Minimalismus – wenn weniger mehr ist

Berge an Klamotten, überquellende Schubladen und vollgestellte Ecken – über die Jahre kann sich zu Hause einiges ansammeln. Viele verlieren den Überblick darüber, was sie alles an materiellen Dingen besitzen. Wir geben fünf Tipps für einen minimalistischen Lebensstil.

Nein, um minimalistisch zu leben, ist es nicht zwingend notwendig, so viele materielle Dinge wie möglich loszuwerden. Vielmehr geht es darum, bewusst auf materielle Dinge zu verzichten, aufmerksam zu konsumieren und Platz für das wirklich Notwendige zu schaffen. Es ist die Reduktion auf ein Wesentliches, wie man es auch aus den gleichnamigen Konzepten der Architektur oder der Kunst kennt. Denn im Überfluss der Dinge geht der Blick für das Wesentliche schnell verloren. Menschen, die minimalistisch leben, sind überzeugt, dass man mit wenig materiellem Besitz glücklicher wird. Je weniger man besitzt, desto weniger muss man sich kümmern. Die Wäscheberge werden kleiner, nicht vorhandene Deko muss nicht abgestaubt werden und die Entscheidung über die Outfitwahl fällt leichter.

Schon Diogenes lebte minimalistisch

Die Idee eines einfachen Lebens ist als Alternative zum Dauerkonsum in den vergangenen Jahren zu einem Trend geworden. Dabei reichen die Ursprünge des Minimalismus bis in die Antike. Ungefähr 400 Jahre vor Christus lebte der Philosoph Diogenes von Sinope bewusst mit wenig Besitz. Alles, was er bei sich hatte, war ein Fass, in dem er schlief, einen Rucksack, Mantel und einen Stock. Auf die Frage von Alexander dem Großen, was er sich wünsche, sagte er lediglich: „Geh mir ein wenig aus der Sonne.“

Minimalismus bedeutet, ohne materiellen Überfluss zu leben. James Altucher beispielsweise kauft nur neue Dinge, wenn sie in seinem Rucksack Platz finden. (Fotos: Sun Lingyan/Unsplash, Guilherme Stecanella/Unsplash)

Ein Gefühl der Befreiung, Klarheit und Ruhe verspüren viele Menschen, die einmal ordentlich zu Hause ausmisten und Ballast loswerden – wortwörtlich und im übertragenen Sinn. James Altucher gilt als der Pionier der Minimalismus-Bewegung. Der ehemalige Millionär zählt nur 15 Dinge zu seinem Besitz. Lediglich mit einem Rucksack ausgestattet, pendelt er zwischen Apartments von Freunden und Airbnb-Wohnungen. „Wenig zu haben bedeutet für mich, dass ich nicht über Dinge nachdenken muss, die ich besitze“, schreibt James Altucher in seinem Blog. Was nicht in seine Tasche passt, kauft er nicht. Auch Cédric Waldburger gehört zu den berühmtesten Vertretern des minimalistischen Lebensstils. „Ja, ich mag weiße Wände, leere Räume und aufgeräumte Schreibtische“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „Ooom“. „Ich habe das Gefühl, ich habe dadurch mehr Platz in meinem Kopf.“ 

Minimalist:innen tun dem Planeten gut

Weniger Fleisch essen, seltener fliegen und mehr Strom sparen – abgesehen davon, dass ein minimalistischer Lebensstil der Seele und dem Geist guttut, liefert er auch einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. Denn Minimalismus und Nachhaltigkeit gehören eng zusammen. Menschen, die bewusster konsumieren, kaufen nicht zu jeder Jahreszeit Kleidungsstücke aus der neuesten Kollektion der Fast-Fashion-Industrie. Stichwort: Qualität vor Quantität. Viele Minimalisten:innen werden auch in Secondhand-Läden fündig oder leihen und verleihen materielle Dinge online. Durch das Wiederverwenden der bereits vorhandenen Ressourcen bleibt alles in einem Kreislauf. Das wiederum führt dazu, dass die Umweltbelastung aus der Neuproduktion sinkt. 

