Sechs smarte Helfer

Reisebuchung, Kontoverwaltung, Fitness-Tracking – wer ein Smartphone sein eigen nennt, trägt inzwischen sein ganzes Leben kompakt in der Hosentasche. Apps machen es möglich. Es wundert also kaum, dass eine gute App auch dabei helfen kann, den Alltag nachhaltiger zu gestalten, Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Wir stellen sechs Helferlein vor, die dafür sorgen, dass wir unseren kleinen Beitrag zum großen Ganzen leisten.

Sharing is caring

Egal ob Restaurants, Kantinen, Supermärkte oder Bäckereien – sie alle müssen möglichst gut die Nachfrage kalkulieren, damit keine Lebensmittelüberschüsse entstehen. Doch diese Rechnung ist nicht leicht, und so landen noch immer viel zu viele Lebensmittel im Müll.

Jede:r kann einen Beitrag dazu leisten, der Lebensmittelverschwendung ein Ende zu setzen. Einen möglichen Weg beschreitet Too Good To Go – der weltweit größte B2C-Marktplatz für überschüssige Lebensmittel. Hier werden hungrige Nutzer:innen mit Betrieben vernetzt, die überschüssige Lebensmittel haben, damit das Essen dort landet, wo es hingehört: auf dem Teller. Die Nutzer:innen erhalten köstliche Essenspakete zu einem Preis von 3 bis 5 Euro, die Betriebe erreichen neue Kundinnen und Kunden, machen ihre Überschüsse zu Einnahmen und schonen gleichzeitig die Umwelt – eine Win-win-win-Situation! Auf diesem Wege wurden bereits 7,6 Millionen Essensportionen gerettet, die sonst in der Tonne gelandet werden. Aktuell sind mehr als 7.400 Cafés, Restaurants, Supermärkte, Bäckereien und Hotels beteiligt. Keine Lust, nach der Arbeit noch zu kochen? Da die Überraschungstüten meist kurz vor Ladenschluss auf der Plattform von Too Good To Go eingestellt werden, lohnt sich besonders dann ein Blick in die App. 

Fotos: Too Good To Go

Energize sustainable

Was haben Schreibtischlampe, Fernseher, Handy, Heizung und Herd gemein? Sie alle brauchen Energie. Doch wie viel eigentlich? Meist beschäftigen wir uns mit dem Energieverbrauch unserer Geräte erst dann, wenn es um Kosten geht. Dann, wenn die Stromrechnung auf einmal überraschend hoch ausfällt oder wir uns bei der Anschaffung eines Neugeräts entscheiden müssen zwischen A und B. Doch es steckt eine Menge Potenzial für einen nachhaltigen Wandel in unserem Energieverbrauch.

So sparen laut co2online Nutzer:innen der App EnergieCheck mehr als doppelt so viel Energie als der Bundesdurchschnitt. Ermöglicht wird das durch ein persönliches Energiesparkonto. Das Herzstück der App ist in wenigen Sekunden eingerichtet. Hier können Nutzer:innen den Energieverbrauch für verschiedenste Lebensbereiche wie Strom, Wärme, Wasser und Mobilität erfassen. Durch das Eintragen der Verbrauchswerte aus den letzten Stromabrechnungen können Nutzer:innen einen Überblick über ihren Stromverbrauch der vergangenen Jahre gewinnen. Besonders interessant ist das etwa, wenn in der Zwischenzeit neue Haushaltsgeräte angeschafft wurden. Über das Pluszeichen können so viele Zählerstände ergänzt werden, wie gewünscht ist. Schönes Goodie: iOS-Nutzer:innen können das auch per Scan, Spracheingabe oder über ein Drehrädchen erledigen. So geht das Einspeichern besonders schnell und komfortabel. Wer den Zählerstand monatlich einträgt, hat den Stromverbrauch immer im Blick und muss keine Angst vor der jährlichen Rechnung haben.

End Fast Fashion

12 oder besser noch 24 Kollektionen pro Jahr – in den 50ern noch undenkbar, ist die schnelle Mode heute beliebte Strategie großer Labels. Mit dem Aufgreifen von kurzlebigen Trends versuchen Modehäuser ihren Umsatz zu steigern und die Kundinnen und Kunden bei der Stange zu halten. Diese sogenannte Fast Fashion steht für billig produzierte Ware, die kaum hergestellt auch schon wieder im Müll landet. Diese Konsumspirale der westlichen Welt geht zulasten der Textilarbeiterinnen und -arbeiter in Entwicklungsländern, der Umwelt und des Tierwohls.

Ein wichtiger Schritt, um sich dem zu entziehen, ist ein bewussterer Konsum. Das bedeutet, weniger und dafür gezielter das zu kaufen, was wirklich gebraucht wird und nachhaltig sowie fair produziert wurde – egal ob Business-Outfit oder Bikini. Eine App, die dabei hilft, ist good on you. Hier können Nutzer:innen Modelabels genauer unter die Lupe nehmen und neue Marken entdecken. Good on you zeigt, wie Hersteller in Bezug auf die Kategorien Umwelt, Arbeitsbedingungen und Tierwohl bewertet werden können. So können Nutzer:innen schnell abgleichen, ob sich die Markenwerte mit den eigenen Vorstellungen decken und sie die Marke durch einen Kauf unterstützen wollen. Das geht noch nicht so richtig zusammen? Good on you schlägt im passenden Preissegment Labels mit besseren Ratings vor. Wer ein bisschen Lust auf Stöbern hat, kann außerdem neue Brands entdecken. Das Entwicklungsteam ist dabei sichtlich um Transparenz bemüht: Der Bewertungsleitfaden von good on you kann online heruntergeladen werden. Auf der Startseite wird tagesaktuell über Fair-Fashion-Themen informiert. Damit bietet good on you ein Rundum-Wohlfühlpaket zum Thema Fair Fashion.

