Klimaschutz@home – fünf Tipps

Hitze, Unwetter, Überschwemmungen – der Klimawandel zeigt sich jetzt schon in extremen Ausprägungen. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Aber nicht nur ganze Gesellschaften, die Wirtschaft und die Politik müssen im großen Stil für eine Reduktion des CO2-Ausstoßes sorgen. Wir alle sind gefragt, einen Beitrag zu leisten. Und schon kleine Stellschrauben entfalten große Wirkung, ohne dass der Lebensstil leiden muss. Wir zeigen, wie man es in alltäglichen Situationen schafft, klimafreundlich zu handeln.

1. Clever unterwegs 

Knapp ein Fünftel der CO2-Emissionen, die in Deutschland entstehen, entfallen auf unsere Art der Fortbewegung. 61 Prozent aller Wege hierzulande werden mit einem Auto absolviert, obwohl die Hälfte aller Strecken unter sechs Kilometern liegt. Da ist es naheliegend, mal zu überprüfen, ob man jedes Mal tatsächlich das Auto nehmen muss oder vielleicht auch mal auf ein anderes Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus oder Bahn umsteigt. Wenn es aber doch nicht anders geht, kann man ein paar Sachen beachten:

  • Naheliegend und doch oft nicht erkannt – der Reifendruck. Ihn sollte man in regelmäßigen Abständen prüfen.
  • Vorausschauendes Fahren dient nicht nur der Sicherheit. Niedrige Drehzahlen und weniger Bremsmanöver bedeuten auch weniger Treibstoffverbrauch.
Wer noch kein Elektroauto fährt, kann trotzdem smart von A nach B kommen. Fahrverhalten, Ladung und Fahrgemeinschaften sind effektive Stellschrauben. Foto: Soma Laszlo/Unsplash
  • Fahrgemeinschaften lohnen sich: Ab einer weiteren Person, die ihr Auto stehen lässt, spart man bei einer Strecke von fünf Kilometern 255 kg CO2 pro Jahr ein. 
  • Der Blick in den Kofferraum kann nicht schaden: Unnötige Last von 50 Kilo aus dem Fahrzeug entfernen, bedeutet bei 15.000 gefahrenen Kilometern 50 Liter Treibstoffeinsparung.
  • Motor abschalten bei Haltezeiten: 20 Sekunden Stille ergeben 85 kg CO2-Ersparnis im Jahr.
2. Nachhaltig unter Strom

Ein Fünftel der Pro-Kopf-Emissionen entfallen hierzulande auf Heizung und Strom – damit stehen Häuser und Wohnungen mit deren Treibhausgasausstoß dem Mobilitätssektor in nichts nach. Daraus ergibt sich eine ganz einfache Rechnung: Je kleiner der Wohnraum, desto weniger CO2 fällt an. Jeder zusätzliche Quadratmeter muss in den kalten Jahreszeiten selbstverständlich mit beheizt werden. Ein sofortiger Umzug in ein Tiny House kommt aber nicht für alle infrage. Mit diesen Maßnahmen lässt sich in den eigenen vier Wänden die Klimabilanz verbessern:

  • Wechsel zu Ökostromanbietern: In der Recherche sollte man auf Gütesiegel wie das „ok-power-Siegel“ oder das „Grüner Strom Label“ achten. Stromanbieter mit einem solchen Zertifikat verpflichten sich dazu, den Ausbau von Windkraft- oder Solaranlagen zu fördern. Beteiligungen an Atom- oder Kohlekraftwerken müssen ausgeschlossen sein. Ein Haushalt mit zwei Personen auf 70 Quadratmetern kann durch ein paar Klicks zu dem richtigen Ökostromanbieter pro Jahr eine Tonne CO2 sparen. 

In den eigenen vier Wänden geht es los: Ökostrom, Dämmung und technische Gadgets beim Heizen können zur CO2-Reduktion beitragen. Fotos: cottonbro/Pexels, Nadine Marfurt/Unsplash
  • Installation von Hightech-Thermostaten: Naheliegend ist es, genau dort den Sparhebel anzusetzen, wo die Energie verbraucht wird. Nur das Senken der Raumtemperatur um einen Grad in einer oben beschriebenen Wohnung bedeutet, dass man bis zu 160 kg CO2 im Jahr einspart. Thermostate mit automatischer Regelung sind hier das Mittel der Wahl. Sie lassen sich auf bestimmte Temperaturen zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten programmieren.
  • Ein simpler wie sparsamer Trick ist das Stoßlüften. Anstelle des Auf-Kipp-Lüftens führt dieses smarte Vorgehen zu 340 Kilogramm weniger an Treibhausgasen pro Jahr.
  • Für Eigenheimbesitzer:innen lohnen sich natürlich noch weitere Maßnahmen wie eine neue Heizungsanlage, neue Fassadendämmungen und neue Fenster. Für ein Einfamilienhaus kann das Einsparungen von mehreren Hundert Kilogramm CO2 bedeuten. Hier lohnt sich auch die Konsultation von Energiesparexpert:innen, die die Effizienz von Neuanschaffungen genau berechnen.
3. Kleine Klima-Kniffe im Haushalt

In einer hoch technologisierten Welt bemerkt man manchmal kaum, wie viele elektrische Geräte unseren Alltag erleichtern. Umso wichtiger ist, mal genauer hinzuschauen, wo sich die großen Stromfresser in den eigenen vier Wänden verstecken: 

  • Kühlschränke laufen Tag und Nacht. Hier gilt es, genau abzuwägen, wann eine Neuanschaffung sinnvoll ist, denn schon in der Herstellung entstehen massenhaft Emissionen. Spätestens nach zwölf Jahren kann dann getauscht werden – die  Energieeffizienzklasse A+++ ist beim Kauf eines neuen Geräts selbstverständlich.

