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Ökologie & Gesellschaft

Unser Leben im Jahr 2030

In Zukunft werden immer mehr Menschen bewusster fliegen und auf Kurzstreckenflüge verzichten. Foto: Chris Leipelt/Unsplash

23.08.2022 – Der Blick in die Glaskugel ist heute gar nicht mehr so schlecht – wir haben mittlerweile fundierte Möglichkeiten, zukünftige Trends in unserem Leben recht treffsicher einzuschätzen. Im Moment ist dieser Blick besonders spannend: Megatrends wie Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung verändern die Welt vor unseren Augen – in Echtzeit! Zukunfts- und Trendforscher Oliver Leisse erzählt, wie sich unser Leben bis zum Jahr 2030 verändern könnte.

Herr Leisse, was ist das Hauptziel der Zukunftsforschung?

Man könnte sagen: Eigentlich geht es in der Zukunftsforschung generell darum, sich bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Wir versuchen mit unseren Analysen herauszufinden, was sich die Menschen wünschen, und wie sich ihr Leben verändert. Daraus leiten wir die Trends ab. Denn nur, wenn wir wissen, was heute um uns herum passiert, können wir gute Prognosen für unsere Zukunft treffen. 

Mit welchen Methoden arbeiten Sie?

Wir betreiben qualitative Sozialforschung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 50 Metropolen weltweit. In qualitativen Experteninterviews geben diese uns in regelmäßigen Abständen Rückmeldung darüber, welche Entwicklungen sie in den nächsten drei bis fünf Jahren in den verschiedenen Bereichen sehen und warum. Man nennt das auch Consumer Insights. So arbeiten wir heraus, was die Menschen gerade besonders interessiert, und welche Ziele sie deshalb in den kommenden Jahren verfolgen werden.

Welches Zukunftsthema finden Sie persönlich gerade am spannendsten? 

Bis vor kurzem gab es eine Zeit, in der Menschen sehr unreflektiert waren. Wir haben nicht mehr begriffen, was und wer wir eigentlich sind. Unsere Identität war Teil eines Konsum-Prozesses, sodass wir keine Distanz zu unseren Handlungen hatten. Dann kam die Zeitenwende – mit der Corona-Pandemie, Stagflation, den internationalen Krisen und dem immer stärker spürbar werdenden Klimawandel. Diese Krisen haben uns völlig aus dem Alltag gerissen. Jetzt machen wir uns wieder mehr Gedanken darum,
wer wir eigentlich sind – und was wir wollen. Es ist ein großer Trend, der gerade erst begonnen hat. Und er wird die Macht haben, die Welt zu verändern.

Inwiefern?

Zuvor haben wir in einem System gelebt, in dem wir einfach nur funktioniert haben. Jetzt möchte jeder Mensch, jedes Unternehmen seinen „Purpose“, also seinen Sinn und Zweck finden. Wir denken wieder mehr darüber nach, was wir tun, und wohin das führt. Wir haben begriffen, dass jede:r von uns die Verantwortung für die Zukunft tragen muss. Wir gehen in uns, denken darüber nach, wie wir leben, arbeiten und unsere Zeit verbringen. Viele wechseln ihre Jobs, weil sie nach mehr Sinn suchen. Was Nachhaltigkeit angeht, sehen wir deutlich, dass alle Bereiche in unserem Leben ein neues Verantwortungsbewusstsein mit sich bringen – wie wir handeln, was wir essen. Das alles sind die ersten Hinweise auf eine große Veränderung, die uns sicherlich die nächsten drei bis fünf Jahre begleiten wird.

Wir werden nachhaltiger Strom produzieren und uns in digitalen Erlebniswelten, dem Metaversum, treffen. Fotos: Martin Adams/Unsplash, Shri/Unsplash

Wie wird sich unser Leben in diesem Jahrzehnt außerdem noch verändern?

Effizienz und Emotion werden unsere großen Treiber sein: Das sind die zwei großen Strömungen und Themen, die wir in der Zukunftsforschung wahrnehmen. Menschen versuchen, alles effizienter zu machen und zu automatisieren. Die andere, viel wichtigere Entwicklung entsteht auf der anderen Seite durch Emotion. Wir sehen, dass die zwischenmenschliche Beziehung immer wichtiger wird. Ja – es gibt immer mehr automatisierte Prozesse, aber sie ersetzen den Menschen nicht. Im Gegenteil! Und die größte Herausforderung, die wir zu bewältigen haben, ist sicherlich der Klimawandel.

