Welttag des Baumes – Eine Hommage an meinen alten Freund, den Baum

Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum. Vor ihm würde ich täglich nachdenken, vor ihm und über ihn….

Christian Morgenstern

Heute ist Welttag des Baumes und dieser soll tatsächlich zum Nachdenken anregen, vor ihm und über ihn. In Deutschland erstmals am 25. April 1952 zelebriert, werden an diesem Tag nicht nur Bäume gepflanzt, sondern auch die Bedeutung des Waldes für Mensch, Tier und Wirtschaft ins Bewusstsein gerufen. Denn wir Menschen verdanken den Bäumen sehr viel: Sie filtern die Luft, die wir atmen und versorgen uns mit Nahrung und Rohstoffen. Sie spenden Schatten und Wärme oder bieten Schutz vor Stürmen und Erosion. Sie waren auch die Spielwiese unserer Kindheit und bilden grüne Oasen im Herzen unserer hektischen Betonstädte. Von jeher hat der Baum den Menschen fasziniert.

Für Urvölker waren sie heilig, ein Sinnbild des Kosmos und der sich stets erneuernden Natur. Große Dichter und Denker haben über sie philosophiert und geschrieben. Seit Jahrtausenden ist der Mensch also verwurzelt mit dem duldsamen Riesen. Doch diese enge Verbindung schwindet seit der Industrialisierung zunehmend und was uns einst heilig war, ist heute ein Produkt der Wirtschaft. Dabei verdanken wir den Bäumen aber nicht nur unsere Existenz, sondern auch den technischen Fortschritt – von der Brandrodung der Wälder für die Landwirtschaft, über Kohlekraftwerke bis zum Buchdruck. Es war der Baum, der uns zur Mobilität verhalf, zum bequemen Leben und der Teil unserer Kultur wurde.

Ein Baum für einen Menschen

Doch wie bei allen Ressourcen, mit denen nicht sparsam und nachhaltig umgegangen wird, drohen auch die Wälder unserer Welt zu verschwinden und karge Wüsten zu hinterlassen, was verheerende Folgen für uns hätte. Denn wo der Baum stirbt, stirbt der Mensch. Ein Wald ist schnell gerodet, die wachsenden Ringe eines Stammes machen deutlich, wie viel länger es dauert ihn wieder zu ersetzen. Ehe ein Baum nördlich des Polarkreises 20 Zentimeter Durchmesser erreicht, vergehen hundert Jahre. Jeder fünfte Baum wird für Papier geschlagen und die Anzahl steigt trotz Digitalisierung stetig weiter. Wurden im Jahr 1970 rund um den Globus noch etwa 130 Millionen Tonnen Papier produziert, so waren es 2006 bereits 381 Millionen Tonnen. Vor allem die Industriestaaten konsumieren am meisten.

Laut Umweltbundesamt verbraucht Deutschland so viel Papier, Pappe und Karton wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen: fast 250 Kilogramm pro Jahr und Kopf! Dabei bietet nur ein Baum mit ca. 5 m Kronendurchmesser soviel Sauerstoff, wie ihn ein Mensch zum Leben braucht. Ein Baum für einen Menschen – ein schöner Gedanke. Allerdings müssen hochgerechnet auf ein in Deutschland durchschnittliches Leben von 80 Jahren 160 Bäume ihr Leben lassen – 60 mehr als uns eigentlich laut Yale-Studie hierzulande pro Kopf zustehen. Wir Deutschen sammeln zwar viel Altpapier, aber wir achten beim Kauf des Neuen immer weniger darauf, woraus es hergestellt wurde – ob aus Altpapier oder aus frischen Fasern.

Recyceln, bedeutet nicht automatisch, dass überall recyceltes Papier in den Regalen steht. Jeder einzelne Kunde kann seinen Beitrag leisten, indem er auf recyceltes Papier umsteigt. Beim Kauf ist es daher wichtig auf zertifizierte Symbole zu achten, wie der Blaue Engel (hergestellt aus 100 Prozent Altpapier). Dadurch leistet man einen aktiven Beitrag zum weltweiten Umweltschutz. Denn nicht nur der Baum wird beim Recyceln verschont, auch Wasser und Energie für die Herstellung von Papier werden eingespart und der Lebensraum für die Tiere bewahrt. Mehr dazu finden Sie hier.

Der Baum als Vorbild

Der Tag des Baumes ist also die Gelegenheit, uns für einen Moment zu entschleunigen und unseren alten Riesen in Sachen Ruhe und Geduld zum Vorbild zu nehmen. In seinem Gastvortrag bei Steinbeis Papier, berichtet Peter Wohlleben (Autor des Bestsellers „Das geheime Leben der Bäume“) von den erstaunlichen Fähigkeiten der Bäume. Er glaubt, dass Bäume so etwas wie eine Seele haben und plädiert dazu in ihnen mehr zu sehen, als einen reinen Rohstoff. Der Erfolg seines Buches zeigt, dass das Band zwischen Baum und Mensch noch besteht. Heute könnten wir hinaus gehen und dem Wald, wie Hermann Hesse es in seinen Gedichten nahe legt, lauschen. Damit lässt sich die einstige Verbundenheit vielleicht wieder finden und damit auch die Achtung und der Respekt vor dem in Jahrzehnten und Jahrhunderten gewachsenen Holz des Baumes. Es ist Zeit zurückzugeben. Am Ehrentag des Baumes, wäre das wohl größte Geschenk an unseren alten, treuen Freund: Zeit.

Zeit zu wachsen, um zu bleiben.

 

Foto:Fabrizio Verrecchia

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Sandra Staub

Social Media Expertin und Unternehmerin. Seit mehr als 12 Jahren berät sie Unternehmen zu Social Media, Content-Marketing und vermittelt in praxisorientierten Workshops und Webinaren ihr umfangreiches Wissen.

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