Verantwortung übernehmen

Carsten Schlumm, Leiter Mediendienstleistung / Produktion des NWB Verlags sieht den derzeitigen Umgang mit Ressourcen kritisch. Für ihn steht fest, dass zwischen Ressourcenverfügbarkeit und -verbrauch ein bedrohliches Ungleichgewicht herrscht. Er fordert ein, dass mehr Verantwortung übernommen werden solle. In allen Bereichen. Auch in unserem täglichen Handeln. Der NWB Verlag geht seit Jahren mit gutem Beispiel voran. Im Interview gibt Carsten Schlumm einen Einblick, welche Schritte dazu geführt haben und welche Ziele noch auf der Agenda stehen.

Herr Schlumm, welche internen Maßnahmen haben Sie im NWB Verlag eingeführt, um Ressourcen zu schonen? 

NWB sieht Nachhaltigkeit nicht als Schönwetterthema, sondern als integralen Bestandteil der zukunftsorientierten Unternehmensführung. Deswegen hat NWB bereits 2014 ein mehrköpfiges interdisziplinäres und abteilungsübergreifendes Nachhaltigkeitsteam beauftragt, sich der fortlaufenden strategischen Ausrichtung zu mehr Nachhaltigkeit zu widmen. Mithilfe des Nachhaltigkeitstools „N-Kompass“ hat das Team an der Analyse und Erstellung einer Nachhaltigkeitsstrategie gearbeitet. Dazu wurden alle Verlagsbereiche und nachhaltigkeitsrelevante Themen in ihrer Tiefe analysiert und bewertet, um anschließend eine Priorisierung auf wesentliche Themen vornehmen zu können.

Eine Strategie zu entwickeln, ist eine Sache. Diese dann auf die ganze Belegschaft zu übertragen, eine andere. Wie bewältigen Sie diese Aufgabe im NWB Verlag?

Da wir in Sachen Nachhaltigkeit alle Mitarbeiter mit an Bord holen wollen, wird die gesamte NWB-Belegschaft regelmäßig über die laufenden und geplanten Nachhaltigkeitsaktivitäten informiert. Seit 2013 veröffentlichen wir jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht. Um ein konkretes Beispiel für eine Maßnahme zu nennen: Wir als NWB Verlag beziehen nur Strom, der zu 100% aus Wasserkraft erzeugt wird. Auf dem Dach unseres Bürogebäudes befindet sich eine Solaranlage, die an 365 Tagen im Jahr einen kleinen Teil unseres „eigenen“ nachhaltigen Stroms erzeugt.

Bleiben wir bei dem Umgang mit Ressourcen: Papier ist in einem Verlag eine äußerst zentrale Ressource. Wie geht der NWB Verlag damit um?

Wir sind bemüht, unsere Druckauflagen so passgenau wie möglich zu planen, um den Einsatz von Ressourcen an allen Stellen der Produktionskette gering zu halten. Die Zukunft für unsere Print-Produktionen liegt in Print-on-Demand-Prozessen, bei denen wir nur dann Titel produzieren, wenn diese auch von unseren Kunden geordert werden. Dieses haben wir bereits im Jahr 2014 mit einem Pilot-Produkt getestet, unserem NWB-Rapid. Die daraus gesammelten Erfahrungen haben wir im letzten Jahr genutzt, um die Produktion unserer sieben Grundwerke auf echtes Print-on-Demand umzustellen. Die Umfänge der einzelnen Werke liegen hier zwischen 2.000 und knapp 13.000 Seiten, die für unsere Kunden passgenau produziert und versendet werden.

Gibt es diesbezüglich weitere Pläne für die Zukunft? 

In einem nächsten Schritt widmen wir uns unseren Buchproduktionen. Auch bei diesen besteht die Möglichkeit, beachtliche Ressourcen einzusparen. Dazu werden wir allerdings im Vorfeld noch interne Prozesse anpassen müssen. Um den internen Papierverbrauch zu reduzieren, haben wir bereits 2016 alle im Haus befindlichen Drucksysteme auf Duplex-Druck umgestellt und damit 33% unseres internen Verbrauchs reduziert.

Druckprozess. Foto: Bank Phrom on Unsplash
Der Druck auf umweltfreundlichem Recyclingpapier nimmt zwar zu, dennoch muss diese Variante gefühlt immer noch ein wenig an seinem Image arbeiten. Wird Recyclingpapier heutzutage von den Verlagen immer noch unterschätzt? Und sind diese Zweifel für Sie in gewisser Weise nachvollziehbar? 

Wir produzieren seit 2013 unsere Zeitschriften auf Recyclingpapieren mit dem Blauen Engel. Diese Produktionen erfolgen zudem klimaneutral bei unseren Dienstleistern in Deutschland. Textausgaben, die einen großen Teil unseres Produktionsvolumens ausmachen, produzieren wir seit nun fast fünf Jahren auf Steinbeis Charisma. Die Qualität des Papiers in Bezug auf Bedruckbarkeit, Trocknungseigenschaften und Weiterverarbeitung hat sich in den letzten Jahren massiv verbessert. Ich persönlich glaube nicht, dass der Druck auf umweltfreundlichem Recyclingpapier von den Verlagen unterschätzt wird. Es ist aus meiner Sicht eher der Planungsaufwand für die Änderung der Spezifikationen von einzelnen Produkten, der Mitbewerber ggf. zögern lässt.

