Saubere Absicherung

Papierhersteller nutzen Altpapier, Landwirte biologische Anbauverfahren, Energielieferanten Solarenergie – es gibt viele Wege, wie Unternehmen ihr Angebot nachhaltiger gestalten können. Doch was ist mit Versicherungen? Oftmals investieren diese in Kapitalanlagen, deren Rendite zwar hoch, aber deren Umweltverträglichkeit zweifelhaft ist. Dabei geht es auch nachhaltig: Im Interview berichtet Geschäftsführer Uwe Mahrt, was Pangaea Life anders macht als andere Versicherer.

Bei Recyclingpapier liegen die positiven Effekte für die Umwelt auf der Hand. Auch bei Ökostrom oder Bioprodukten lässt sich der Nachhaltigkeitsgedanke schnell nachvollziehen. Was aber macht eine Versicherung nachhaltig?

Die Vision unserer Marke Pangaea Life ist es, gemeinsam die Zukunft der Menschen und der Erde zu schützen. Das erreichen wir mit dem, was wir am besten können: absichern. In Deutschland basieren „grüne“ fondsgebundene Rentenversicherungen meist auf Öko-Publikumsfonds, die auch direkt an der Börse gekauft werden können. Diese grünen Fonds sind unserer Ansicht nach meist nur ein Kompromiss, da sich in diesen Portfolios auch Unternehmen finden, die strengen Nachhaltigkeitskriterien nicht standhalten können. Der Pangaea Life Fonds hingegen investiert die Anlagebeiträge nach den ESG-Kriterien direkt in konkrete Projekte zur regenerativen Energiegewinnung wie Wind- und Wasserkraft oder Photovoltaik. ESG steht für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, und beschreibt die Einbindung ökologischer und sozial-gesellschaftlicher Aspekte in unternehmerische Entscheidungen und Bewertungen. Da der Fonds direkt in erneuerbare Energien investiert, sind beispielsweise Atomenergie, Militärgüter, Glücksspiel, Massentierhaltung, Tierversuche, grüne Gentechnik und Pornografie zu 100 Prozent ausgeschlossen.

Bitte geben Sie uns ein paar Hintergrundinformationen zur Pangaea Life.

Bei der Pangaea Life handelt es sich um die nachhaltige Marke der Versicherungsgruppe die Bayerische, die bereits seit 1858 am Markt ist. Sie besteht aus den Gesellschaften Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. (Konzernmutter), Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG und der Sachgesellschaft Bayerische Beamten Versicherung AG. Die gesamten Beitragseinnahmen der Gruppe betragen rund 500 Millionen Euro. Die Gruppe steigert ihr Eigenkapital kontinuierlich und liegt dabei weit über dem Branchenschnitt. Es werden Kapitalanlagen von über 4,5 Milliarden Euro verwaltet. Mehr als 6.000 persönliche Berater stehen den Kunden der Bayerischen bundesweit zur Verfügung. Die Ratingagentur Assekurata hat der Neuen Bayerischen Leben in einer aktuellen umfangreichen Unternehmensanalyse erneut die Qualitätsnote A+ („sehr gut“) verliehen. 

Welche Versicherungsprodukte bieten Sie an, und was kennzeichnet deren Nachhaltigkeit?

Neben unserer Investment-Rente bieten wir eine grüne Haftpflicht- und Hausratversicherung sowie eine Kfz-Versicherung für Elektro- oder Hybridfahrzeuge an. Außerdem verfügt das Produktportfolio von Pangaea Life auch über eine Direktversicherung. Für die Kapitalanlagen gelten die gleichen ethischen, sozialen und ökologischen Anlagekriterien wie für den Pangaea Life Fonds. Zudem decken die Policen über die Standardabsicherung hinaus ab. Ein Beispiel ist im Rahmen der Pangaea Life Haftpflichtversicherung die Mitversicherung der gesetzlichen Haftpflicht aufgrund eines ökologischen oder sozialen Engagements.

Ein weiteres Beispiel ist unsere nachhaltige Hausratabsicherung: Müssen nach einem versicherten Schaden beschädigte Gegenstände wie Möbel, Haushaltsgegenstände oder Teppiche neu angeschafft werden, so ersetzen wir 20 Prozent mehr als in der klassischen Hausratversicherung, wenn die neu beschafften Objekte aus ökologisch fairer Herstellung stammen. Kunden erhalten damit eine höherwertige Ausstattung und setzen sich für Hersteller nachhaltiger Produkte ein.

