Ökologie & Gesellschaft

Regional statt global: Ihr Saisonkalender für mehr Geschmack und Klimaschutz

Auch im Garten lässt sich saisonales Obst und Gemüse für den Eigenbedarf ziehen. Heimischer Spargel ist im Frühjahr der Held der Ernte. Fotos: Sincerely Media / Unsplash, Rick Whittle / Unsplash

Regional ist Trumpf: Wie Sie mit der richtigen Wahl bei Obst und Gemüse genießen und das Klima schützen. Inspirationen und praktische Tipps für Ihren Einkauf. 

Die leuchtend rote Tomate im Januar, die knackigen Weintrauben im Februar – verlockend, nicht wahr? Doch hinter dem perfekten Aussehen im Supermarktregal verbergen sich nicht selten Tausende Flugkilometer, energie- und wasserintensiver Anbau. Außerhalb seiner natürlichen Saison trägt jedes Obst und Gemüse einen ökologischen Rucksack.

Dabei liegt die Lösung oft so nah und ist so einfach. Dieser Überblick soll ein praktischer Kompass für einen Einkauf sein, der Wert auf Regionalität, bewusste Entscheidung und das gute Gewissen legt. Erntefrisch durchs Jahr, direkt aus Deutschland.

Erdbeeren sind perfekte Vitamin-C-Lieferanten und bieten auf 100 Gramm im Durchschnitt mehr als etwa Zitronen. Tomaten haben von Juli bis September in Deutschland Saison. Fotos: Shvets Production / Pexels, Madita Luisa / Unsplash

Im Frühling startet die heimische Ernte

Mit dem Frühling beginnt die Saison für das erste frische Gemüse aus heimischem Anbau.

Beispiel: Spargel (April bis Ende Juni)

  • Nachhaltigkeit: Der Griff zum heimischen Spargel ist die direkte Antwort auf Importware aus Übersee. Wer sein Menü um den saisonalen Helden Spargel herum plant, kann automatisch auf den Kauf von Fruchtgemüse wie Tomaten oder Zucchini, das zu dieser Jahreszeit nur aus energieintensiven Gewächshäusern stammen kann, verzichten.
  • Praxis-Info: Frischen Spargel erkennen Sie an fest geschlossenen Köpfen und saftigen, nicht ausgetrockneten Schnittflächen. Quietschen zwei Stangen, wenn man sie aneinander reibt, sind sie frisch.

Beispiel: Rhabarber (April bis Juni)

  • Nachhaltigkeit: Rhabarber ist eine hervorragende saisonale Alternative für säuerliche, importierte exotische Früchte wie Maracuja oder Limetten. Sein Anbau in Deutschland ist unkompliziert und vergleichsweise ressourcenschonend.
  • Praxis-Info: Frische erkennen Sie an festen, glänzenden Stangen. Wichtig: Die Blätter enthalten Oxalsäure und sind giftig, verwenden Sie nur die Stangen. Im Kühlschrank hält er sich, in ein feuchtes Tuch gewickelt, einige Tage.
Der Kürbis wird in Deutschlands Küchen immer beliebter. Bayern und Nordrhein-Westfalen sind Spitzenreiter, was Anbaufläche und Ernteertrag angeht. Fotos: Serjan Midili / Unsplash, Kevin Mccutcheon / Unsplash

Fülle und Geschmacksvielfalt im Sommer

Die Auswahl an heimischem Obst und Gemüse ist im Sommer riesig und der Griff zu regionalen Produkten am einfachsten.

Beispiel: Erdbeeren (Mai bis Juli)

  • Nachhaltigkeit: Die deutsche Erdbeersaison ersetzt nicht nur die im Winter eingeflogenen Früchte aus Südeuropa. Sie ist auch eine bewusste Alternative zu exotischen Früchten wie Mango für Desserts.
  • Praxis-Info: Frische Erdbeeren erkennen Sie an einer glänzenden Farbe und frischen grünen Blättern. Lagern Sie sie nebeneinander liegend im Kühlschrank, und waschen Sie sie erst kurz vor dem Verzehr.