LED und Halogen statt Glühbirne – manchmal sind die einfachsten Maßnahmen die wirkungsvollsten beim Klimaschutz. Foto: cottonbro/Pexels
  • Klassische Glühbirnen finden sich noch immer in mancher Lampenfassung. Hier ist es ein Leichtes, auf Halogen oder LED zu wechseln.
  • TV, Notebook, Tablet, Smartphone sind allesamt Stromfresser, wenn sie Tag und Nacht auch im Stand-by-Modus laufen. Hier lohnen sich eine Komplettabschaltung und ein Druck auf den Stromschalter an der Steckerleiste.
  • Im Übrigen sollten Smartphone und Tablet so lange wie möglich genutzt werden, da Akkus und andere Komponenten viele Treibhausgasemissionen verursachen.
4. Bewusster Gaumenschmaus

Tierische Produkte zählen zu den größten CO2-Verursachern auf unserem Ernährungsplan. Für jedes Kilogramm Rind gehen 13 Kilogramm Treibhausgase in die Luft. Auch wenn Schwein, Geflügel oder Bio-Rind besser abschneiden, lohnt sich ein Umstieg auf nicht tierische Ernährung. Fleischesser:innen haben einen durchschnittlichen Ernährungs-Fußabdruck von 1760 kg CO2 pro Jahr. Vegetarier:innen liegen bei 1160 kg, Veganer:innen sogar nur bei 960.

Frisch, frischer, CO2-neutral – eine bewusste Ernährung mit frischen und vor allem unverpackten Lebensmitteln kann den ökologischen Fußabdruck beeinflussen. Fotos: Sarah Chai/Pexels, David Holifield/Unsplash
  • Letztendlich kommt es aber auch auf den Ursprung von Nahrungsmitteln an. Ein lang anhaltender Trend ist der Griff zu regionalem und saisonalem Obst und Gemüse. Ideal und klimafreundlich kommt dieses dann vom Markt und unverpackt. Tiefkühlprodukte und Konserven durchlaufen lange Produktions- und Transportwege, die wiederum weitere Treibhausgasemissionen bedeuten.
  • Auch die eigene Wegwerfkultur sollte überdacht werden. Wer bewusst frisch und in verzehrbaren Mengen einkauft, schmeißt nachher weniger weg und lebt so klimafreundlicher.
5. Kleidung und Papier

Konventionell produzierte Baum­woll­kleidung belastet die Umwelt in besonderem Maße: Wasser­verbrauch, Einsatz chemischer Pestizide und Dünger sowie umwelt­schädliche Färbe­techniken. Hier kommt einiges zusammen, bevor der Pullover im Laden hängt. Aber auch Synthetik­kleidung hat ihre Tücken, sie ist biologisch nicht abbaubar. Beim Waschen können sich Kunst­stoff­fasern lösen und gelangen als Mikro­plastik in den Wasser­kreis­lauf. Dieser Zwickmühle kann man zunächst damit entgehen, dass man beim Klamottenkauf Kenn­zeichnungen und Siegel beachtet:

  • Das Kürzel „kbA“ („kontrolliert biologischer Anbau“) verweist auf natürliche Stoffe.
  • Mit „Fair­trade“ und „Fair Wear“ faire Arbeits­bedingungen unterstützen. 
  • Mit dem Konsum von „Cradle to Cradle“-Ware und dem Stöbern in Secondhand­-Shops oder auf Floh­märkten verfolgt man den nachhaltigen Recyclingansatz.

Konsum ist in der DNA des Menschen angelegt. Wer hier allerdings auf fair gehandelte Textilien, Secondhand-Mode oder auf Recyclingpapier setzt, braucht kaum ein schlechtes Gewissen zu haben. Fotos: JJ Ying/Unsplash, Maude Frédérique Lavoie/Unsplash

Zum Thema Recycling – wie Kleidung ist Papier selbst im digitalen Zeitalter nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Und auch hier kann man auf klimafreundliche Alternativen setzen: Recyclingpapiere mit dem Blauen Engel werden zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Altpapier hergestellt. Dabei kommen ganz verschiedene Altpapiersorten aus Privathaushalten sowie aus der Industrie und dem Gewerbe zum Einsatz. Landet dieses Recyclingpapier dann in der Blauen Tonne, kann es dem Kreislauf zur Herstellung neuer Recyclingpapiere zugeführt werden.

Auf unserem Steinbeis Papier Blog haben wir noch mehr Tipps zu einem CO2-reduzierenden Lebensstil: In Das nachwachsende Büro zeigen wir Möglichkeiten eines „Green Office“. In Nachhaltige Investments geht es darum, Geld klimafreundlich anzulegen. Jüngst haben wir uns auch dem Minimalismus als alternativen Lebensstil gewidmet – der kann zuweilen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen.

Titelbild: Zbynek Burival/Unsplash

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Benjamin Seibring

Benjamin Seibring ist Redakteur für die Bereiche Lifestyle und Mobilität. Er interessiert sich zudem für Kulturthemen mit den Schwerpunkten Musik, Film und Medienanalyse.

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