Öko-Konsum und CO2-Konto. Verbraucher zwischen zwei Welten.

Der arme Diesel! Das schwarze Schaf des Straßenverkehrs. Er muss jetzt die CO2-Suppe auslöffeln, die Wirtschaft, Industrie und Verbraucher eingebrockt haben. Gebrandmarkt als grenzwertüberschreitender Luftverschmutzer gibt es für viele nur eine Lösung: Diesel-Fahrverbote, Nachrüstung und am besten aus dem Markt nehmen! Erneut werden die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr propagiert: Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel, auf energieeffiziente und mit E-Antriebssystemen ausgestattete Fahrzeuge, Fahrradfahren und Zufußgehen. Doch stopp: Das allein wäre zu kurz gegriffen, sollen die CO2-Emissionen, die aus dem privaten Konsum in den Kernbereichen „Wohnen, Mobilität und Ernährung“ resultieren, gesenkt werden.

Der Wille zur  ökologischen Sparsamkeit ist da: effiziente CO2-Hebel im Konsumverhalten.

Trotz nach wie vor hoher CO2-Emissionen engagieren sich sowohl die deutsche Wirtschaft als auch die Verbraucher für ökologische Lösungen. Nachhaltigkeit nimmt in Deutschland eine Spitzenposition ein. Milliardensummen fließen pro Jahr in den Öko-Konsum. Bereits 2014 waren es laut Umweltbundesamt über 50 Mrd. Euro. Bei Konsumentinnen und Konsumenten lässt sich in den Kernbereichen „Wohnen, Mobilität und Ernährung“ ein zunehmendes Öko-Bewusstsein ablesen. Konsumentscheidungen fallen häufig zugunsten von Produkten aus, die einen ökologischen Mehrwert bieten. Ein Großteil grüner Investitionen privater Haushalte geht in die energetische Sanierung und in energieeffizientes Wohnen. Die Ausgaben für nachhaltige Mobilität belaufen sich auf rund 15 Mrd. Euro. Die Förderung nachhaltigen Konsums ist auch ein Anliegen der Bundesregierung. Sie hat für die von der UN beschlossene Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung am 24.2.2016 ein „Nationales Programm für nachhaltigen Konsum“ verabschiedet. Es sollen Indikatoren
und Benchmarks zu den Wirkungen des Konsums sowie zur besseren Messbarkeit von Änderungen im Konsumverhalten erarbeitet und umgesetzt werden.

Grünes Glück versus ressourcenintensive Wirklichkeit – Zahlen und Fakten

Dass Verbraucher ein zentrales Modul in der nachhaltigen Entwicklung sind, zeigen die Zahlen. Über 72 Prozent der Konsumausgaben und 80 Prozent der CO2-Emissionen des privaten Konsums fallen in den drei Konsumbereichen „Wohnen, Mobilität und Ernährung“ an (Statistisches Bundesamt 2017a und Statistisches Bundesamt 2017c). Die Tendenz nimmt zu, dass Verbraucher in diesen drei Bereichen die Stellschrauben sehen, um ihre CO2-Bilanz zu verbessern. Mit nachweisbarer Wirkung. Die Treibhausgasemissionen des privaten Konsums konnten um 50 Prozent gesenkt werden. Allerdings ist die Energieerzeugung immer noch für 39 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich – 86 Prozent der Heizanlagen in Deutschland nutzen weiterhin fossile Brennstoffe (Öl und Gas). Demgegenüber ist der Anteil der erneuerbaren Energie am gesamten Bruttostromverbrauch von 20,3 Prozent auf 31,6 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2015 angestiegen.

Die Tendenz nimmt zu, dass Verbraucher in den Bereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung die Stellschrauben sehen, um ihre CO2-Bilanz zu verbessern.

Foto: iStock

E-Mobilität – noch ein langer Weg

Der Bereich Mobilität verbucht rund 26 Prozent des CO2-Ausstoßes. Die Forcierung der E-Mobilität ist verständlich. Doch die Mobilitätsgewohnheiten verändern sich nur langsam. Der motorisierte Individualverkehr wird nach wie vor präferiert, und die Marktanteile im öffentlichen Verkehr sind seit 2009 unverändert. Hier braucht es scheinbar noch einen langen Atem, bis Verbraucher sich mit alternativen Mobilitätskonzepten identifiziert haben und ihr Kaufverhalten ändern.

