Die Häuslebauerin mit Nachhaltigkeitsanspruch

Mailin Rahna arbeitet seit fast zehn Jahren für Steinbeis. Das Konzept der Nachhaltigkeit beim Papierhersteller in Glückstadt lebt und vertritt die 30-Jährige aber nicht nur am Arbeitsplatz. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten hat sie sich im letzten Jahr den Traum vom ökologisch nachhaltigen Haus erfüllt. Im Gespräch verrät die Key Account Managerin neben ihrem Werdegang bei Steinbeis, was bei der Planung und Umsetzung eines alternativen Hausbaus zu beachten ist.

Wie ausschlaggebend war die ökologisch nachhaltige Ausrichtung von Steinbeis bei Ihrer Arbeitgeberwahl?

Ein Unternehmen, das sich das Thema Nachhaltigkeit nicht nur auf die Fahne schreibt, sondern auch aktiv danach handelt – für mich war das ein wichtiger Grund, mich hier zu bewerben. Neben der ökologischen Ausrichtung spielte aber auch der Standort eine Rolle. Ich komme aus der Region und habe bei einer Berufsmesse einen sehr guten Eindruck von Steinbeis erhalten.

Was überzeugt Sie in ökologischer Hinsicht bei Steinbeis?

Steinbeis hat sich als weltweit erstes Unternehmen getraut, auf 100 Prozent Recyclingpapier umzustellen – und das bereits 1976. Seitdem entsteht in Glückstadt aus dem Abfallprodukt Altpapier  ein neues hochwertiges Produkt. So werden wertvolle Ressourcen wie Wasser und Holz eingespart. Hinzu kommt ein verhältnismäßig geringer CO2-Ausstoß im Produktionszyklus. Das Unternehmen tut einiges, um den Planeten ein kleines bisschen grüner und gerechter zu machen.

Welche Aufgaben verantworten Sie bei Steinbeis?

Ich arbeite im Vertrieb im Bereich Büropapiere und betreue unsere Endkunden und Zwischenhändler. Meine Motivation ist der Erfolg beim Kunden. Wenn ich ihn von unserem nachhaltigen Büropapier überzeugen konnte – von einem Frischfaserpapier auf ein Recyclingpapier mit dem Blauen Engel aus dem Hause Steinbeis umzustellen.

Wie sieht Ihr Arbeitstalltag aus?

Der gestaltet sich recht abwechslungsreich, da ich vor allem im Außendienst tätig bin. Dann bin ich für Kundenbesuche und Messen in ganz Deutschland unterwegs. Ansonsten empfange ich auch Kunden hier in Glückstadt und arrangiere Werksbesichtigungen. Es sind aber auch ganz klassische Bürotage dabei, an denen ich viel telefoniere, meine Besuche vor- und nachbereite und meine nächsten Dienstreisen plane.

Wie hat alles für Sie bei Steinbeis angefangen?

Im August 2010 startete ich mit einem dualen Studium bei Steinbeis. Im Frühjahr 2014 habe ich dann meinen Bachelor in Kooperation mit der Nordakademie im nahegelegenen Elmshorn gemacht. Schon während des Studiums wurde mir klar, dass ich in jedem Fall im Vertrieb bei Steinbeis arbeiten will. Ich habe zunächst im Innendienst angefangen und dort die Aufträge der Magazinpapierkunden bearbeitet. Im Frühjahr 2015 ergab sich für mich die Chance, in den Außendienst und den Vertrieb für unsere Büropapiere zu wechseln.

Hat Steinbeis Sie auch privat zu einem ökologisch, nachhaltigen Lebensstil inspiriert?

Nachhaltigkeit im privaten Alltag ist auch, aber nicht nur meiner Arbeit bei Steinbeis geschuldet. Mein Partner und ich sind beide auf dem Land groß geworden. Wir haben Familie und Freunde mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Daher rührt unser Bewusstsein für eine ökologisch verträgliche Lebensweise. Diese Haltung hat sich dann auch bei der Planung und dem Bau unseres Hauses manifestiert.

Sie haben also auch ökologisch, nachhaltig gebaut?

Ja, das war uns bei einem Projekt dieser Größenordnung eine Herzensangelegenheit. Wir haben uns ganz intensiv informiert und tatsächlich mehr Zeit in die Planung gesteckt als die bauliche Umsetzung letzten Endes gedauert hat. Es sollte ein Haus für die Ewigkeit werden. Und von Beginn an war klar, dass dort nachhaltige Lösungen verbaut werden.

Welche Möglichkeiten standen hier zur Auswahl?

