Perfect Match: Recyclingpapier und Schule

„Hefte raus, Klassenarbeit“ – wer erinnert sich noch, vielleicht sogar ein wenig nostalgisch, an diesen Satz? Eins ist jedenfalls klar: In der Schule wird von Hand geschrieben. Heute vielleicht weniger als vor 20 Jahren, denn unser Alltag ist digitaler und technischer geworden. Aber um Schreiben zu lernen, nehmen Kinder nach wie vor den Stift zur Hand. Wieso das gut so ist und welche Stellschrauben wir beim Thema Schule zugunsten von Nachhaltigkeit noch nachjustieren können, darum geht es in diesem Beitrag.

Wann haben Sie das letzte Mal mehr als eine Einkaufsliste, ein Post-it oder eine Geburtstagskarte von Hand geschrieben? Sollte das – wie bei den meisten – schon längere Zeit zurückliegen, ist das nicht weiter schlimm, es hat keinen negativen Effekt. Anders ist es bei Schreibanfängern: Für diese macht es durchaus einen Unterschied, ob sie Lesen und Schreiben mithilfe einer Tastatur oder eines Stiftes lernen. Für das Schreiben von Hand ist Feinmotorik vonnöten, dabei ist ein Drittel des Gehirns aktiv. Deshalb fällt das Schreibenlernen leichter. Aus demselben Grund können wir uns Dinge auch besser merken, wenn wir sie von Hand notiert haben. Das Alter ist dabei unerheblich. Bestimmt haben Sie diese Beobachtung auch schon bei sich selbst gemacht und sich gefragt, ob es Ihnen nur so vorkommt – das tut es nicht, es ist wissenschaftlich erwiesen! Und selbst wenn wir nicht von Hand schreiben, haben Worte auf Papier eine andere Wirkung auf uns als Worte auf einem Bildschirm.

Gedruckte Information wird besser aufgenommen

Gerade im Schulalltag und beim Lernen sollten wir uns hüten, Printprodukte durch digitales Lernen ersetzen zu wollen. Wieso das so ist, erklärt zum Beispiel die Professorin Anne Mangen, Vorsitzende der Initiative E-READ und Initiatorin der Stavanger-Erklärung. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen haben nachgewiesen, dass das Lesen auf Papier dem digitalen Lesen überlegen ist. Je länger ein Text ist, der auf einem Bildschirm gelesen wird, desto deutlicher tritt dieser Effekt in Erscheinung. Dass Texte im Netz eher kurz sind, liegt also nicht nur an einer beschleunigten Gesellschaft und unserer immer kleiner werdenden Aufmerksamkeitsspanne – denn die ist nicht generell kleiner geworden, sondern eben nur in Situationen, in denen wir uns mit einem Bildschirm konfrontiert sehen. Gerade bei längeren Texten fällt es uns dabei schwerer, die notwendige Konzentration und Fokussierung aufrechtzuerhalten. Das gilt vor allem für Informationstexte. Man könnte annehmen, dass wir seit den 2000ern besser darin geworden sind, auf Bildschirmen zu lesen. Eine große Meta-Analyse zu dieser Frage zeigt jedoch das genaue Gegenteil: Das Gefälle zwischen Lesen auf Papier und Lesen am Bildschirm ist mit der Zeit größer geworden und wächst weiter. Wieso ist das so? Offenbar besteht ein Zusammenhang mit der haptischen Komponente von Papier, wir lesen also nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen. Diese Formulierung mag im ersten Moment spitz erscheinen, doch es ist tatsächlich so, dass die Einbeziehung des Tastsinns das Gehirn besser für die Informationsaufnahme stimuliert. Wir halten also fest: Telefone und Laptops sind hervorragend geeignet für kleine „Informationshäppchen“ und dabei natürlich unschlagbar in ihrer Aktualität, aber: Wir lernen von Papier besser als von Bildschirmen.

Gedruckte Information ist uns leichter zugänglich als digitale.
Foto: cottonbro/Pexels
Ist unser Lernverhalten umweltschädlich?

Wer sich nun Sorgen macht, die Umwelt müsse unter unserem papierlastigen Lernverhalten leiden, dem sei gesagt, dass es nicht pauschal besser ist, auf Papier zu verzichten und Informationen nur in digitaler Form bereitzustellen. Denn 4 % der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen bereits auf das Konto der Digitalisierung, deren Energieverbrauch zudem jährlich um etwa 9 % weiter wächst. Digital ist also nicht per se nachhaltiger, zumindest nicht, solange wir nicht vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Außerdem wissen Leserinnen und Leser dieses Blogs: Papier ist nicht gleich Papier. Und Recyclingpapier ist nicht gleich Recyclingpapier. Wie auch das Umweltbundesamt verweisen wir auf das Siegel mit dem Blauen Engel, da es das anspruchsvollste Label ist und auf der Idee von Zirkularität, also Kreislaufwirtschaft, aufbaut. Letzterer sollten wir uns ökonomisch generell dringend zuwenden, wenn wir das Ziel Nachhaltigkeit verfolgen.

