubar ist, ist jedoch nicht seine Zusammensetzung, sondern seine chemische Struktur. Nur weil etwas biobasiert ist, muss es also noch lange nicht biologisch abbaubar sein. Und nur weil etwas biologisch abbaubar ist, muss es nicht biobasiert sein. So können biologisch abbaubare Kunststoffe auch teilweise aus fossilen, und somit nicht nachhaltigen Ressourcen hergestellt worden sein.

Ist Bio-Plastik die Lösung? 

Um die Nachfrage zu decken, werden rund 8 Prozent der weltweiten Ölproduktion zur Herstellung von konventionellem Plastik eingesetzt. Ein Wert der 2050 schon bei 20 Prozent liegen könnte (Plastikmüll Statistik 2016). Dennoch werden die neuen Kunststoff-Alternativen vom Umweltbundesamt nicht zwangsläufig als nachhaltige Alternative eingeschätzt. Ein Vergleich der Ökobilanz zeigt nämlich, dass sich auch die Herstellung von biobasiertem Plastik negativ auf die Umwelt auswirkt: Es gibt zwar weniger CO2-Emissionen, dafür aber mehr Versauerungs- und Eutrophierungspotential. Ähnlich sieht die Schlussfolgerung beim biologisch abbaubaren Plastik aus: Das Bio-Plastik wird beispielsweise von den Maschinen in der Mülltrennungsanlage teilweise nicht als solches identifiziert und deshalb wie konventionelle Kunststoffe im Restmüll entsorgt. Auch besteht die Sorge, dass Fehlinformationen zu einem allzu sorglosen Umgang mit dem vermeintlich nachhaltigen Plastik führen. Denn grundsätzlich gilt immer, egal ob konventioneller Kunststoff, biobasiert oder biologisch abbaubar: Mehrweg ist immer besser als Einweg, denn der beste Müll ist kein Müll.

Für die Beschaffung vom Monitor bis hin zum Textmarker gilt deshalb:

Produkte aus Plastik bewusst einkaufen, sorgsam behandeln und nur dann erneut kaufen, wenn es keine andere, wirklich nachhaltige Alternative gibt. Weichen Sie je nach Einsatzgebiet auf biobasierte Mehrweg-Alternativen aus, die gleichzeitig biologisch abbaubar sind. Schöpfen Sie außerdem Möglichkeiten der Wiederverwendung oder des gebrauchten Ankaufes aus.

Nachhaltige Alternativen

Während einige Büroartikel schwieriger austauschbar sind, ist es bei anderen ganz leicht zu plastikfreien Alternativen zu greifen: Kugelschreiber aus Holz oder Bambus, Stühle die mit Baumwolle bespannt sind, Bodenbeläge aus Naturkautschuk oder Kork. Am besten sind umweltverträgliche und langlebige Materialien, die schadstofffrei sind. So werden die begrenzten fossilen Rohstoffe geschont und der CO2-Ausstoß gesenkt. Doch auch hier gilt: Nicht alles ist Gold, was glänzt. Gütesiegel (auch „Label“ oder „Logo“ genannt) dienen als Orientierung. Sie verfolgen die Entstehung des Produktes von der Gewinnung der Rohstoffe, über die Arbeitsbedingungen bis zur tatsächlichen Beschaffenheit.

Kork ist ein nachwachsender natürlicher Rohstoff, für dessen Ernte kein einziger Baum gefällt werden muss. Stattdessen wird bei der Ernte die Rinde vorsichtig vom Baum abgeschält. Foto: RossHelen on Shutterstock.com
Altpapier als Rohstoff

Beim Papier garantiert das Umweltsiegel der »Blaue Engel« den höchsten ökologischen Standard. Er garantiert, dass statt Holz Altpapier als Rohstoff eingesetzt wird – und das zu 100 Prozent.

