Was denken unsere Auszubildenden über Umwelt- und Klimaschutz?

Nachhaltigkeit und Klimaschutz gehören mit Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und dem Zustand des Bildungssystems zu den wichtigsten gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Gute Gründe, um unsere Auszubildenden danach zu fragen, wie sie die Klimakrise und deren mediale Aufmerksamkeit wahrnehmen. Im Gespräch erzählen uns Hanna Jeschke (17), Luise Evers (21) und Leif Dombrowski (22), welche Sorgen sie umtreiben, worauf sie im Alltag achten und wo sie in unserer Gesellschaft Nachholbedarf sehen.

Wann wurdet ihr das erste Mal mit der Klimakrise konfrontiert?

Hanna: Ich habe mich das erste Mal durch Fridays for Future mit dem Thema Umweltschutz beschäftigt. Erst dann wurde mir klar, was „Klima” wirklich für uns bedeutet und wie alles miteinander zusammenhängt. 

Luise: Bei mir war es in der Mittelstufe im Erdkundeunterricht. Unser Lehrer hat uns den Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit von Al Gore gezeigt.

Leif: Mein Vater ist im Bereich umweltfreundliche Energieerzeugung tätig, deshalb spielte Umweltschutz bei mir zu Hause schon immer eine Rolle. Welche Relevanz nachhaltiges Wirtschaften hat, ist mir aber erst mit dem Einstieg bei Steinbeis Papier bewusst geworden.

Was hat sich seitdem für euch im Alltag verändert? 

Luise: Als ich das erste Mal von der Klimakrise gehört habe, war ich gerade mal 15. Damals habe ich mich oft gefragt, was ich allein überhaupt bewirken kann. Von allen Seiten habe ich gehört: „Ihr müsst was machen!” Aber was genau, sagte uns niemand. Ich habe viel gegrübelt, was ich beitragen kann. Inzwischen habe ich einen besseren Überblick, kaufe nur regionales Gemüse, spare Strom und fahre mit dem Fahrrad zum Training.

Hanna: Viele Auszubildende fahren zur Berufsschule nach Gernsbach mit dem Auto, weil sie keine Lust auf die achtstündige Bahnfahrt haben. Mir macht das nichts aus. Im Gegenteil: Bahn fahren ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch entspannter. Deshalb glaube ich, dass ich auch in Zukunft öffentliche Verkehrsmittel immer dem Auto vorziehen werde.

Leif: Für mich hat sich vor allem verändert, wie und was ich konsumiere. Ich achte viel stärker darauf, wo Produkte hergestellt werden. Vor allem Regionalität ist mir sehr wichtig. Außerdem habe ich ein stärkeres Bewusstsein für Gütesiegel wie den Blauen Engel entwickelt.

Fotos: cottonbro/Pexels, Elchinator/Pixabay
In Glückstadt ist Steinbeis der größte Arbeitgeber, deshalb wird Nachhaltigkeit nicht der einzige Grund gewesen sein, warum ihr eure Ausbildung hier begonnen habt. Doch wie blickt ihr in Anbetracht aktueller Medien auf eure Entscheidung zurück?

Luise: Mir war es wichtig, dass ich mich wohlfühle. Einerseits im Team mit meinen Kolleg:innen, aber auch wenn ich anderen davon erzähle, wo ich arbeite. Ich wollte mich nicht schämen müssen für negative Schlagzeilen, die mein Unternehmen macht.

Leif: Das erlebe ich ganz ähnlich – besonders im Austausch mit Kommiliton:innen an der Fachhochschule. Wer in bestimmten Branchen oder Firmen arbeitet, muss sich einer Menge Kritik stellen können. Umso stolzer macht es mich, Nachhaltigkeit mit meinem Berufsleben vereinbaren zu können. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich der Verantwortung entzieht oder sogar Teil des Problems ist.

Hanna: Meine beiden Großonkel waren auch Papiertechnologen. Deshalb war Steinbeis schon immer Teil meines Lebens. Doch erst jetzt in der Ausbildung verstehe ich wirklich, wie viele Räder in der Herstellung ineinandergreifen, vom Klärwerk über das Kraftwerk bis zu den Papierwalzen.

Wie informiert ihr euch heute über Klimaschutz?