Sie nennen auf Ihrer Homepage vier Kernpunkte für nachhaltiges Handeln und Denken: ökologische Verantwortung, ökonomische Verantwortung, gesellschaftlicher Standpunkt des Unternehmens und sozialer Standpunkt des Unternehmens. Was bedeuten diese Punkte, und wie positioniert sich Pangaea Life zu ihnen?

Mit unseren vier Kernpunkten für nachhaltiges Handeln und Denken verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Konkret bedeutet das für uns zum Beispiel, bei anstehenden Investitionsentscheidungen das Vorhaben in allen Facetten zu prüfen. Was ist, wenn das Investitionsprojekt ökologisch sinnvoll ist, in seinen Konsequenzen aber Menschen aus ihrer Heimat vertreibt oder ein zu hohes ökonomisches Risiko für unsere Kunden darstellt? Solche Beispiele sind leider keine Seltenheit. Statt lediglich Teilaspekte zu berücksichtigen – so wichtig sie auch sind – müssen uns auch die gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Aspekte eines Vorhabens überzeugen. Zudem ist Transparenz ein wichtiger Unternehmenswert für uns. Pangaea Life bezieht Stellung zu den zunehmend kritischen Fragen aus der Gesellschaft: Was geschieht mit meinem Geld? Womit werden die Gewinne des Unternehmens erwirtschaftet? Und wen unterstütze ich direkt oder indirekt mit meinem Vertragsabschluss? Wir investieren gezielt in sorgfältig ausgewählte Projekte und stehen Rede und Antwort zu den Hintergründen und Renditechancen. Auf unserer Webseite legen wir transparent offen, in welche Projekte wir investieren. Somit können sich Kunden völlig sicher sein, dass kein Cent ihrer Beiträge in ökologisch oder sozial fragwürdige Projekte fließt.

Auf Ihrer Internetseite finden sich in der Rubrik „Unsere Unterstützer“ zahlreiche Gleichgesinnte mit nachhaltigen Unternehmungen. Warum ist das Bilden von Netzwerken für Nachhaltigkeitsthemen besonders wichtig?

Im Bereich der nachhaltig agierenden Unternehmen tut sich gerade extrem viel. Wir erleben, wie sich in ganz unterschiedlichen Bereichen Menschen überlegen, mit ihrem Handeln etwas Gutes für das Klima und einen gesunden Planeten zu bewirken. Und das in Bereichen, die auf den ersten Blick oft wenig mit Nachhaltigkeit zu tun haben, wie wir als Versicherer selbst beweisen. Wir verfolgen das Motto: Zusammen sind wir stärker und können noch mehr bewegen. Deshalb vergrößern wir stetig unser Netzwerk und schließen Partnerschaften mit Unternehmen, die das gleiche Ziel verfolgen.

Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen sind manchmal etwas teurer als ihre „konventionellen“ Gegenstücke. Viele Verbraucher akzeptieren das und sind auch bereit, zugunsten der Umwelt (oder/und des eigenen Wohls) etwas tiefer in die Tasche zu greifen bzw. weniger Ertrag oder Zins zu bekommen. Wie ist das bei Ihren Produkten und Kunden?

Nachhaltigkeit muss nicht immer teurer sein. Gerade im Bereich der Altersvorsorge und angesichts der niedrigen Zinsen können nachhaltige Kapitalanlagen sogar höhere Renditechancen bieten als konventionelle. Bei der Pangaea Life Investment-Rente handelt es sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung, die die Erträge nachhaltiger Sachwertanlagen mit den Vorteilen einer lebenslangen Rente kombiniert. Hier ergänzen sich also Sicherheit, Solidität und Transparenz mit kompromisslosem Umweltbewusstsein.

Aber auch das anfangs beschriebene Kriterium einer starken Rendite wird erfüllt. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass eine Fokussierung auf Nachhaltigkeitskriterien keinen negativen Einfluss auf die Erträge haben muss. Im Gegenteil, die Margen von Windparks oder Photovoltaikanlagen steigen sogar kontinuierlich an, weil immer mehr Länder einen möglichst grünen Energie-Mix bevorzugen. Projekte erneuerbarer Energien werden daher häufig staatlich gefördert und subventioniert.

