Was tun gegen Ressourcenknappheit – Unternehmen im Gespräch

Das Web 2.0 hat den Gedanken der „Community“ instrumentalisiert, was ohne die sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram und Businessforen wie LinkedIn weder denkbar wäre noch funktionieren würde. Wer nicht bereit ist, Informationen und Bilder aus seiner privaten Welt und Businessumgebung zu teilen, braucht sich erst gar nicht diesen Netzwerken anzuschließen. Dieses Verhalten zielt sowohl am Zweck als auch den Erwartungen der Gemeinschafts- und Sharing-Foren vorbei.

Teilen und gerechte Verteilung – bei Ressourcen unabdingbar

Um „Teilen“ und ein Community-Verständnis der etwas anderen Art geht es bei „Ressourceneffizienz“. Ein Thema, das Auswirkungen auf Industrie, Märkte und Konsum hat. Hier geht es weniger um die Freiwilligkeit des Teilens als um die Notwendigkeit – um der Ressourcengerechtigkeit willen. Und um die steht es nicht zum Besten. Denn das Umweltkonto in Deutschland ist immer früher im Minus: Pro Jahr braucht Deutschland drei Erden an Ressourcen. Meistens  leben wir schon ab dem zweiten Quartal auf Pump, wie in „Nachhaltigkeit, der ökologische Imperativ für das digitale Zeitalter“ nachzulesen ist.

Weltweiter Ressourcenhunger – nachhaltige Lösungen gefordert

Die USA verbrauchen pro Jahr fünf Erden. China, einer der größten Umweltsünder und Weltmeister bei der Produktion von Bodenschätzen und seltenen Erden, kann trotz der riesigen landeseigenen Vorkommen die Industrie- und Energieproduktion nicht mit eigenen Ressourcen abdecken. Es muss seinen Rohstoffhunger mit zusätzlichen Importen und Zukäufen stillen. Eine zukunftsfähige Rohstoffpolitik, die für eine gerechte Verteilung der weltweit verfügbaren Rohstoffe sorgt, bleibt vorläufig eine Utopie. Im Mittelpunkt der Rohstoffpolitik der Länder steht die Versorgungssicherheit. Ein Aspekt, der für produzierende Unternehmen eine hohe Bedeutung hat. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Ressourcen ist Teil der Wertschöpfung und sie sichert Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Ressourceneffizienz in KMU – eine Veranstaltung des B.A.U.M. e.V.

Mit Blick auf den weltweit wachsenden Rohstoffbedarf sowie die Diskrepanz zwischen ökologischem Fußabdruck und Biokapazität sind nachhaltige Lösungen für eine effiziente Ressourcenbuchhaltung unumgänglich. Etwas, das der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. seit Jahren vorantreibt. Im Rahmen der Veranstaltung Steigerung der Ressourceneffizienz in KMU“ am 01.11.2018 im Hause der Steinbeis Papier GmbH wurden in Keynotes, Business-Cases und Fachvorträgen nachhaltige, energie- und ressourceneffiziente Lösungen vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen Unternehmen aus den Branchen Touristik, Mobilität, Food, Dienstleistung und Technologie teil.

Julia Herr vom VDI Zentrum Ressourceneffizienz sprach über den ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen von Ressourceneffizienz. Sie sieht Maßnahmen zum Klimaschutz, für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Unternehmensstrategie verankert. CSR sei nachgewiesenermaßen ein Erfolgsfaktor im Wettbewerb. Die VDI-Abteilung berät und unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Ressourceneffizienz in Unternehmen, wie der Entwicklung ressourceneffizienter Produktions- und Verarbeitungsprozesse, bei der betrieblichen Effizienzberatung und bei Energie- und Umweltmanagementsystemen. Sie verwies in ihrem Vortrag auf die Bestrebungen der Bundesregierung, die sie mit ihrem Ressourceneffizienzprogramm u.a. verfolgt: Eine „Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Rohstoffeinsatz“ zu erzielen.

Foto: Steinbeis Papier GmbH, Julia Herr vom VDI Zentrum Ressourceneffizienz referiert zum Thema Kostensenkung

Die Geschäftsführer der Steinbeis Papier GmbH, Ulrich Feuersinger und Dr. Volker Gehr, stellten das ökologisch-integrierte Industriemodell ihrer Papierfabrik vor, wie sie die Wende von einer ressourcen- und energieintensiven Produktion zu einer nachhaltigen vollzogen haben, welche technologischen Konsequenzen das zur Folge hatte und wie es sich ökonomisch auf das Unternehmen, aber auch seine Marktposition ausgewirkt hat. Ressourceneffizienz, so war der Präsentation zu entnehmen, setzt immer auch das Zusammenspiel gleichgesinnter Marktpartner voraus.

„Ressourceneffizienz, so war der Präsentation zu entnehmen, setzt immer auch das Zusammenspiel gleichgesinnter Marktpartner voraus.“

Ressourcen schonen hat etwas von einer Community-Haltung

Nachhaltigkeit erstreckt sich bei Steinbeis über die gesamte Produktions-, Supply-Chain und Wertschöpfungskette. Mit seinen Zulieferern und Dienstleistern bildet Steinbeis eine Community, die das gleiche Interesse teilen: Nachhaltigkeit, Schonung von Ressourcen und Umwelt, Erhalt von Biodiversität, Ausschöpfen der Potenziale in Recycling und Kreislaufwirtschaft. Durch die ausschließliche Verwendung von Altpapier als Rohstoff werden wertvolle Ressourcen geschont.

Foto: Steinbeis Papier GmbH, Dr. Volker Gehr erklärt beim Fabrikrundgang das ökologische Prinzip der Altpapieraufbereitung

Der B.A.U.M. e.V. und die Steinbeis Papier GmbH sehen in solchen Veranstaltungen eine gute Möglichkeit, den unternehmerischen Gedanken der nachhaltigen Community-Bildung zu transportieren und Lösungen anzustoßen. Soll Ressourcengerechtigkeit, die paritätische Verteilung und Nutzung, nicht nur eine Forderung bleiben, sondern Wirklichkeit werden, sind Dialog, Konsens und Kooperation unumgänglich. Dass hier Maßnahmen auf internationaler Ebene gefordert sind, ist eine Seite. Die andere ist das Handeln. Gemeinsame Interessen zu vernetzen, die jeweiligen Möglichkeiten von Unternehmen, Branchen und Industrien für Ressourceneffizienz auszuloten und auszuschöpfen, sind Maßnahmen, die zu einer gerechteren Ressourcenpolitik beitragen und mehr Unabhängigkeit schaffen.

 

Titelbild:  Kouji Tsuru on Unsplash

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Veronika Warmers

Veronika Warmers

Verantwortet das Marketing, den Bereich Social Media und e-business bei Steinbeis Papier. Kreislaufwirtschaft, Recycling und Biodiversität sind die Themen, die der diplomierten Betriebswirtin am Herzen liegen. Begeisterte Bloggerin des Steinbeis Redaktionsteams.

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