Bio-Boom mit Einschränkungen

15 Prozent der CO2-Emissionen verbucht der Bereich Ernährung (Essen und Trinken) für sich. Der CO2-Ausstoß entsteht u.a. beim Anbau, bei der Aufzucht sowie bei der Verarbeitung, dem Transport und der Entsorgung durch Nahrungsmittelabfälle. Wie das Umweltbundesamt feststellt, ließen sich 35 Prozent der Treibhausgasemissionen reduzieren, stellten die Verbraucher einfach auf eine vegetarische Ernährung um. Eine Senkung um 18 Prozent würde durch den Konsum von biologisch produzierten Nahrungsmitteln erzielt werden. Viele Verbraucher scheinen sich das zu Herzen genommen zu haben. Bio-Produkte erlebten in den vergangenen Jahren einen Boom. Gemeinsam mit dem Trend der gesunden Ernährung und eines zunehmend aktiven, sportlichen Lebensstils nahm auch die Zahl der Vegetarier zu und beläuft sich laut dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hierzulande auf mittlerweile zehn Prozent. Die Marktanteile von Bioprodukten sind trotz der positiven Entwicklung noch relativ bescheiden. Hier ist sicherlich auch mit weiteren Initiativen und Impulsen seitens des Regierungsprogrammes zur Förderung des nachhaltigen Konsums zu rechnen.

Foto: iStock

Verkaufstreiber Umweltlabel – der Blaue Engel

Umweltlabel wie der Blaue Engel erweisen sich als wichtige Orientierungshilfe und Kaufentscheidungskriterium für Verbraucher. Die Umweltverbesserungen und der ökologische Mehrwert sind darüber für den Konsumenten schneller und besser sichtbar. Rund 75 Prozent der mit dem Blauen Engel ausgezeichneten Produkte entfallen auf Drucker und Multifunktionsgeräte, auf Papierprodukte, Farben und Lacke. Bundesbehörden gehen beim Produkt „Drucker- und Kopierpapiere“ mit gutem Beispiel voran. Der Einsatz von Recycling-Druckerpapieren mit dem Blauen Engel liegt bei 90 Prozent und soll auf 95 Prozent gesteigert werden. Auch bei Kommunen ist Recyclingpapier mit dem Blauen Engel aufgrund seiner nachhaltigen Produktion und Verbesserung der kommunalen CO2-Bilanz überwiegend im Einsatz. Initiativen wie der „Papieratlas“ und „Grüner beschaffen“ oder auch der „Deutsche Nachhaltigkeitspreis“ tragen zur nachhaltigen Entwicklung in der Wirtschaft und der zunehmenden Recyclingpapieraffinität bei Behörden und Kommunen bei. Europas führende Hersteller für Drucker- und Kopiersysteme fördern darüber hinaus auf europäischer Ebene den Einsatz von Recyclingpapier als Leitmedium bei Druckanwendungen.

Bundesbehörden gehen beim Produkt Drucker- und Kopierpapiere mit gutem Beispiel voran. Der Einsatz von Recycling-Druckerpapieren mit dem Blauen Engel liegt bei 90 Prozent und soll auf 95 Prozent gesteigert werden.

Recyclingpapier – Hightech-Produkt mit besten CO2-Werten

Während bei der Interpretation der Ökobilanz elektrisch angetriebener Fahrzeuge die Meinungen bei Experten noch auseinander gehen, ist der Fall bei Recyclingpapier aus 100 Prozent Altpapier eindeutig. Hersteller mit einer 100%igen nachhaltigen Produktion erzielen beste ökologische Einspareffekte bei CO2, Energie- und Wasserverbrauch sowie Rohstoffverwendung. Konsumentinnen und Konsumenten, die gegenüber Umweltschutz und nachhaltigen Produkten aufgeschlossen sind, können mit der Verwendung von Blauer-Engel-Recyclingpapier den Carbon Footprint senken. Ohne große Investitionskosten, ohne Qualitätsabstriche. Denn Recyclingpapier der neuen, nachhaltigen Generation sind Hightech-Produkte und kosteneffizient.

Foto: Steinbeis Papier

Blauer-Engel-Recyclingpapier – Vorbild Bundesbehörden

Wenn laut einer forsa-Studie bei 42 Prozent der Befragten, die ein Elektroauto besitzen oder sich eines kaufen wollen, die Vorbildwirkung auf andere ausschlaggebend ist, sollte die Vorbildfunktion von Kommunen und Bundesbehörden bezüglich Recyclingpapier es erst recht sein. Vor allem, weil sein Einsatz keine langen politischen Wege gehen muss. Man stelle sich vor: Wenn der Pro-Kopf-Papierverbrauch in Deutschland von rund 245 Kilo pro Jahr zum Großteil aus Recyclingpapier bestände, welche positiven Auswirkungen das auf die CO2-Bilanz hätte. Und auf den Ressourcenschutz?! Im Gegensatz zu herkömmlichen Papieren mit einem hohen Frischfaseranteil, wird Blauer-Engel-Recyclingpapier zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt (Haushaltssammelware). Wer bereit ist, die Umwelt zu schonen, der sollte im Büroalltag auf recycelbare Multifunktionspapiere zurückgreifen. Neben dem Öffentlichen Sektor stellen auch die Landeskirchen beim Drucker- und Kopierpapier vermehrt auf Nachhaltige Produkte um (siehe www.kleine-kniffe.de).

