Das heimliche Gold der Wertstoffsammelstelle: Altpapier

Samstag morgen 08:00 Uhr. Es ist wieder soweit. Deutsche Haushalte stürmen die Sammelstelle einer bayerischen Gemeinde mit 11.000 Einwohnern. Manche haben bereits alles fein säuberlich vorsortiert, andere kramen aus ihren Wannen und Behältnissen das Entsorgungswertgut hervor und trennen es vor Ort. Besonders frequentiert ist der Container für Papier, Kartonagen und Zeitungen. Hier treffen sich all jene, die keine blaue Tonne vor der Haustür für ihr Altpapier stehen haben. Doch was ist das? Was fliegt da mit hohem Schwung in den Papiercontainer? Tapeten, Tetrapack, Coffee-to-go Becher. Der Containerwart schimpft, ruft den eifrigen Sammler zurück. Mit Recht! Denn das und vieles mehr gehört nicht ins Altpapier.

Deutsche Haushalte trennen gerne Müll. Die nachhaltige Industrie freut es.

Mülltrennung ist in Deutschland „in“. 74 Prozent der deutschen Haushalte trennen gemäß einer Umfrage von Statista zuhause und unterwegs ihren Müll. 21 Prozent entsorgen ihren Müll zuhause vorschriftsmäßig. Und 4 Prozent verhalten sich noch komplett antizyklisch – sie ignorieren die Mülltrennung. Wobei heute Gemeinden bundesweit ihren Bürgerinnen und Bürgern blaue, gelbe, braune und schwarze Tonnen oder Wertstoffsammelstellen zur Verfügung stellen. Ökologisch ist das absolut sinnvoll, denn der getrennt gesammelte Müll wird wiederverwertet. Stichwort Kreislaufwirtschaft. Technologisch gesehen erfüllt die Wiederverwertung wichtige Kriterien. Sie ist Lieferant für Sekundärrohstoffe, welche die produzierende Industrie dringend benötigt. Dadurch werden natürliche Ressourcen geschont. Das wiederum hilft, den ökologische Fußabdruck zu verkleinern. Rohstoffe, die über die Kreislaufwirtschaft für die Herstellung neuer Produkte gewonnen werden, verlängern den Produktlebenszyklus. Aus dem Inhalt der Blauen Tonne bzw. dem Papiercontainer entstehen auf diese Weise neue Papiere und Kartonagen, die dann wieder in die Haushalte gelangen. Steinbeis nutzt Altpapier als Sekundärrohstoff und stellt pro Jahr aus rund 330.000 Tonnen Altpapier ca. 300.000 Tonnen neues Recyclingpapier für Drucker, Kopierer, Magazine und Flyer her. Eine ökologisch angelegte Recyclingpapierproduktion, die über alle Wertschöpfungsketten nach den Prinzipien Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft produziert, erzielt zudem wichtige Einspareffekte bei Ressourcen (Holz, Wasser, Energie) und CO2-Emission. Darüber hinaus schont sie die Umwelt und trägt zum Erhalt der ökologischen Vielfalt bei.

Steinbeis nutzt Altpapier als Sekundärrohstoff und stellt pro Jahr aus rund 330.000 Tonnen Altpapier ca. 300.000 Tonnen neues Recyclingpapier für Drucker, Kopierer, Magazine und Flyer her.

Steinbeis nutzt Altpapier als Sekundärrohstoff und stellt pro Jahr aus rund 330.000 Tonnen Altpapier ca. 300.000 Tonnen neues Recyclingpapier für Drucker, Kopierer, Magazine und Flyer her.

Foto: istockphoto

Auch bei Altpapier gilt ein Reinheitsgebot. Nur Papier, Pappe und Karton gehören in die Blaue Tonne.

