„Recycelbar“ – was das bedeutet und für welche Materialien es gilt

Für Freundinnen und Freunde der Nachhaltigkeit hat das Wort Recycling die besten inneren Werte, denn es leitet sich ab vom griechischen Begriff kýklos – der Kreis. Idealerweise verhilft Recycling demnach zu mehr Kreisläufen beziehungsweise Kreislaufwirtschaft. Wertstoffliches Recycling bremst damit den Raubbau an der Natur, indem es gebrauchte Verpackungen als Rohstoffquelle nutzt. Wieso geht es im Grunde genommen immer um Verpackungen, wenn von Recycling die Rede ist? Weil Verpackungsabfälle einen immer größer werdenden Teil unseres Abfalls ausmachen.1 Und in diesen stecken große Mengen an hochwertigen Stoffen, die sich mithilfe einfallsreicher Technologien erneut nutzbar machen lassen.

Was genau ist gemeint, wenn über Recycling gesprochen wird?

Als Recycling bezeichnet man die Wiederaufbereitung von weggeworfenen Wertstoffen zu einem neuen Produkt. Das ursprüngliche Produkt wird im Zuge dessen genau genommen zerstört – meist durch Zerkleinerung oder Schmelzverfahren – und der dadurch gewonnene Wertstoff zur Herstellung neuer Produkte verwendet. Themenverwandt, aber dennoch abzugrenzen davon sind die Begriffe Wiederverwendung und Upcycling. Bei der Wiederverwendung wird der Wertstoff beziehungsweise das Produkt nicht verändert und schlicht in seiner ursprünglichen Funktion erneut eingesetzt, sowie zum Beispiel alle Secondhand-Artikel. Von Upcycling auf der anderen Seite ist die Rede, wenn ein bestimmter Wertstoff oder ein Produkt wiederverwendet wird – allerdings auf eine andere, meist als „besser“ bewertete Art.2 Ein Beispiel dafür ist ein Autoreifen, aus dem man eine Schaukel macht, oder die seit Jahren populären Möbel aus Europaletten.

Glas lässt sich hervorragend recyceln. Die Scherben werden gesäubert, nach Farben sortiert, eingeschmolzen – und können anschließend problemlos zu neuen Glasbehältnissen gegossen werden.
Foto: Portraitor/Pixabay, Hans Braxmeier/Pixabay

Was lässt sich recyceln?

Die gute Nachricht ist: Sehr viele Materialien und Produkte lassen sich recyceln – viel mehr, als viele Menschen vermuten! Allerdings gibt es keinen allgemeingültigen Standard, sondern regional unterschiedliche Recyclingsysteme. Generell kann Abfall dabei in drei Kategorien eingeteilt werden:

  • Bioabfälle – diese sind kompostierbar
  • Recyclingmaterialien wie Papier, Glas, Plastik und Metall
  • Restmüll – dieser wird nicht recycelt und sollte deshalb im Idealfall nur Materialien enthalten, die nicht recycelt werden können.3

Doch wir möchten es ganz genau wissen: Welche Materialien fallen unter die oben genannten Recyclingmaterialien? Nachfolgend finden Sie eine Übersicht aller Stoffe, die sich wiederaufbereiten lassen. Für die weniger geläufigen Materialien sind zudem Verwendungsbeispiele für eine bessere Einordung aufgeführt.

Plastik

  • PET (Wasserflaschen, Klarsicht- und Durchdrückpackungen)
  • HDPE (Milchbehälter, Reinigungsflaschen)
  • PVC (Wasserrohre)
  • LDPE (Einkaufstüten, Stretchfolien)
  • PP (Flaschendeckel, Vorratsbehälter)
  • PS (Styroporboxen, Einweggeschirr, Joghurtbecher)

Sonstige Kunststoffe

  • ABS (Elektronik, Fernbedienungen, Spielzeug)
  • PA beziehungsweise Nylon (Textilien, Kabelbinder und andere industrielle Güter) 

Metalle

  • Aluminium (Fahrräder, Schienenfahrzeuge, elektrische Leitungen, Dosen)
  • Stahl (Autos, Brücken, Wolkenkratzer)
  • Kupfer (Elektronik)

Textilien

Batterien

Glas

Papier 

Die Recyclingquoten von Papier und Glas sind dabei die Spitzenreiter: Sowohl die gesetzlich vorgeschriebenen als auch die tatsächlichen Recyclingquoten sind besonders hoch – und diese Materialien lassen sich annähernd immer wieder verwerten. Wichtig ist dabei jedoch, wie immer beim Thema Recycling, eine sortenreine Trennung der Materialien.

Häufige Fehler

Bei Papier und Glas fällt es Verbraucherinnen und Verbrauchern meist leichter, sie eindeutig dem richtigen Müll zuzuordnen. Eine Ausnahme sind übrigens Kassenbons, die häufig im Papiermüll landen und dort nicht hineingehören, da sie oft den Schadstoff Bisphenol S enthalten und deswegen leider nicht mehr gut genug für den Papiermüll sind. Sie gehören in den Restmüll. Ein viel diskutiertes Beispiel sind auch Getränkekartons: Sie bestehen zwar überwiegend aus Papier, aber meist ebenfalls aus weiteren Schichten Plastik und Aluminium. Kartons mit Schraubverschluss haben außerdem ein zusätzliches Plastikelement, bei dem Deckel und der Verschlussaufsatz manchmal sogar aus verschiedenen Plastiksorten bestehen. Mit solchen Material-Mixen findet der Kreislauf schnell ein Ende: Was sich nicht gut trennen lässt, wird am Ende verbrannt.