Hohe Recyclingpapierquote – Landesregierung Schleswig-Holstein

Die Landesverwaltung von Schleswig-Holstein geht ebenfalls mit gutem Beispiel voran und verwendet zu 92 Prozent hochwertiges Recyclingpapier. Sie steigerte die Quote in der Landesverwaltung binnen eines Jahres von 58 auf 92 Prozent. Landesfinanzministerin Monika Heinold besuchte das Werk von Steinbeis Papier in Glückstadt und überzeugte sich persönlich von der nachhaltigen Produktion des umweltschonenden Papiers. Sie lobte vor allem die niedrigeren Kosten für ihre Regierung. Jährlich konnte das Land dadurch bereits jetzt 250.00 Euro sparen.

Produktlebenszyklus nachhaltiger Druckerpapiere

In die CO2-Betrachtung fließt auch ein, woher ein Produkt kommt, wie es hergestellt und geliefert wird, wie es im Kreislauf wiederverwertet wird. Der Produktlebenszyklus von Recyclingpapier nimmt eine Ausnahmestellung ein. Die Recyclingfasern lassen sich bis zu zehn Mal für die Herstellung frischer Qualitätspapiere wiederverwerten. Die nachhaltige Beschaffungs- und Produktionskette erzielt signifikante Einsparwerte beim CO2-Ausstoß, beim Wasser- und Energieverbrauch sowie der Schonung natürlicher Rohstoffe gegenüber der Herstellung traditioneller Produkte auf Frischfaserbasis. Bei der Wiederaufbereitung des Papiers kommen weder Chlor noch andere gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz. Unternehmen können durch die Verwendung von Recycling-Papier mit dem Blauen Engel ihre Umweltbilanz und damit ihr CSR-Image stärken – und bilden gemeinsam mit ihren Mitarbeitern einen wichtigen und unmittelbaren Teil einer nachhaltigen Konsumentenkette. Letztlich kann jeder Verbraucher zu einem guten CO2-Klima beitragen – durch die einfache Umstellung auf Recyclingpapier.

Titelfoto: iStock

Quellen:

Aktuelle forsa-Studie: Elektroautos haben das Zeug zum Statussymbol, unter: https://www.cosmosdirekt.de/veroeffentlichungen/elektromobilitaet-52532/
Bay, Lukas: „Die umstrittene Klimabilanz des Elektroautos“, unter: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/co2-belastung-die-umstrittene-klimabilanz-des-elektroautos/20018160.html
Das Magazin für nachhaltige Beschaffung in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen, unter: https://kleine-kniffe.de/
Deutscher Nachhaltigkeitspreis, unter: https://www.nachhaltigkeitspreis.de/
Donath, Andreas: „Elektroautos sollen klimafreundlicher als Verbrenner sein“, unter: https://www.golem.de/news/co2-ausstoss-elektroautos-sollen-klimafreundlicher-als-verbrenner-sein-1802-132707.html
Grüner Beschaffen, unter: http://www.gruener-beschaffen.de/
Landesverwaltung verwendet fast nur noch Recyclingpapier, unter: https://www.shz.de/regionales/newsticker-nord/landesverwaltung-verwendet-fast-nur-noch-recyclingpapier-id19611756.html
Orange by handelsblatt: „Ist Mülltrennung in Wahrheit für die Tonne? Wir machen den Faktencheck!“, unter: https://orange.handelsblatt.com/artikel/39128
Papieratlas, unter: http://www.papieratlas.de/
„Ressourcen für 2018 bereits verbraucht“, unter: https://www.tagesschau.de/inland/ressourcen-verbrauch-101.html
Schäfer, Madlne: „Große Abzocke? Warum Druckerpatronen so viel kosten“, unter: https://www.techbook.de/easylife/grosse-abzocke-warum-druckerpatronen-so-viel-kosten
Umweltbundesamt: „Grüne Produkte: Marktzahlen“, unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/konsum-produkte/gruene-produkte-marktzahlen

WIE BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL?
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 votes, average: 4.00 out of 5)
Loading...
Klaus E. Jopp

Klaus E. Jopp

Klaus E. Jopp ist PR- und Marketingfachmann, Buchautor und Blogger. Er schreibt zu den Bereichen Digitalisierung, Marketing 4.0, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Medizin. Dem gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen und philosophischen Aspekt der Themen gilt sein besonderes Interesse.

THEMENVERWANDTE ARTIKEL

Das Klima isst mit

Beim privaten Einkauf achten viele Konsumenten auf saisonal, regional und fair produzierte Waren. Das lässt sich ohne Weiteres auch auf die Zutaten des Caterings in Unternehmen übertragen. Ein umweltbewusstes Catering fängt bei den servierten Lebensmitteln an.

WAS SAGEN SIE ZU DIESEM THEMA?
DISKUTIEREN SIE MIT!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

HIER BLOGT
UNSERE REDAKTION
ALLE AUTOREN

Isabella Bigler
Ulrich Feuersinger
Valerie Bachert
Mailin Rahna
Sandra Staub
Klaus E. Jopp
Veronika Warmers