Mit nachhaltigen Investments Geld verdienen und Gutes tun

Geld beschäftigt uns alle, nur reden möchten wir ungern darüber, und zu lange wollen wir uns mit Zahlen auch nicht beschäftigen. Dabei kann der Finanzmarkt richtig spannend sein und uns mehr Handlungspotenzial liefern als uns vielleicht klar ist. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Frage, was nachhaltige Geldanlagen ausmacht und woran wir sie erkennen können. Denn: Wenn wir unser Geld nachhaltig anlegen, können wir uns über Gewinne freuen und gleichzeitig Gutes tun.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit assoziieren die meisten Menschen in erster Linie bewussten Konsum – Dinge, die wir kaufen, verbrauchen, essen und anziehen. Dabei bemühen wir uns darum, unseren CO2-Fußabdruck möglichst klein zu halten. Wir kaufen regionale Produkte, schrauben unseren Fleischverzehr zurück, ziehen Bus und Bahn dem Flugzeug vor, verschmähen Plastik. Alles Beispiele für klimafreundliche Verhaltensweisen, die jeder Einzelne anstreben kann. Das Tolle ist, dass unsere Bemühungen als Einzelpersonen nahtlos darin übergehen, größere Gegebenheiten zu beeinflussen. Mit bewusstem Konsum unterstützen wir Institutionen und Unternehmen, welche unsere moralischen Werte teilen, und verändern dadurch  den Markt. Oft ist das ganz offensichtlich, wie bei Lebensmitteln beispielsweise. Kaufen wir nachhaltige Lebensmittel, so steigt deren Nachfrage, gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach anderen Lebensmitteln, die weniger nachhaltig sind. Was aber, wenn die Gleichung nicht so simpel ist wie zum Beispiel “Gemüse statt Fleisch = klimafreundlich”. So ist es zum Beispiel beim Thema Geld: Dabei kann auch eine Entscheidung für nachhaltige Banken und Geldanlagen viel Gutes bewirken!

Wer sich in seinem Konsumverhalten um Nachhaltigkeit bemüht, für den ist es sicherlich auch interessant, über grüne Geldanlagen nachzudenken.
Foto: iStockphoto
Geld regiert die Welt – wenn wir es lassen

Das Thema Finanzkapitalismus ist in unseren Köpfen also nicht unbedingt mit dem Thema Nachhaltigkeit verknüpft. Das darf es allerdings durchaus sein, denn letztlich vermehren Banken Geld, Geld bringt Macht und Macht bedeutet, Dinge bewegen und verändern zu können. Wem wir unser Geld anvertrauen ist also eine weitere Möglichkeit, nachhaltig zu handeln. Wieso das so ist? Stark vereinfacht gesagt: Wir geben unser Geld für einen bestimmten Zinssatz einer Bank und sie stellt es für einen höheren Zinssatz der Wirtschaft zur Verfügung. Wählen wir dafür eine grüne Bank, wie in Deutschland zum Beispiel die GLS Gemeinschaftsbank oder die Umweltbank, dann wissen wir, dass sie unser Geld nur bestimmten Teilen der Wirtschaft zur Verfügung stellt, nämlich denen, die unseren moralischen Vorstellungen nicht in die Quere kommen. Und für Kapital, das wir langfristig anlegen, gilt das erst recht. Deswegen sollten Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, ihr Kapital unbedingt auch nachhaltig anlegen.

Was bei Geldanlagen zählt

Grundsätzlich wird bei Geldanlagen zwischen den drei quantitativen Dimensionen des Investitionsdreiecks abgewogen, die da wären Liquidität (Wie einfach, schnell und günstig können die Investitionen in Bargeld umgewandelt werden?), Sicherheit (Rendite kommt vor Risiko – je sicherer das Investment, desto geringer der Gewinn) und Rendite (Gewinn der Investition). Für nachhaltige Investments wird das Dreieck zum Viereck, denn die qualitative Dimension Nachhaltigkeit kommt hinzu. Alle Dimensionen stehen in Abhängigkeit zueinander. Nachhaltigkeit muss jedoch gesondert betrachtet werden, da sie die einzige qualitative Dimension ist. Das heißt, hier geht es nicht um abstrakte Zahlen, sondern darum, wofür unser Kapital konkret verwendet wird, und wenn uns ökologische und ethische Fragen beschäftigen, dann wird diese Dimension bei uns die höchste Priorität genießen.

