Steinbeis in Zeiten von Corona

Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff. Bei stetig steigenden Fallzahlen stellt sich für Unternehmen die Frage, wie sie ihre Mitarbeiter_innen vor einer Ansteckung schützen können. Im Interview erklärt Achim Biston, Leiter zentrales Personalwesen und allgemeine Verwaltung bei Steinbeis, welche Maßnahmen ergriffen wurden und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Herr Biston, es sind herausfordernde Zeiten für alle. Wie erleben Sie die Corona-Epidemie?

Natürlich ist es krass, in welchem Ausmaß gerade unser gesamtes Leben durch Restriktionen beherrscht wird. Besonders meine Kinder bekommen das zu spüren. Sie wohnen in der Großstadt in einem Mehrfamilienhaus. Allerdings halte ich diese Maßnahmen für vollkommen angemessen und korrekt. So hart, wie es ist: Wenn das der einzige Weg ist, dieses Virus in den Griff zu bekommen, dann müssen wir da durch.

Beruflich erlebe ich in der Corona-Epidemie tagtäglich neue Situationen, für die es kein Muster, keine Vorlage gibt. Wenn zum Beispiel die Freundin von der Freundin vom Sohn eines Kollegen positiv getestet wurde – muss dann der Kollege zu Hause bleiben? Es ist dann meine Verantwortung, die Situation richtig zu erfassen: Muss der Kollege in Quarantäne, oder ist das Risiko so minimal, dass es in Ordnung ist, wenn er zur Arbeit kommt? Diese Situationen sind mannigfaltig. Das erfordert höchste Konzentration und ist bisweilen ganz schön belastend.

Das Tragen von Masken schützt nicht vor Infektionen, sondern sollte nur temporär erfolgen und nur, um zu verhindern, dass sich andere anstecken. Viel wichtiger: Distanz halten und Hände waschen. (Foto: Griffin Wooldridge/unsplash)
Wer das Steinbeis Werk besucht, wird normalerweise am Empfang willkommen geheißen. Wie läuft das aktuell ab?

Wir haben ein Besuchsverbot ausgesprochen, um den generellen Betrieb im Gebäude und damit auch im Empfangsbereich zu reduzieren. Zum Schutz im Empfang haben wir eine Abstandsmarkierung vor dem Empfangsschalter auf dem Fußboden aufgebracht und arbeiten mit Handschuhen, um die Infektionsgefahr bei der Annahme von Lieferungen zu minimieren. Außerdem stehen im Empfangsbereich zwei Desinfektionsinseln zur Verfügung, die jede_r Mitarbeiter_in beim Betreten des Gebäudes nutzen kann – und auch soll.

Ab dem 23. Januar waren in China ganze Städte abgeriegelt. Ab wann wurde das Coronavirus auch offiziell zu einem Thema für Steinbeis?

Persönlich habe ich die Epidemie Ende Januar erstmals als Gefahr wahrgenommen. Unser Geschäftsführer hat etwa zur selben Zeit mit mir das Gespräch gesucht und nach einer Einschätzung gefragt, ob und inwieweit die Epidemie auch für uns zum Problem werden könnte. Gemeinsam versuchten wir, die Gefahr möglichst realistisch einzuschätzen. Dazu zählte auch herauszufinden, ob bereits ein_e Mitarbeiter_in erkrankt war. Das ist natürlich gar nicht so leicht, wenn Symptome denen einer ganz normalen Erkältung ähneln – gerade in den Wintermonaten, wenn Husten, Schnupfen und Halskratzen nichts Außergewöhnliches in der Belegschaft sind. Ein Hinweis ist, ob ein_e Mitarbeiter_in in jüngster Vergangenheit mit einer infizierten Person in Kontakt war. Nachdem wir diese Option so gut es geht ausschließen konnten, ging es daran abzuwägen, welche Schutzmaßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft nötig waren und noch immer sind.

Gerade in Zeiten von Fake-News wollten wir alle Mitarbeiter_innen zeitnah über die aktuellen Entwicklungen informieren. Deshalb wurde gleich am nächsten Tag die erste Mitarbeiterinformation veröffentlicht. Darin waren wichtige Hygiene- und Verhaltensregeln zur Vorbeugung von Infektionen sowie unsere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus beschrieben. Wir beobachten kontinuierlich die Entwicklungen, prüfen Anpassungen an die aktuelle Situation und bringen die Belegschaft auf den neuesten Stand.