Kinder und Jugendliche von heute sind politisch aktiver als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger.
Foto: Markus Spiske/Pexels

Wir lernen also gut mit Papier, nehmen Informationen in gedruckter Form besser auf und haben unproblematische, nachhaltige Lösungen dafür zur Hand. Wenn die Schule anfängt, brauchen Millionen Schülerinnen und Schüler Blöcke, Hefte und dergleichen. Dabei besteht jedoch noch immer nur jedes zehnte gekaufte Heft aus 100 % Recyclingpapier und trägt den Blauen Engel. Für diesen Umstand gibt es keine validen Argumente, denn Recyclingpapier hat keine Nachteile, nur Vorteile: Für die Produktion werden im Allgemeinen 60 % weniger Energie, 70 % weniger Wasser und 100 % weniger Holz benötigt als bei konventionellen Produkten.

Recyclingpapier: für Schülerinnen und Schüler das Richtige

Woran liegt es also, dass der Anteil von Recyclingpapier in Schulen noch verhältnismäßig gering ist? Bestimmt nicht daran, dass unserer jungen Generation die Umwelt nichts bedeutet. Im Gegenteil hat die repräsentative Jugendstudie „Zukunft? Jugend fragen“ des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes ergeben, dass Umwelt- und Klimaschutz für junge Menschen in Deutschland ein Thema von höchster Priorität ist. Von unseren Schülerinnen und Schülern ist die Mehrheit politisch interessiert und bereit, sich zu engagieren. Sie erwarten mehr von der Politik als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger. So zum Beispiel auch, dass die Politik größeren Einsatz für die Umwelt zeigt und sich dabei gleichzeitig um mehr soziale Gerechtigkeit bemüht. Und: Die Schülerinnen und Schüler sind der Auffassung, dass jeder Einzelne noch viel mehr tun kann, um die Umwelt zu schützen. 

Die meisten Kinder freuen sich über Tipps, wie sie nachhaltige Entscheidungen treffen können.
Foto: dielinke_nrw/flickr

Das erscheint nachvollziehbar, denn je jünger ein Mensch ist, desto stärker wird er in Zukunft mit den Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert werden. Umso wichtiger ist es diesen jungen Menschen daher, kollektiv einen umweltgerechten Weg einzuschlagen, um zukünftige Generationen nicht für ihr umweltschädliches Handeln bezahlen zu lassen. Die Bereitschaft zu nachhaltigem Handeln bei den jüngeren Mitgliedern unserer Gesellschaft steht somit außer Frage. Sie sind bereit, Aufwand zu betreiben, um die Umwelt zu schützen. Daher können wir davon ausgehen, dass ein Grund für die wenigen Hefte aus Recyclingpapier im Schulalltag mangelnde Aufklärung ist. Und das ist unsere Aufgabe, die der „Großen“. Ob Großeltern, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen oder andere: Wir müssen Kindern mit gutem Beispiel vorangehen und unser Wissen mit ihnen teilen. Wir müssen sie für das Thema sensibilisieren und ihnen helfen, ein Bewusstsein für diese kleinen Teilbereiche zu entwickeln, in denen sie eine gute Wahl für das Klima treffen können. In diesem speziellen Fall ist der Aufwand minimal, das Ergebnis maximal – denn unser Nachwuchs erwartet von uns, dass wir Verantwortung zeigen, und er nimmt nachhaltige Impulse dankbar an.

Unser Tipp: Kampagne „Schulstart mit Recyclingpapier“

Sollten Sie sich Inspiration oder Informationen zu speziell diesem Thema wünschen, empfehlen wir Ihnen die Kampagne „Schulstart mit dem Blauen Engel“ des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamts, der Jury Umweltzeichen und der RAL gGmbH. Mehr unter: www.blauer-engel.de/schulstart

Titelbild: pixabay/Pexels

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Isabella Bigler

Isabella Bigler

Isabella Bigler ist Redakteurin und Texterin. Für Nachhaltigkeit interessiert sie sich vor allem im Zusammenhang mit Tierrechten. Hier schreibt sie über nachhaltige Themen, die Vergangenheit und die Zukunft.

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