Auf die Gesamtzusammensetzung kommt es an

Daraus schließen wir: Die Recyclingfähigkeit von einzelnen Produktbestandteilen sagt wenig darüber aus, ob das Produkt seinen Weg zurück in den Kreislauf finden kann – es muss in erster Linie einfach und sauber in seine einzelnen Komponenten sortiert werden können. Für uns als Konsumentinnen und Konsumenten ist das oft schwer zu erkennen: Bei manchen Verpackungen werden mehr als zehn verschiedene Kunststoffe übereinandergeschichtet, was mit dem bloßen Auge unmöglich zu erkennen und vor allem absolut unmöglich zu recyceln ist.4

Schwer zu durchschauen: Als Otto Normalverbraucher hat man gewöhnlich keine Vorstellung von den Materialien, aus denen Kunststoffverpackungen genau bestehen.
Foto: Daria Nepriakhina/Unsplash
Worauf Verbraucherinnen und Verbraucher achten können

Unheimlich viele Produkte werben mit dem Begriff „recycelbar“. Dieser ist jedoch, wie zum Beispiel auch viele Umweltschutzzeichen, nicht gesetzlich geschützt. Deshalb bleibt Menschen, die bewusst einkaufen möchten, auch hier nichts anderes übrig, als sehr genau hinzuschauen. Diese Fakten und Kniffe können jedoch vielleicht etwas bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt helfen: Wenn Firmen das Thema Recycling wirklich ernst nehmen, sind ihre Produkte häufig nicht nur recycelbar, sondern bestehen auch zumindest anteilig bereits aus recyceltem Material. Das sollten wir unbedingt unterstützen – denn nur wenn für die Produkte von Recyclingprozessen, kurz Rezyklate, ein profitabler Markt mit hoher Nachfrage entsteht, hat Kreislaufwirtschaft eine Zukunft. 

Farben und Etiketten beeinflussen außerdem, wie recycelbar eine Verpackung ist. Nicht alle Anlagen können beispielsweise Plastikmüll nach Farben trennen. Besonders problematisch sind dabei schwarze Plastikflaschen: Um zu erkennen, um welches Material es sich handelt, misst die Sortiermaschine die Reflexion des Materials bei Beleuchtung. Weil die meisten schwarzen Kunststoffe kaum Licht reflektieren, kann das Material nicht zugeordnet werden und landet fast immer in der Verbrennungsanlage. Falls Sie mehr über das Thema Plastikrecycling erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag Die Masse macht’s – auch beim Thema Plastik.

Weiter sollten gut entfernbare, möglichst kleine Etiketten bevorzugt werden, sowie erkennbare Monomaterialen oder Materialien, die leicht voneinander getrennt werden können.

Für Textilien funktioniert Wiederverwendung eindeutig besser als Recycling – sie können nicht einfach geschreddert und neu zusammengefügt werden. Papier und Karton hingegen schon. Wie genau das vonstatten geht, erfahren Sie in unserem Beitrag Von der Papiertonne ins Werk.
Foto: Svitlana/Unsplash, Tania Melnyczuk/Unsplash

Was noch besser ist – weniger Müll

In der Abfallhierarchie des Bundesumweltministeriums steht an erster Stelle die konsequente Abfallvermeidung (z. B. Unverpackt-Läden), an zweiter Stelle die Wiederverwendung (z. B. Mehrwegflaschen) und erst an dritter Stelle das Recycling. Nur die energetische Verwertung, das bedeutet die Verbrennung zur Energiegewinnung, und das Deponieren schneiden in der Abfallhierarchie schlechter ab als Recycling. Und das zu Recht: Recycling schont zwar Ressourcen, mit Ausnahme von Papier und Glas verlieren die meisten Materialien jedoch während der Aufbereitung an Qualität. Das ist an und für sich nichts Schlechtes, denn auch mit verminderter Qualität können diese Stoffe noch einen wertvollen Beitrag leisten – das eigentlich Problematische ist dabei eher, dass diese Stoffe sich durch den Qualitätsverlust meist nicht mehrfach recyceln lassen. Außerdem sind für den Prozess viel Energie und Wasser nötig; eine Lösung dafür könnten ökologisch-integrierte Fabriken sein, die Kreislaufmodellen folgen, wie zum Beispiel unser Unternehmen, Steinbeis Papier. 

Genauso wichtig wie die Entscheidung für recycelbare Materialien sind letztendlich jedoch immer ein bewusster Konsum und die Vermeidung von Müll. Und die Abfälle, die anfallen, müssen gewissenhaft und korrekt entsorgt werden – damit möglichst viel von ihnen wiederverwertet werden kann und wir mehr Kreisläufe schaffen.

Titelbild: David Hofmann/Unsplash

  1.  https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verpackungsmuell-109.html
  2.  https://www.terracycle.com/de-DE/pages/recycling-begriffe-und-definitionen
  3. https://blog.alpla.com/de/blog/sustainability-social-engagement/fuenf-dinge-mit-denen-sie-das-recycling-unterstuetzen-koennen
  4.  https://utopia.de/ratgeber/recyclebar-recyclebare-verpackung-was-heisst-das/

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Isabella Bigler

Isabella Bigler

Isabella Bigler ist Redakteurin und Texterin. Für Nachhaltigkeit interessiert sie sich vor allem im Zusammenhang mit Tierrechten. Hier schreibt sie über nachhaltige Themen, die Vergangenheit und die Zukunft.

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