Was darf in die Blaue Tonne? Muss man die Kunststoffhülle um die Werbeprospekte separat entsorgen? Wer sich das fragt, wird schnell zum „Altpapierspezialisten“. Zeitungen, Zeitschriften, Schulhefte, Bücher, Verpackungen und Bürobedarf aus Papier, Pappe und Karton gehören die Altpapiersammlung. Wertvolle Rohstoffe sollten pfleglich behandelt werden. Alles, was Konsumenten für Papier halten, gehört nach Gebrauch eben nicht in die blaue Tonne. Beispiel Lesestoff. Bei gebundenen Büchern führt die vorherige Trennung von Deckel und Inhalt zu einer schnelleren Verarbeitung in der Altpapiersortieranlage. Beispiel Luftpolsterfolie. Die Umschläge mit Luftpolsterfolie, die meist auch noch beschichtet sind, gehören in die gelbe Tonne, da Papier und Luftpolster nur mit großer Mühe voneinander getrennt werden können. Gut fürs Altpapier – Behältnisse für das Frühstücksei: Eierkartons ohne Verunreinigungen dürfen auch in die Blaue Tonne – gerne ohne den Aufkleber mit dem Haltbarkeitsdatum. Briefumschläge, auch mit Fenstern – ja bitte. Auf Werbeprospekte zusammengefasst in Kunststoffhüllen sind die modernen Verwertungsanlagen heute eingestellt, so dass der Verbraucher diese nicht separat entsorgen muss. Papp-Aktenordner und deren Inhalt sollten getrennt in die Blaue Tonne wandern. Dies erleichtert die Verwertung. Grundsätzlich gibt es in den Sortieranlagen Aggregate die Metallanteile abtrennen. Metall in Aktenordnern, Ringbüchern oder auch Heft- und Büroklammern müssen nicht im Vorwege entfernt werden. Der Aktenordner mit Kunststoffbeschichtung gehört natürlich in den Restmüll.

Eine ökologisch angelegte Recyclingpapierproduktion, die über alle Wertschöpfungsketten nach den Prinzipien Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft produziert, erzielt zudem wichtige Einspareffekte bei Ressourcen (Holz, Wasser, Energie) und CO2-Emission.

Koffein-Junkies, Tapezierkünstler und Tetrapack-User aufgepasst!

Coffee-to-go Becher, Baustoffsäcke, Tapeten, Tetrapack – nein danke! Das ist nichts für den wertvollen Industrierohstoff „Altpapier“. Coffee-to-go Becher und auch Tetrapack sind für die Verwertungsanlagen nicht geeignet. Die Abtrennung der Kunststoffbeschichtung ist technisch kaum möglich. Daher auch die Faustregel: alles, was beschichtet ist, nicht in die Altpapiersammlung geben. Coffee-to-go Becher gehören nicht mal in die gelbe Tonne, sondern in den Restmüll. Auch Tapeten gehören in den Restmüll, da die Fremdanteile wie Beschichtungen, Fasern und Schaumstoffe überwiegen. Taschentücher, unbenutzt und sauber dürfen nur theoretisch ins Altpapier. Unbenutzt ist ja selten der Fall. Grundsätzlich sind diese zum Aufsaugen von Flüssigkeiten vorgesehen und in diesem verunreinigten Zustand gehören sie in den Restmüll und nicht ins Altpapier.

Coffee-to-go Becher, Baustoffsäcke, Tapeten, Tetrapack - nein danke!Foto: Steinbeis Papier / Altpapiersortieranlage

Kuriose Störstoffe im Altpapier

Neben den Dingen, die aus Unwissenheit in die Altpapiersammlung geraten, gibt es leider auch Abfälle, die vorsätzlich in die Blaue Tonne oder in den Altpapiersammelcontainer geraten. Privathaushalte und auch Gewerbetreibende entledigen hier schon das ein oder andere Mal Abfälle, die ansonsten kostenpflichtig zu entsorgen sind oder wo die Entsorgung unbequem ist. So finden wir hier in Glückstadt so manchen kuriosen Störstoff im Altpapier: E-Schrott, Bauschutt, Auspufftöpfe, Luft- und Ölfilter, Öldosen, Farbeimer, Einmalspritzen, Tierkadaver von Haustieren. Diese Störstoffe führen oft zu Schäden in den Sortieraggregaten und gefährden unter anderem die Gesundheit der im Sortierbetrieb arbeitenden Personen.

Eine Bitte an alle Minimalisten – nicht Kleinreißen

Altpapier ist grundsätzlich nicht homogen. Je nach Sammelsystem, Tonne oder Container, Einzugsgebiet und Bevölkerungsstruktur sowie der Jahreszeit gibt es starke Unterschiede. Eines gilt aber immer: Der Inhalt der Altpapiertonne lässt sich umso besser sortieren, je weniger dieser von den Verbrauchern kleingerissen wurde. Also das Zerreißen soweit es geht vermeiden. Das Entsorgungsunternehmen, welches das Altpapier sortiert, wird Ihnen danken, wenn es aus Ihrem Müll einen neuen, wertvollen Rohstoff machen kann.

 

Titelfoto: istockphoto

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Veronika Warmers

Verantwortet das Marketing, den Bereich Social Media und e-business bei Steinbeis Papier. Kreislaufwirtschaft, Recycling und Biodiversität sind die Themen, die der diplomierten Betriebswirtin am Herzen liegen. Begeisterte Bloggerin des Steinbeis Redaktionsteams.

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