Nachhaltige Anlagen VS. konventionelle Anlagen

Was heißt es aber genau, wenn eine Geldanlage nachhaltig ist? Bis heute gibt es dafür keine einheitliche Definition. Das ist nicht verwunderlich, denn ab einem gewissen Punkt ist das eine sehr subjektive Frage. Dennoch gibt es nützliche methodische Ansätze, nachhaltige Finanzprodukte zu bewerten und von Konventionellen zu unterscheiden. Grundsätzlich gilt dabei: Je enger wir den Begriff Nachhaltigkeit definieren und je weniger wir bereit sind, einmal ein Auge zuzudrücken, desto weniger Möglichkeiten haben wir, unser Geld anzulegen – logisch. Das muss allerdings nicht schlecht sein, denn laut einer Meta-Studie der Universität Kassel schneiden die nachhaltigen Fonds in Sachen Rendite dennoch genauso gut ab wie die Konventionellen. Bei der Bewertung des “Grüntons” wird die Auswahl mithilfe von Ausschlusskriterien als der am wenigsten strenge Ansatz betrachtet.

Kurz gesagt, es wird bei diesem eine Liste mit No-Go’s aufgestellt, und wenn ein Unternehmen oder eine Branche eines dieser No-Gos aufweist, bekommt sie kein Kapital. Eine typische Liste von No-Go’s für Unternehmen wäre zum Beispiel: 

  • Missachtung von Tier- und Pflanzenschutz, wie zum Beispiel Tierversuche oder Gentechnik
  • Missachtung von Menschenrechten, wie zum Beispiel Staaten, welche die Todesstrafe praktizieren oder Kinderarbeit
  • Diskriminierung, wie zum Beispiel Verbote von Abtreibung oder Homosexualität

Eine typische Liste von No-Go’s für Branchen beinhaltet:

  • Umweltschädliche Branchen
  • Waffen- und Rüstungsindustrie
  • Alkohol- und Tabakindustrie
  • Glücksspielindustrie
  • Kernkraftindustrie
  • Pornoindustrie (wobei hier genauer differenziert werden muss, da nicht die gesamte Pornoindustrie ausbeuterisch arbeitet)
Immer das Positive sehen

Dann gibt es noch das Positiv-Screening, das mehr oder weniger das Gegenteil der Methode mit den No-Go’s ist. Dabei werden Nachhaltigkeitsfaktoren untersucht und mit einem Punktesystem bewertet. Häufig begegnet man dabei den Abkürzungen ESG (Environmental, Social, Governance) oder SRI (Socially Responsible Investment), die eine wichtige Entscheidungshilfe liefern können, zumal sich die beiden Bewertungssysteme zunehmend verbreiten. Sie führen dazu, dass die Nachhaltigkeit von Unternehmen einheitlich verglichen und bewertet werden kann. Von diesen wird dann ein gewisser Prozentsatz der “Klassenbesten” ausgewählt und nur diese kommen für Kapitalinvestments in Frage.

Typische Bewertungskriterien sind dabei:

  • Soziale Kriterien (Arbeitsbedingungen, Umgang mit Mitarbeitern, Fortbildungsmöglichkeiten, Maßnahmen gegen Diskriminierung und so weiter)
  • Ökologische Kriterien (Umweltfreundliche Produkte, umweltfreundliche Technologien, geringer CO2-Ausstoß, effizienter Umgang mit Ressourcen und so weiter)
  • Governance Kriterien (Gesundheitsförderung der Mitarbeiter, unabhängiger Aufsichtsrat und so weiter)

Das Positiv-Screening liefert wichtige Punkte zur Orientierung, ist allerdings ab einem gewissen Punkt mit Vorsicht zu genießen, da “das nachhaltigste Unternehmen in einem Sektor” nicht dasselbe ist wie “ein nachhaltiges Unternehmen”. Der nachhaltigste Waffenhersteller ist schließlich immer noch ein Waffenhersteller.