Welche vorbereitenden Maßnahmen für die Sicherheit der Mitarbeiter_innen wurden getroffen?

Vom Robert Koch-Institut wissen wir, dass Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Oberflächen wie Türklinken gelangen können. Deshalb sind regelmäßiges Händewaschen und das Fernhalten der Hände aus dem Gesicht auch so wichtig. Um diese persönlichen Vorsichtsmaßnahmen zu unterstützen, haben wir die Hygienemaßnahmen im gesamten Werk erhöht, dazu gehören die Reinigungsintervalle im Sanitärbereich genauso wie die tägliche Desinfektion der Türklinken. Außerdem wurden im gesamten Gebäude Desinfektionsinseln aufgestellt.

Da das Virus am häufigsten von Mensch zu Mensch übertragen wird, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Kontakt zu reduzieren. Dazu zählen Besuchsverbote für Externe, ein Reiseverbot für alle Mitarbeiter_innen und eine berührungslose Schichtübergabe in der Produktion. Außerdem ist der persönliche Kontakt zwischen Mitarbeiter_innen in der Produktion und denen in der Verwaltung untersagt. Alle gehen sehr verantwortungsvoll damit um. Ihnen ist bewusst, wie wichtig die Maßnahmen zum Erhalt der Unternehmung sind. Die Möglichkeiten von Video- und Telefonkonferenzen helfen uns, diese „Isolation“ zu überbrücken.

Waschen Sie sich mindestens 20 bis 30 Sekunden lang die Hände (auch zwischen den Fingern). Ein kleiner Tipp, um die Zeit zu messen: Singen Sie während des Händewaschens zweimal „Happy Birthday“. (Foto: Mélissa Jeanty/unsplash)
Welche Maßnahmen wurden unternehmensseitig ergriffen, um das Arbeiten zu erleichtern?

Viele Mitarbeiter_innen sind in kürzester Zeit für das Homeoffice ausgestattet worden. Hier ist die Zusammenarbeit aller gefragt – denn natürlich bedeutet das erst mal eine Umstellung. Aber unsere IT-Abteilung hat großartige Arbeit geleistet. Für die verbliebenen Mitarbeiter in der Verwaltung sind die gelieferten Mahlzeiten zur Mittagszeit hoffentlich eine Erleichterung, jetzt, wo die Kantine geschlossen ist.

Trotz aller Vorsicht: Welche Maßnahmen würden zur Anwendung kommen, wenn ein Covid-19-Fall im Hause Steinbeis bekannt werden würde?

Nach heutigem Stand würde ein positiver Covid-19-Fall an einer Papiermaschine sicherlich eine Quarantäne für die betroffenen Schichtkollegen bedeuten. Im schlimmsten Fall müsste die Maschine abgestellt werden. Davon gehen wir derzeit aber nicht aus. Bei Kollegen aus der Verwaltung wären die unmittelbaren Folgen für die Produktion weniger dramatisch, zumal die allermeisten Kollegen sich schon jetzt bereits im Homeoffice befinden.

Achim Biston, Leiter zentrales Personalwesen und allgemeine Verwaltung bei Steinbeis. (Foto: Steinbeis)
Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Wochen auf sich und das Unternehmen zukommen?

Wenn Geschäfte geschlossen sind und ganze Betriebe stillstehen, wird keine Werbung gedruckt und auch kein Papier benötigt. Dies wirkt sich auch auf unsere Auftragslage aus. Kurzarbeit wird nicht zu vermeiden sein, wir sind aber zuversichtlich, dass dies nur temporär nötig ist. Als größte Herausforderung sehe ich, die Auslastung der Produktion zu erhalten und somit den Erfolg der Steinbeis Papier GmbH für die Zukunft sicherzustellen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sind wir auf alle planbaren Ereignisse vorbereitet.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn das alles vorbei und der Alltag wieder eingekehrt ist?

Auf das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen aus allen Betriebsteilen in der Kantine. Und natürlich: meine Kinder wieder ungehemmt besuchen und in den Arm nehmen zu dürfen.

Titelbild: Erik Mclean/unsplash

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Valerie Bachert

Valerie Bachert ist Journalistin, Chefin vom Dienst und Nachhaltigkeits-Beauftragte. Ihr Interesse gilt den Bereichen ökologischer Landbau, bewusster Konsum, Artensterben, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Ernährung.

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