Beispiel: Tomaten (Juli bis September)

  • Nachhaltigkeit: Freiland-Tomaten aus Deutschland ersetzen im Sommer importierte Tomaten und können zudem eine frische Alternative zu Dosentomaten sein, deren Transport ebenfalls Energie kostet.
  • Praxis-Info: Reife Tomaten duften intensiv und geben auf leichten Druck nach. Lagern Sie Tomaten niemals im Kühlschrank, da sie dort ihr Aroma verlieren. Zimmertemperatur ist ideal.
Grünkohl gilt als heimisches Superfood und wird zu Unrecht oft als langweiliges Wintergemüse betrachtet. Fotos: Cleo Stracuzza / Unsplash, Deryn Macey / Unsplash

Herbstzeit ist Erntezeit – und Vorratshaltung

Der Herbst bringt robuste Gemüsesorten und lagerfähiges Obst hervor.

Beispiel: Kürbis (September bis November)

  • Nachhaltigkeit: Der Kürbis ist die regionale Alternative zur immer beliebteren, aber meist importierten Süßkartoffel. Sorten wie Hokkaido oder Butternut können die Süßkartoffel in vielen Rezepten 1:1 ersetzen.
  • Praxis-Info: Ein reifer Kürbis klingt hohl, wenn man daraufklopft. Der Stielansatz sollte verholzt und trocken sein. Ganze Kürbisse können an einem kühlen, trockenen Ort monatelang gelagert werden.

Beispiel: Apfel (ab September)

  • Nachhaltigkeit: Ein regionaler Apfel ersetzt seine Artgenossen, die um die halbe Welt reisen. Dank guter Lagerfähigkeit ist er bis ins folgende Frühjahr regional verfügbar und kann so die ganzjährig importierten Bananen oder andere exotische Früchte als Pausenobst ersetzen.
  • Praxis-Info: Die Schale sollte prall und ohne große Druckstellen sein. Äpfel lagern am besten kühl und dunkel, getrennt von anderem Obst und Gemüse, da sie das Reifegas Ethylen abgeben.

Leckere Vitaminlieferanten für den Winter

Typische Wintergemüse sind robust, nährstoffreich und perfekt für herzhafte Gerichte.

Beispiel: Grünkohl (November bis Februar)

  • Nachhaltigkeit: Grünkohl ist das heimische Superfood schlechthin. Er wächst bei uns auch bei Kälte und ersetzt problemlos gehypte, importierte „Superfoods“ wie Goji-Beeren oder Chiasamen, zum Beispiel im Smoothie.
  • Praxis-Info: Die Blätter sollten eine kräftig grüne Farbe haben und knackig wirken. Vor der Zubereitung die dicken Blattrippen entfernen. Wenn Grünkohl den ersten Frost abbekommen hat, wird er im Geschmack süßer.

Beispiel: Pastinake (Oktober bis März)

  • Nachhaltigkeit: Die leicht süßliche, würzige Pastinake ist ein traditionelles Wintergemüse, das eine hervorragende Alternative für Gerichte ist, in denen man sonst importierte Süßkartoffeln verwenden würde.
  • Praxis-Info: Wählen Sie kleinere bis mittelgroße Pastinaken, da große Exemplare holzig sein können. Im Gemüsefach des Kühlschranks halten sie sich mehrere Wochen.

Der große Saison-Überblick für Deutschland

Fazit

Saisonal und regional einzukaufen kann ein echter Gewinn sein – für die Umwelt, den eigenen Geldbeutel und vor allem für den Geschmack. Nehmen Sie sich für den nächsten Einkauf vor, nur eine Sache gezielt saisonal zu kaufen. Sie werden den Unterschied schmecken.

 


Titelbild: Zen Chung / Pexels


Autor/-in

Patrick Morda

Patrick Morda hat seit 2009 umfangreiche Erfahrung in leitenden Redaktionspositionen gesammelt. Er war mehrfach als Chefredakteur tätig und verantwortete die Entwicklung neuer Geschäftsfelder im Medienbereich, insbesondere mit einem Fokus auf Themen wie New Mobility. Seine Expertise erstreckt sich auf die strategische Leitung von Redaktionen und die Arbeit an Special-Interest-Magazinen.

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