Kunst als Zukunftsgenerator: Wie ein Berliner Museum den Werkstoff Papier neu erfindet
Das Museum “Haus des Papiers” in Berlin versteht sich als Brücke zwischen Kunst, Forschung und Industrie. Es vernetzt Akteure, um den Werkstoff Papier nachhaltig neu zu erfinden und macht Innovationen für die Gesellschaft erlebbar.
„Uns treibt die Frage an: Warum werfen wir Papier weg, wenn es das Material der Zukunft sein kann? Das Haus des Papiers soll daher ein Scharnier sein zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung, zwischen angewandter Kunst, Architektur, Industrie und Handwerk“, fasst Ul Vohrer die Idee hinter dem Berliner Museum zusammen, das sie vor gut fünf Jahren zusammen mit Annette Berr gegründet hat.
Kunst als Katalysator für eine neue Wertschätzung
Nach dem Motto "Kunst aus Papier, nicht auf Papier" entstehen in einem internationalen Residenzprogramm, unterstützt von Partnern wie d'mage, Hahnemühle und Canon Deutschland, regelmäßig innovative Werke der zeitgenössischen bildenden Kunst. Sie transformieren die Wahrnehmung von Papier als reinem Konsumgut hin zum schützenswerten, langlebigen Werkstoff. Diese Wertschätzung ist die notwendige Grundlage für jeden weiteren Schritt in Richtung einer echten Kreislaufwirtschaft. Denn das Museum “Haus des Papiers” will die komplexe Beziehung zum Werkstoff Papier neu definieren. „Es ist weit mehr als eine Kunsthalle. Es ist ein aktiver "Zukunftsgenerator", der Brücken zwischen Material, Forschung, Anwendung und – ganz wichtig – der Gesellschaft baut“, so Annette Berr.
Das "Paper Future Lab by Haus des Papiers“ macht Innovation sichtbar
Wie dieser Transfer von der Kunst in die Praxis gelingt, demonstrierte das Museum mit dem "Paper Future Lab" im Sommer 2024. Das Lab funktionierte als eine Art dezentrale Ausstellung: Es verband gezielt künstlerische Ansätze mit konkreten, nachhaltigen Projekten aus Handwerk, Wirtschaft und Forschung. So konnte ein breites Publikum an über 30 Standorten im Berliner Stadtgebiet niedrigschwellig entdecken, wie zum Beispiel aus Laubabfällen neues Papier entsteht oder welche Rolle natürliche Fasern in der Wissenschaft spielen. Das "Paper Future Lab" war keine reine Kunstschau, sondern die öffentliche Demonstration eines funktionierenden Innovations-Ökosystems. Es legte den Grundstein für das Langzeitprojekt: Das Museum will sich als Kompetenzzentrum für interdisziplinäres Wissen rund um den Werkstoff Papier und natürliche Fasern etablieren.
Vom Event zum permanenten Kompetenzzentrum
Das Konzept einer solchen Sonderschau hat sich mittlerweile als Institution etabliert und wird jährlich unter einem neuen Motto weitergetragen. Die aktuelle Sonderschau "Faser trifft Pflanze" knüpft an das Paper Future Lab an und beschäftigt sich noch bis zum 7. Juni in Kooperation mit der Universität Straubing und weiteren Partnern aus Kunst und Industrie, unter anderem mit dem Thema Kreislaufwirtschaft. So sind Exponate zu sehen, die aus Lignin, einem Abfallprodukt bei der Herstellung bestimmter Papierarten, hergestellt worden sind.
Die begleitenden Vorträge finden unter anderem im Rahmen der Berlin Science Week statt – einem jährlichen, zehntägigen Wissenschaftsfestival, das Spitzenforschung für die breite Öffentlichkeit zugänglich macht.
Titelbild: Haus des Papiers