5 Tipps für einen minimalistischen Lebensstil

1. Die KonMari-Methode – „Behalte, was dich glücklich macht“

Die japanische Beraterin Marie Kondō hilft Menschen beim Aufräumen. Die Bestsellerautorin gibt Kurse und Seminare, in denen sie Wegwerfen und Aufräumen lehrt und diese als Ausgangspunkt einer inneren Ordnung vorstellt. Ihren Durchbruch erlangte sie durch ihre Reality-Serie auf Netflix. Die „KonMari-Methode“ enthält folgende Grundsätze:
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  • Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen
  • Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt
  • Entscheiden, was behalten wird, aufgrund der Frage: Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?
  • Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen
  • Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden
Ein Gefühl der Befreiung spüren viele Menschen, wenn sie die über die Jahre angehäuften Kleidungsstücke und Gegenstände aussortieren und loswerden. (Fotos: Laura Mitulla/Unsplash, Ketut Subiyanto/Pexels)
2. Fangen Sie klein an

Nehmen Sie sich für den Anfang lieber eine kleine Anzahl von Dingen vor, die Sie aussortieren möchten, als sofort eine Hauruckaktion zu starten. Fangen Sie dabei am besten nicht mit Ihren liebsten Erinnerungsstücken an. Stattdessen wird es Ihnen viel leichter fallen, wenn Sie zunächst einmal die unemotionalen Ecken des Hauses aufräumen wie die Besteck- und Topfschublade in der Küche. Schritt für Schritt können Sie sich an andere Bereiche herantasten.

3. Fotografieren Sie emotionale Gegenstände

Von manchen materiellen Dingen fällt es nicht leicht, sich zu trennen. Vielleicht, weil der Gegenstand ein Geschenk war oder an eine bestimmte Erinnerung gebunden ist. Tatsächlich nutzen tun wir die Dinge aber nicht. Kleiner Tipp: Fotografieren Sie die Gegenstände. So haben Sie die Sicherheit, sie sich jederzeit anschauen zu können, wann immer Sie möchten. Das hilft beim Loslassen.

Hilfe beim Loslassen: Wenn Sie sich von manchen Dingen nicht trennen können, hilft es, ein Foto von ihnen zu machen. So bleiben sie als Erinnerung in Ihrem Smartphone. (Foto: Le Buzz/Unsplash)
4. Werden Sie aussortierte Gegenstände los – aber nachhaltig

Nach dem Aussortieren geht es darum, die Dinge loszuwerden. Alles in eine Tonne zu werfen, wäre eine Verschwendung. Es gibt nachhaltigere Möglichkeiten, zum Beispiel die Sachen auf einem lokalen Flohmarkt oder auf digitalen Plattformen wie „Vinted“, „Kleiderkorb“, „Ebay Kleinanzeigen“ oder „Mädchenflohmarkt“ zu verkaufen. Alternativ können Sie Ihre Sachen spenden oder verschenken.

5. So bleiben Sie minimalistisch

Kleidungsstücke und Gegenstände auszusortieren und loszuwerden, ist die eine Sache. Den minimalistischen Lebensstil zu verinnerlichen und langfristig umzusetzen, ist die wahre Herausforderung. Wie schafft man es, nach einer großen Aufräumaktion den minimalistischen Lebensstil tatsächlich beizubehalten? Eine Methode ist es, alles – Klamotten, Lebensmittel, Bücher, Gegenstände – möglichst sichtbar aufzubewahren und es zu vermeiden, sie in der hintersten Ecke der Schränke zu verstauen. So haben Sie alle Dinge im Blick und vergessen nicht, was Sie alles besitzen, und kaufen dementsprechend nichts Unnötiges oder gar Doppeltes.

Bevor Sie etwas Neues kaufen, überlegen Sie, ob leihen, tauschen oder reparieren infrage kommt. Das ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch nachhaltig. Eine weitere Methode ist es, für jedes neue Teil, das Sie kaufen, einen anderen Gegenstand auszusortieren. So häuft sich nichts an, und Sie bleiben minimalistisch.

Geht etwas kaputt, muss man es nicht sofort ersetzen. Viel umweltschonender und kostengünstiger ist es, es wieder zu beleben, wie beispielsweise den Reißverschluss einer Jacke zu reparieren. (Fotos: recha oktaviani/Unsplash, Tobias Tullius/Unsplash)

Titelbild: Andrew Neel/Unsplash

Quellen:

https://www.ooom.com/digital/cedric-waldburger-der-minimalist/5/

https://genugteam.com/was-ist-minimalismus/

https://jamesaltucher.com/blog/minimalism-brought-freedom-joy/

https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Kond%C5%8D

https://www.smarticular.net/minimalistisch-leben-einsteiger-methode-ausmisten-aufraeumen/

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Nadia Riaz-Ahmed

Nadia Riaz-Ahmed ist Online-Redakteurin. Sie interessiert sich am meisten für alles, was mit Digitalisierung und neuen Technologien zu tun hat – am besten in Kombination mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

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