Wie wir Produktlebenszyklen mit Recycling verlängern können

Es klingt zunächst widersprüchlich: Der Verbraucher kauft, benutzt und entsorgt Papier und trägt dennoch zum Schutz von Umwelt und zur Schonung wertvoller Ressourcen bei. Er liest morgens vor der Arbeit die Tageszeitung, druckt im Job Texte oder Notizen für Meetings aus, schreibt im Tagesverlauf einen Einkaufszettel und findet abends im Briefkasten noch den Kontoauszug seiner Bank. Wie kann das umweltschonend sein? Auf die fachgerechte Entsorgung kommt es an – und natürlich auf ein hochwertiges Recyclingpapier.

In vielen Unternehmen ist der Satz bereits fester Bestandteil der E-Mail-Signatur: „Before printing think about the environment“, zu Deutsch: Denken Sie an die Umwelt bevor Sie drucken. Zweifellos kann auf diese Weise der Papierkonsum innerhalb eines Unternehmens verringert werden. Die Mitarbeiter werden für das Thema sensibilisiert, drucken nicht jede E-Mail aus, ehe sie in ein Meeting oder ein Kundengespräch gehen, sondern greifen vermehrt zum Laptop oder Tablet. Bei vielen Unterlagen wird hingegen nach wie vor auf die gedruckte Variante gesetzt: Lohnzettel, Rechnungen oder Spesenabrechnungen landen meist in Papierform auf den Schreibtischen von Angestellten und Vorgesetzten. Ganz zu schweigen von Unterlagen vom Finanzamt oder anderen staatlichen Behörden.

Recyclingpapier – Musterbeispiel für längere Produktlebenszyklen & Ressourcenschonung

Pro Kopf beträgt der Papierkonsum in Deutschland laut der Umweltschutzorganisation WWF etwa 250 kg pro Jahr. Deutschland rangiert in der Liste der weltweit größten Papierimporteure hinter den USA auf Rang zwei. Gleichzeitig wird in kaum einem anderen Land weltweit so viel Altpapier gesammelt wie in Deutschland. Und genau dieser Faktor ist ausschlaggebend. Denn wer das Druckerzeugnis richtig entsorgt, der nutzt das hochtechnisierte Wertschöpfungspotenzial der Kreislauf- und Recyclingwirtschaft. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass seltener auf Primärrohstoffe zugegriffen werden muss. In Social-Media-Kreisen nennt man diese Art von Konsument „Prosument“. Er konsumiert Papiererzeugnisse und trägt (durch sachgemäße Altpapier-Mülltrennung) gleichzeitig dazu bei, dass die Rohstoff- und Produktlebenszyklen verlängert werden.

Ein aktiver Beitrag zum weltweiten Umweltschutz

Jedes Jahr vernichtet die klassische Papierproduktion weltweit 12 bis 15 Millionen Hektar Wald, eine Fläche etwa drei Mal so groß ist wie die Schweiz. Mit anderen Worten: Alle zwei Sekunden wird ein Stück Wald gerodet, das etwa der Größe eines Fußballfeldes entspricht. An diesem Beispiel wird klar, welche enorme Bedeutung dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zukommen muss. Direkte und dramatische Folgen für das Klima (Stichwort Treibhauseffekt) hat nicht nur die weltweite Waldrodung. Der Transport des Holzes aus tropischen Ländern in die ganze Welt verschlechtert die Ökobilanz zudem auf gravierende Weise.

 „Für das Recyclingpapier sprechen eine ganze Reihe von guten Gründen. Dazu gehört zum einen der Sachverhalt, dass für die Herstellung von Recyclingpapier erheblich weniger Wasser und erheblich weniger Energie als für die Herstellung von Frischfaserpapieren benötigt wird.“

Andreas Detzel, Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg

Unternehmen oder Privatpersonen, die auf Recyclingpapier setzen, können einen aktiven Beitrag zur Reduzierung dieser Umweltbelastungen leisten. Erstere tun dabei vor allem auch etwas für ihr Image als fortschrittlich denkendes und verantwortungsvolles Unternehmen. „Für das Recyclingpapier sprechen eine ganze Reihe von guten Gründen“, sagte Andreas Detzel, vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg, dem „Bayerischen Rundfunk“. „Dazu gehört zum einen der Sachverhalt, dass für die Herstellung von Recyclingpapier erheblich weniger Wasser und erheblich weniger Energie als für die Herstellung von Frischfaserpapieren benötigt wird.“ Die Energieersparnis beläuft sich laut IFEU auf bis zu 60 Prozent, die Wasserersparnis gar auf 70 Prozent. CO2-Emissionen werden außerdem gesenkt und weniger Abfall produziert. Ganz praktisch gesehen spart die Aufbereitung von sieben Blatt Recyclingpapier so viel Energie wie zum Kochen einer Tasse Kaffee benötigt wird. Der morgendliche Kaffee in der Arbeit dürfte vor diesem Hintergrund doch besser schmecken.

Keine Einbußen bei Qualität und Preis durch längere Produktlebenszyklen

Dass Recyclingpapiere gewöhnlichen Frischfaserpapieren qualitativ in nichts nachtstehen, ist vor allem der Errichtung modernster Altpapiersortier- und -aufbereitungsanlagen in den vergangenen Jahrzehnten zu verdanken. Durch diese wurde die Qualität des Recyclingpapiers deutlich erhöht. Vorbei sind die Zeiten, in denen graues Papier den Eindruck von Minderwertigkeit vermittelte oder zu dickes Recyclingpapier die Drucker verstopfte. Das Recyclingpapier von heute steht Frischfaserpapier qualitativ in nichts mehr nach und kann es obendrein auch preislich mit seinem antiquierten Konkurrenten aufnehmen. Die Argumente für das umweltfreundliche und hochwertige „Paper 4.0“ liegen auf der Hand.

Titelbild: Steinbeis Papier

 Quellen:
http://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten/
https://www.steinbeis-papier.de
https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/papier-altpapier-recycling-umwelt-100.html
http://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten/
https://www.blauer-engel.de/de/news-infos/kinder-schule/schulstart-mit-dem-blauen-engel/recyclingpapier

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Klaus E. Jopp

Klaus E. Jopp

Klaus E. Jopp ist PR- und Marketingfachmann, Buchautor und Blogger. Er schreibt zu den Bereichen Digitalisierung, Marketing 4.0, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Medizin. Dem gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen und philosophischen Aspekt der Themen gilt sein besonderes Interesse.

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