Der Begriff “Holzfrei” ist indes kein eingetragenes Gütesiegel. Er suggeriert zwar einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, doch er bezieht sich nicht darauf, ob zur Herstellung des Papiers Bäume gefällt wurden oder nicht, sondern nur auf das Verfahren, wie aus dem Baum Papier hergestellt wurde. (Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Mogelpackung holzfrei

Papier mit dem »Blauen Engel« bewahrt natürliche Ressourcen und reduziert gleichzeitig signifikant den Wasser- und Energieverbrauch. Dazu eine kleine Rechnung: Ein Büromitarbeiter druckt im Schnitt täglich 25 Seiten aus. Verwendet dieser Mitarbeiter statt Papier aus Frischfasern, Recyclingpapier, könnte er mit der eingesparten Energie etwa acht Kannen Kaffee kochen. Das freut die Belegschaft! Laut IPR sparen sechs Blatt Recyclingpapier außerdem einen Liter Wasser. Insgesamt werden bei der Herstellung circa 70 % Wasser und 60 % Energie gegenüber dem herkömmlichen Frischfaserpapier gespart. Mehr noch: Eine Tonne Recyclingpapier spart im Vergleich zum Frischfaserpapier aus Zellstoff die Menge an CO2 ein, die ein durchschnittliches Auto auf rund 1.000 km ausstößt.

Anlieferung von Altpapier in Form von Randbeschnitten aus einer Druckerei.
Foto: Steinbeis Papier GmbH
Verantwortungsvoller Konsum weitergedacht

Die Wahl ökologischer Materialien ist nur ein Baustein in der Beschaffung nachhaltiger Büroartikel. Je nach Warengruppe können weitere Gesichtspunkte berücksichtigt werden:

  • Gängige Kleber enthielten lange organische Lösemittel, die die Schleimhäute reizen, die Sinne benebeln, und die inneren Organe schädigen können. Viele Hersteller haben inzwischen reagiert und bieten lösemittelfreie Kleber an.
  • Neun von zehn Druckerpatronen und Tonerkartuschen landen im Müll sobald die Farbe verbraucht ist. Dabei könnten sie leicht ein zweites Mal verwendet werden. Beim Wiederauffüllen können dann Farben gewählt werden, die mit dem »Blauen Engel« zertifiziert sind. Inzwischen gibt es sogar Alternativen auf Soja-Basis.
  • Bei Elektrogeräten ist die Auswahl nachhaltiger Materialien sehr begrenzt. Dennoch ist es möglich, bei der Beschaffung auf den ökologischen Fußabdruck Rücksicht zu nehmen: Achten Sie auf den Stromverbrauch. Viele Geräte können auch manuell auf einen geringeren Stromverbrauch umgestellt werden. Ganz einfacher Tipp: die Helligkeit des Bildschirms ein bisschen runterdrehen oder den Energiesparmodus einstellen. Weitere Tipps zum Thema Energie sparen im Büro finden Sie hier.
  • Egal ob Bleistift oder Schreibtisch: Die Transportlogistik bietet ein erhebliches Potenzial, durch kürzere Beschaffungswege und lokale Bezugsquellen den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Einige Unternehmen kommunizieren transparent die Logistik, die hinter den Produkten steckt. Dabei gilt: Der Transport mit dem Flugzeug erzeugt am meisten Emissionen, jener mit Schiffen weniger, dafür entsteht aber eine hohe Belastung durch Schweröl. Die Beförderung mit dem LKW schneidet da schon besser ab und am ökologischsten ist auf längerer Strecke der Schienenverkehr. Sie können beim Einkauf von Büroartikeln auch darauf achten, ob es Produkte gibt, die in Deutschland gefertigt wurden. So wird die Transportstrecke kürzer.

Egal ob Plastik, Holz oder Altpapier, ob energiesparend oder lokal produziert – für alle Büroartikel gilt, dass nur ein bewusster Einkauf und sorgsamer Umgang einen nachhaltigen Wandel in Gang setzen kann.

Titelbild: Sebastian Kopp on Alamy Stockfoto

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Valerie Bachert

Valerie Bachert ist Journalistin, Chefin vom Dienst und Nachhaltigkeits-Beauftragte. Ihr Interesse gilt den Bereichen ökologischer Landbau, bewusster Konsum, Artensterben, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Ernährung.

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