Schwarmintelligenz für den guten Zweck

Ein weiterer interessanter Ansatz ist das Crowdinvesting oder Impact Investing, bei welchem konkrete Projekte und Unternehmen gefördert werden. Das Geld wird somit wirkungsbezogen angelegt, Impact Investing genießt deswegen den Ruf, besonders transparent und nachvollziehbar zu sein. Ein Beispiel dafür wäre das Investieren in nachhaltige Start-ups und junge Unternehmen. Bei dieser Methode muss lediglich geprüft werden, ob das Unternehmen auch wirklich unseren Vorstellungen von Nachhaltigkeit entspricht – ansonsten ist es eine sehr gute Methode, wenn wir genau wissen wollen, wohin unser Geld fließt und wofür es verwendet wird, mit der wir beispielsweise auch gezielt in Unternehmen aus unserer Region investieren können.

Künstliche Intelligenz als Anlageberater_in

Als gute und verhältnismäßig neue Alternative zur Anlageberatung auf Honorarbasis kommen in den letzten Jahren vermehrt sogenannte Robo-Advisors zum Einsatz. Auch diese gibt es mittlerweile in grün! Robo-Advisors sind Computerprogramme, die vorgegebenen Algorithmen und Regeln folgen und das Geld, das man ihnen zur Verfügung stellt, anlegen und verwalten. Robo-Advisors sind sehr kosteneffizient und können verhindern, dass wir uns bei Geldanlagen von unseren Emotionen treiben lassen. Ein Beispiel für einen nachhaltigen Robo-Advisor ist Klimafonds.de. Wer sein Kapital ganz gezielt in bestimmten Umweltbereichen anlegen möchte, der sollte sich den Robo-Advisor Investify aus Luxemburg einmal genauer ansehen.

Der springende Punkt

Zusammengefasst kann man also sagen, das nachhaltige Geldanlagen, Finanzprodukte und Banken  sich in Form und Aufbau im Grunde genommen nicht voneinander unterscheiden: Sie funktionieren genauso wie Geldanlagen bei konventionellen Banken. Es gibt dieselben Möglichkeiten, Geld anzulegen, dieselben Vorteile und dieselben Risiken. Der große Unterschied liegt allerdings darin, was mit dem Geld passiert, das wir anlegen. Wenn wir uns für nachhaltige Geldanlagen entscheiden, können wir uns sicher sein, dass es dorthin fließt, wo es Gutes tut und Sinn stiftet. Und damit können wir langfristig gemeinsam auch das Finanzsystem positiv beeinflussen.

Titelbild: iStockphoto

WIE BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL?
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5.00 out of 5)
Loading...
Isabella Bigler

Isabella Bigler

Isabella Bigler ist Redakteurin und Texterin. Für Nachhaltigkeit interessiert sie sich vor allem im Zusammenhang mit Tierrechten. Hier schreibt sie über nachhaltige Themen, die Vergangenheit und die Zukunft.

THEMENVERWANDTE ARTIKEL

Das Klima isst mit

Beim privaten Einkauf achten viele darauf: saisonal, regional und fair produziert – das lässt sich ohne Weiteres auch auf das Catering in Unternehmen übertragen.

WAS SAGEN SIE ZU DIESEM THEMA?
DISKUTIEREN SIE MIT!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

HIER BLOGT
UNSERE REDAKTION
ALLE AUTOREN

Ulrich Feuersinger
Mailin Rahna
Sandra Staub
Nadine Kaminski
Valerie Bachert
Klaus E. Jopp
Veronika Warmers