Fotos: good on you, Wesley McLachlan/Unsplash
Start all over again 

Der Versand von Waren braucht Verpackungen. Doch die Herstellung jeder Verpackung ist mit Umweltbelastungen verbunden. Hinzu kommt: Trotz der anhaltenden Debatten rund um Nachhaltigkeit und Umweltschutz landen viele Bestellungen noch immer in viel zu großen Kartons, die wiederum nur einmal verwendet werden. 

Genau da setzt die App repacket des Unternehmens Grüne Projektmanufaktur an. Die Entwickler:innen wollen Kartons eine zweite Chance geben und sehen gar nicht ein, warum das wertvolle Verpackungsmaterial ständig neu gekauft wird, wenn die Materialbeschaffenheit eine mehrmalige Nutzung erlaubt. Die Idee: Personen, die viele Kartons haben, mit denen vernetzen, die welche brauchen. Wer bisher den Kartonage-Überschuss im Papiermüll entsorgt hat, kann mittels der repacket-App eine:n Händler:in in der Nähe finden und den Karton zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit dort vorbeibringen. Die registrierten Händler:innen freuen sich über den kostenlosen Secondhand-Karton, und die Umwelt freut sich, dass jemand an sie denkt.

Fotos: cottonbro/Pexels

Get to know each other

Für Konsument:innen ist es beim Einkauf nicht immer leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Blauer Engel, Demeter, Pro Weideland, Fairtrade – Kennzeichnungen wie diese sollen dabei helfen und eine Übersicht bringen, doch wer kennt sie schon alle? Vor allem die Unterschiede zwischen ihnen sind selten klar. 

Damit die kleinen Symbole im Nu entschlüsselt werden können, gibt es deshalb vom NABU die passende App: Siegel-Check. Einfach die Kennzeichnung mit dem Smartphone fotografieren, kurz abwarten und schon zeigt die App ausführliche Informationen an. Jede Kennzeichnung wird nach dem Ampelsystem bewertet, sodass Nutzer:innen schnell erkennen können, wie sich das Siegel im Vergleich zu anderen in Sachen Nachhaltigkeit schlägt. Ein grüner Daumen steht für ein aus ökologischen Gesichtspunkten empfehlenswertes Produkt, ein gelber Daumen deutet auf ein gutes Produkt hin, bei dem der Umweltvorteil aber besser ausfallen könnte, und ein roter Daumen signalisiert, dass es sich um keine umweltfreundliche Ware handelt. Kennzeichnungen, die nichts über den Umweltvorteil eines Produktes aussagen, aber dennoch im Lebensmittelbereich zu finden sind, haben eine neutrale Wertung. Für Nutzer:innen, die es genauer wissen wollen, wird im Detail erklärt, welche Auswirkungen ein Produkt mit einer bestimmten Kennzeichnung auf Umwelt, Klima und Natur hat. Außerdem können in der Galerieansicht Nutzer:innen auch selbst nach Siegeln suchen oder in Produktkategorien nach vertrauenswürdigen Logos stöbern. 

A new way of mobility

Von Potsdam nach Berlin, von Prag nach Istanbul, von Peru nach Israel – Flugzeuge und Autos machen Individualreisen so bequem und einfach wie noch nie, egal ob beruflich oder privat. Gleichzeitig verursacht der Verkehr jedoch die größten Klimasünden weltweit. Wer also den eigenen ökologischen Fußabdruck minimieren möchte, kann auf nachhaltige Alternativen umsteigen.

Natürlich kommt man mit dem Fahrrad nur schwer bis New York, doch gerade für Kurzstrecken gibt es nur wenig Argumente, die gegen das Fahrrad sprechen. Doch gerade diejenigen, die viel im Stadtverkehr unterwegs sind, wählen ihr Verkehrsmittel je nach Lust und Wetter und haben ihr Fahrrad nicht immer in der Nähe. Da helfen die vielen Bikesharing-Dienste. Europäischer Marktführer ist nextbike. Der Download der Bikesharing-App und die Registrierung sind kostenlos. Über die Standortsuche wird dann das nächstgelegene Bike ermittelt. Eine Fahrt kostet jeweils 1 Euro pro angefangener halber Stunde. Alternativ ist der Abschluss eines Abos möglich, welches monatlich 10 Euro kostet. Wer mit Freund:innen oder Kolleg:innen unterwegs ist, kann bis zu vier Fahrräder über dasselbe Konto buchen. In zahlreichen Städten stehen neben Fahrrädern auch E-Bikes oder E-Scooter zur Auswahl. 

Fotos: nextbike GmbH

Es gibt noch so viele andere gute Apps, die uns auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebenswandel unterstützen können. Der beste Weg, um herauszufinden, was zum eigenen Lebensstil und den eigenen Vorstellungen passt? Trial and error! 

Titelbild: cottonbro/Pexels

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Valerie Bachert

Valerie Bachert ist Redakteurin, Projektmanagerin und Chefin vom Dienst. Sie leitet eine Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe. Und sie liebt ihren Garten. Hier schreibt sie unter anderem über nachhaltige Lebensweise und Ernährung sowie den bewussten Umgang mit Ressourcen.

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