Grundsätzlich: Es geht immer nachhaltiger. Wir hätten uns auch für ein Passivhaus mit noch höherer Wärmedämmung und ohne wassergeführte Gebäudeheizung entscheiden können. Dann ist man aber nicht so flexibel bei der individuellen Ausgestaltung. Wir haben uns beispielsweise bewusst für ein Reetdach entschieden. Das wäre bei der Wahl eines Passivhauses nicht möglich gewesen. Und wir mussten uns auch immer die Kosten-Nutzen-Frage stellen: Wie viel Geld investiere ich in das Haus? Erfüllt es den Nutzen, der für mich wichtig ist?
Solarenergie und Photovoltaik sind ebenfalls gängige Optionen zur alternativen Energiegewinnung. Diese kollidierten dann aber mit unserem Wunsch von einem Reetdach. Verschiedene Dämmmaterialien, Ausführungen von Fenstern und Türen – es gibt vielfältige Optionen, und wir haben uns wirklich alle angeschaut und dann entschieden, was für uns das Beste ist. Uns war es in erster Linie wichtig, keine fossilen Energieträger zu nutzen. So sind wir schnell auf das Thema Erdwärme gekommen.

Und wie funktioniert das mit der Erdwärme?

Eine Wärmepumpe nutzt die thermische Energie, die in der Erde gespeichert ist und sorgt für wohlige Wärme in unserem Zuhause. Zwar fallen die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonde im Verhältnis recht hoch aus und sie verbraucht Strom, jedoch wird die Anlage völlig CO2-frei betrieben, verursacht nur sehr geringe Heizkosten und wird staatlich gefördert. Und im Sommer wird unser Haus mithilfe der Wärmepumpe über die Wasserleitungen des Heizungssystems sogar gekühlt.

Warum haben Sie sich für ein nachhaltiges Haus im klassischen ländlichen Stil entschieden?

Es war schon immer unser Traum ein Haus mit Reetdach zu bauen. Zudem fügt es sich perfekt in die Umgebung ein, die von Reet gedeckten Häusern geprägt ist. Diese Dachvariante ist zwar deutlich preisintensiver als eine herkömmliche, doch bietet sie auch viele Vorteile: Zum einen hat ein Reetdach stark isolierende Eigenschaften und bildet so einen ökologischen Klimahaushalt. Im Sommer hält es kühl und im Winter warm. Entgegen dem weitverbreiteten Irrglauben hält ein Reetdach mehr als 40 Jahre, und damit so lange wie ein herkömmliches Pfannendach. Zudem besteht es aus einem nachwachsenden Rohstoff.

Gibt es große Preisunterschiede zwischen konventionellen und ökologischen Baustoffen?

Reet ist definitiv teurer. Bei den hybriden Baustoffen würde ich das nicht so unterschreiben. Es gibt beispielsweise zahlreiche verschiedene Dämmmaterialien wie Holzfaser, Kork oder Zellulose. Wir haben uns für eine klassische Mineralwolle entschieden, die aber mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Es handelt sich dabei um einen emissionsarmen Wärmedämmstoff, der über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus schadstoffarm produziert wurde und gesundheitsunbedenklich ist. Energieaufwand in der Herstellung, Transportwege und chemische Zusätze machen den ökologischen Mehrwert von manchen Materialien wieder zunichte. Auf den ersten Blick sind die verschiedenen Komponenten vielleicht nicht so preiswert, aber mittel- und langfristig sehr lohnenswert – sowohl in ökologischer aus auch finanzieller Hinsicht.

Was empfehlen Sie anderen, die sich für einen nachhaltigen Hausbau entscheiden?

Man sollte sich intensiv über die verschiedenen Optionen informieren und sich gut überlegen, was einem wichtig ist. Smart Home-Komponenten sind auch eine Möglichkeit viel Energie zu sparen. Wir haben elektrische Rollläden, die je nach Sonnenstand und Raumtemperatur öffnen und schließen. Elektrische Thermostate, die die Temperatur je nach Bedarf regulieren. Eine aktive Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für noch mehr Heizeffizienz. All diese Smart Home-Features tragen auch dazu bei, den Alltag entspannter zu gestalten.

Wie leben Sie ökologische Nachhaltigkeit im Alltag?

Wir wohnen auf dem Land, deshalb ist das Autofahren für uns unvermeidlich. In der nächsten Kleinstadt haben wir aber gute Bahnanbindungen in Richtung Hamburg und Kiel, die wir regelmäßig nutzen. Unseren Fleischkonsum haben wir deutlich reduziert und setzen dahingehend vor allem auf Qualität und Regionalität. Wir verzichten – soweit möglich – auf Plastik. Und wir nutzen Haushaltsprodukte, die ausschließlich mit dem Blauen Engel zertifiziert sind. Diese Angewohnheit ist dann auch dem Einfluss von Steinbeis geschuldet.

Welche ökologisch nachhaltigen Projekte wollen Sie noch umsetzen?

Als nächstes geht es bei uns an die Gartenplanung. Wir wollen alles insektenfreundlich gestalten und vor allem heimische Gewächse pflanzen, da wir in einem Landschaftsschutzgebiet wohnen. Durch den Hausbau wurde die entsprechende Naturfläche versiegelt. Jetzt ist uns daran gelegen, neuen Lebensraum für Flora und Fauna zu schaffen.

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Benjamin Seibring

Benjamin Seibring ist Redakteur für die Bereiche Lifestyle und Mobilität. Er interessiert sich zudem für Kulturthemen mit den Schwerpunkten Musik, Film und Medienanalyse.

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