Seit Auflage des Fonds im September 2017 liegt die Rendite bereits bei 9,3 Prozent nach Fondskosten. Bezogen auf ein Jahr beträgt die Wertentwicklung rund fünf Prozent nach Fondskosten, was weit über dem aktuellen Zinsniveau liegt. Anders als bei Aktienfonds unterliegen die Fondserträge zudem nicht den hohen Schwankungen der Kapitalmärkte. Denn die Erträge der Anlagen sind über langjährige Stromabnahmeverträge abgesichert. Zudem entstehen bei Mitgliedern der Eurozone keine Währungsrisiken. Insgesamt ergibt sich dadurch eine hohe Prognostizierbarkeit der Erträge. Und auch die Kosten für die Fondsanlage überzeugen. Im Gegensatz zu den meisten Investmentfonds fällt kein Ausgabeaufschlag an, und die jährlichen Kosten betragen lediglich 1,18 Prozent.

Versuchen Sie neben dem Geschäftsmodell der nachhaltigen Versicherung auch den Arbeitsalltag bei Pangaea Life nachhaltiger zu gestalten?

Ja, definitiv. Wir haben hier inzwischen sogar schon eine ganze Menge angestoßen. Ein wichtiger Schritt, auf den wir sehr stolz sind: Die Bayerische und ihre nachhaltige Tochter Pangaea Life wirtschaften seit Kurzem zu 100 Prozent klimaneutral. Als klimaneutrales Unternehmen erfüllt die Bayerische die vom TÜV Nord zertifizierten und jährlich geprüften Standards zur Kompensation der verursachten Treibhausgasemissionen (entsprechend Standard TN-CC 020 „Calculation & Verification of Carbon Footprints & Carbon Neutrality“). Die Bayerische gleicht ihre CO2-Emissionen durch die Förderung besonders nachhaltiger, nach den strengen Anforderungen des UN-Klimaschutzsekretariats und denen des Gold Standards (GS) zertifizierter Projekte weltweit aus. Neben der Reduktion von Treibhausgasen in der Atmosphäre verbessern diese auch die Lebenssituation der Menschen vor Ort. Im Rahmen dessen unterstützen wir ein Projekt zum Schutz des Waldes in Kenia, ein Projekt zur Ökostromerzeugung aus Windenergie in der Türkei sowie ein Waldschutzprojekt in Malawi. Zudem werden wir durch die Investitionen des Pangaea Life Fonds künftig rund 3,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 einsparen können. In Kooperation mit dem Partner WeForest haben wir zudem bereits über 14.500 Bäume in von Abholzung bedrohten Regionen gepflanzt.

Auch im Arbeitsalltag stellen wir durch diverse Maßnahmen sicher, dass unser ökologischer Fußabdruck so klein wie möglich ausfällt: Wir unterstützen nachhaltige Mobilität und haben dazu auf unserem Firmengelände mehrere E-Tankstellen installiert. Außerdem setzen wir auf klimafreundlichen Ökostrom, verzichten auf Plastikverpackungen in unserem Kiosk und beziehen unsere Lebensmittel für unsere Kantine zum Teil aus regionaler und Bio-Produktion. Wir gewähren unseren Mitarbeitern bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel einen Fahrtkostenzuschuss, bieten Home-Office-Möglichkeiten an und schaffen dadurch Anreize, das Auto öfter mal stehen zu lassen. Außerdem ist unser Werbemittelhersteller zertifiziert und arbeitet klimaneutral. Bei alldem ist uns natürlich bewusst, dass wir noch lange nicht perfekt sind. Doch wer sich nicht auf den Weg macht, wird auch niemals am Ziel ankommen.

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Valerie Bachert

Valerie Bachert

Valerie Bachert ist Journalistin, Chefin vom Dienst und Nachhaltigkeits-Beauftragte. Ihr Interesse gilt den Bereichen ökologischer Landbau, bewusster Konsum, Artensterben, soziale Ungerechtigkeit und nachhaltige Ernährung.

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