Welche Stellschrauben lassen sich in Bezug auf den Druckvorgang neben dem Papier noch verstellen, um umweltfreundlicher zu agieren?

Wir achten bei unseren Dienstleistern sehr auf nachhaltige Produktionsprozesse, sowohl beim Produktionsstandort, den eingesetzten Farben oder den Druckhilfsmitteln. Es wäre außerdem optimal, die Produktionen für unsere Titel erst dann stattfinden zu lassen, wenn wir den Titel auch verkauft haben – also eine Kundenbestellung vorliegt. An diesen Prozessen arbeiten wir im Hintergrund, um uns Schritt für Schritt dem Ziel einer echten Print-on-Demand-Produktion zu nähern. Das wird nicht morgen realisierbar sein, aber auch nicht erst in fünf Jahren.

Serverraum. Foto: iStock
Schwebt Ihnen bei diesem Thema eine konkrete Vision vor?

Meine Vision hierzu ist: Produktion in Deutschland – im Idealfall auf einem Bedruckstoff der Blauer Engel zertifiziert ist – mit mineralölfreien Farben gedruckt – klimaneutral produziert – die Kaschierung des Titels basierend auf Maisstärke sowie ein klimaneutraler Versand an unsere Kunden.

Kommen wir von der Print- zur digitalen Welt: Einer der großen Game Changer unserer Zeit ist die Digitalisierung. Beschreiben Sie uns doch bitte kurz, wie das digitale Zeitalter das Arbeiten und die Produkte des NWB Verlags beeinflusst?

Die Digitalisierung hat massive Umwälzungen und Veränderungen im Leseverhalten und im Konsum von „Literatur/Wissen“ mit sich gebracht. Vor allem Verlage müssen diese veränderten Realitäten in ihre Produkte einbringen und entsprechend digitale Angebote realisieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Auch unsere eigenen Prozesse digitalisieren sich zunehmend. Das Geschäft wird schneller und effizienter. Gleichzeitig fordert es eine neue Flexibilität sowie Agilität von einzelnen Mitarbeitern und Teams. Automatisierte Prozesse schaffen neue Freiräume für die notwendigen Innovationen, die unsere Branche nötig hat, um weiter zukunftsfähig zu sein.

Ist allgemein im Bereich des nachhaltigen Publizierens aus Ihrer Sicht ein drastischeres Umdenken gefragt? Oder befinden wir uns auf einem guten Weg?

Ich glaube, das muss man von Verlag zu Verlag betrachten. Wir als NWB Verlag achten schon immer auf nachhaltige Prozesse beim Publizieren unserer Titel, sowohl intern als auch mit unseren externen Partnern. Wenn ich auf meine Mitarbeit in der Kommission Medienproduktion der deutschen Fachpresse blicke, kann ich bestätigen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Je nach Ausrichtung des Verlags, deren Zielgruppen und den Anforderungen dieser Zielgruppen ist es teilweise sicherlich noch ein weiter Weg. Wichtig für Verlage ist aber neben den Hausaufgaben – sprich der nachhaltigen Produktion von Medien – auch Innovationen nicht aus dem Fokus zu verlieren und voran zu treiben.

Werfen wir abschließend noch gedanklich einen Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich für Ihre Branche?

Ich wünsche mir für unsere Branche viele junge und innovative Menschen, die sich mit Mut und Elan in die notwendigen Veränderungsprozesse einbringen, durch diesen Spirit viele andere Mitarbeiter begeistern und mit auf die Reise in die Zukunft nehmen. Eine Zukunft mit Content, der on Demand für unsere Kunden in der gewünschten Darreichungsform zusammengestellt und publiziert wird. Dabei schließe ich das Medium Print nicht aus, sondern sehe dieses als sinnvolle Ergänzung zu den digitalen Angeboten – beispielsweise von Apps, E-Books, Datenbanken oder anderen Spielformen der Medienlandschaft. Wie gesagt, die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen von uns. Nachhaltigkeit ist und bleibt kein Schönwetterthema. Handeln ist gefragt.


Der NWB Verlag ist ein in dritter Generation geführtes Familienunternehmen mit Sitz in Herne. Der Fachverlag hat seinen Schwerpunkt in den Themenbereichen Steuerrecht, Wirtschaftsrecht und Rechnungswesen sowie mit dem KIEHL Verlag in den Bereichen kaufmännische Aus- und Weiterbildung. Das Produktportfolio besteht aus 17 Zeitschriften, einem Buchprogramm mit über 400 lieferbaren Titeln, zahlreichen Fach-Datenbanken und einem umfangreichen Digital-Portfolio. Unter dem Dach der NWB Akademie finden jährlich ca. 400 Seminare, Tagungen, Inhouse-Trainings und Online-Seminare statt. Darüber hinaus gehört zum Verlag das Innovation lab code and butter in Herne, der Kölner Branchenpresseverlag und Informationsdienstleister JUVE, der SIS Verlag aus Grasbrunn bei München und eine Beteiligung an der Steuerfachschule KNOLL in München.

Mehr Infos zum NWB Verlag und seinen Marken unter: www.nwb.de

Titelbild: NWB Verlag, Carsten Schlumm

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Veronika Warmers

Veronika Warmers

Verantwortet das Marketing, den Bereich Social Media und e-business bei Steinbeis Papier. Kreislaufwirtschaft, Recycling und Biodiversität sind die Themen, die der diplomierten Betriebswirtin am Herzen liegen. Begeisterte Bloggerin des Steinbeis Redaktionsteams.

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