Wie wird der Klimawandel unser Leben beeinflussen?

Er wird in allen Bereichen unseres Lebens präsent sein. Die Auswirkungen des Klimawandels haben durch die aktuellen und vergangenen internationalen Krisen stark zugenommen. Nun wird es in den nächsten zehn Jahren darum gehen, eine Lösung zu finden. Es findet schon seit einiger Zeit ein Umdenken in diesem Bereich statt. Dadurch wird sich das Verhalten der Menschen positiv verändern, und der Umweltschutz wird in allen Lebensbereichen so präsent sein wie nie. Deswegen sehe ich trotz der Krisen einen optimistischen Aufbruch in die nächsten Jahre – weil wir alle unser Bestes geben werden.

Welche Bereiche werden sich noch verändern?

In jeder einzelnen Branche gibt es in den nächsten Jahren eine Revolution. Das Reisen bekommt eine ganz andere Dimension, weil wir verantwortungsbewusster werden. Kurzstreckenflüge sind in Verruf gekommen. Mit der Elektromobilität verändert sich die Mobilität der Zukunft. Auch da gehen wir einen Schritt weiter und denken über Alternativen nach, wie wir auf Autos verzichten oder diese ersetzen können. Zu den Trends gehören auch die erneuerbaren Energien und Photovoltaikanlagen, weil uns die internationalen Krisen gezeigt haben, dass wir uns in Zukunft autarker mit Energie versorgen sollten. Und dann gibt es noch die parallelen Welten wie das Metaversum, die eine größere Rolle spielen werden. Langweilig wird uns auf keinen Fall!

Weniger Krankheiten, weniger Kosten: Laut Prognosen sind die Entwicklungen im Bereich der Medizin exponentiell. Dank mRNA-Technologien könnten viele Krankheiten in der Zukunft eingedämmt werden. Foto: Pavel Danilyuk/Pexels

Was sind die großen Themen unserer Zukunft, Ihrer und meiner?

Ein interessantes Thema ist sicherlich die steigende Lebenserwartung aufgrund der neuesten Entwicklungen in der Medizin, genauer in der mRNA-Technologie. Durch diese wird es durchaus realistisch, dass wir auch 120 Jahre alt werden können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir viele Krankheiten werden eindämmen können. Das hat damit zu tun, dass verschiedene Branchen – die Biologie mit der Medizin und Technologie – jetzt zusammenarbeiten. Diese branchenunabhängigen Kooperationen passieren überall, und sie bringen uns sehr nach vorn. Auch was das Thema Nachhaltigkeit betrifft. Ich bin mir sicher, dass wir innovative Lösungen entwickeln werden, um CO₂ aus der Luft zu ziehen. Da gibt es sicher Möglichkeiten, die wir finden werden – denn wir sind nun alle gefordert, Lösungen für die großen Probleme zu finden. 

Oliver Leisse ist Zukunfts- und Trendforscher im von ihm gegründeten Institut SEE MORE, Future Research and Development in Hamburg, wo er Zukunftsstrategien entwickelt und Unternehmen berät. Foto: Oliver Leisse

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir sehr, dass dieser Wandel, den wir gerade erleben, nachhaltig ist, und dass die Menschen nicht zurück in ihr altes Muster fallen. Damit meine ich das unreflektierte Funktionieren vor der Pandemie. Damals hatten wir das Gefühl, die Verantwortung für die Zukunft läge bei Unternehmen und der Politik. Jetzt zeigen alle – jede und jeder Einzelne – die Motivation und einen regelrechten „Drive“, unsere gemeinsame Zukunft aktiv zu gestalten und sie ins Positive zu verändern.


Titelbild: Bradley Hook/Pexels

Autor/-in

Nadia Riaz-Ahmed

Nadia Riaz-Ahmed ist Online-Redakteurin. Sie interessiert sich am meisten für alles, was mit Digitalisierung und neuen Technologien zu tun hat.

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