Hanna: Manchmal lese ich Zeitung, aber das meiste erfahre ich über Social Media oder die Google-Vorschläge zum Thema Umwelt. Allerdings kursieren dort auch viele Fake News. Da ist Vorsicht geboten!

Leif: Auch deshalb ist Social Media für mich eine reine Unterhaltungsplattform. Ich verlasse mich lieber auf klassische Medien wie die Tageszeitung oder Tagesschau.

Foto: Roman Kraft/Unsplash
Inwieweit ist Klimaschutz ein Thema in euren Freundeskreisen?

Luise: Die meisten meiner Freunde sind bei FFF aktiv und waren bei den Demonstrationen im vorletzten Jahr dabei. Wohl auch deshalb ist vieles bei uns zur Selbstverständlichkeit geworden, wie Fahrgemeinschaften und Mehrwegbeutel.

Leif: In meinem Freundeskreis zu Hause ist das ähnlich. Als ich allerdings vor drei Monaten in meinem Auslandssemester in Dublin war, habe ich es anders erlebt. Im Gespräch mit Freunden aus Großbritannien, Frankreich und Irland über das deutsche Pfandsystem und Mülltrennung war ich erstaunt, wie für uns Selbstverständliches im EU-Ausland nicht oder nur in Ansätzen existiert. Ich finde es schade, dass wir auf EU-Ebene keine einheitlichen Regelungen haben, und ich glaube, dass wir damit Chancen verpassen.

Inwieweit macht ihr euch Sorgen um die Zukunft?

Hanna: Ich bin hoffnungsvoll, doch mache mir Sorgen, ob alle umdenken und ihren Teil beitragen. Oft frage ich mich, ob wir der Aufgabe gewachsen sind, Leugner zum Mitmachen zu bewegen.

Leif: Mir geht es ganz ähnlich. Schon in Deutschland alle an einen Tisch zu bekommen, wird eine Herausforderung. Noch mehr Probleme sehe ich im internationalen Raum – vor allem dann, wenn wirtschaftlicher Aufschwung mehr zählt als Umweltschutz. Deshalb ist für mich besonders interessant, inwiefern sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit vereinen lassen.

Luise: Gerade als FFF besonders präsent in den Medien war, habe ich mir viele Sorgen gemacht. Doch meine Ausbildung bei Steinbeis hat mich wieder positiver gestimmt. Während meiner Zeit im Sales-Team telefonierte ich zum Beispiel mit vielen unterschiedlichen Menschen und sprach mit ihnen über Recyclingpapier und Nachhaltigkeit. Dabei habe ich bemerkt, wie offen die meisten für diese Themen sind. 

Fotos: Karolina Grabowska/Pexels, Markus Spiske/Pexels
Wer sind für euch die wichtigsten Akteure, wenn es darum geht, die Zukunft nachhaltiger zu gestalten?

Leif: Jeder Einzelne, aber auch die Politik. Wir müssen in Deutschland nicht über Tempolimits diskutieren, wenn wir an anderen Stellen Energie verschwenden. Es sind so viele kleine Stellschrauben, die gedreht werden können: Recyclingpapier nutzen, das Licht ausschalten, regional einkaufen, das Pfandsystem ausweiten. Die Frage nach Umweltschutz geht für mich außerdem mit Fragen sozialer Gerechtigkeit einher. Wir sind privilegiert aufgewachsen, sozial abgesichert und wirtschaftlich gut aufgestellt, während in anderen Regionen der Welt existenzielle Nöte im Vordergrund stehen. Gerade deshalb tragen wir eine Verantwortung gegenüber anderen Ländern und müssen dieser auch nachkommen. 

Luise: Ich würde mir wünschen, dass Kindern und Jugendlichen viel früher und öfter in der Schule gezeigt wird, was sie tun können. Workshops und Projektgruppen sind eine tolle Chance – denn die Schüler:innen tragen das Erlernte natürlich auch in die eigene Familie.

Hanna: Aktivistengruppen wie FFF finde ich toll, denn ich glaube, es fängt bei jedem Einzelnen an. Deshalb engagiere ich mich vor allem in meiner Familie für mehr Nachhaltigkeit.

Wie nehmt ihr die aktuelle Bundespolitik in Bezug auf Klimaschutz wahr? 

Luise: Erst neulich haben wir in der Berufsschule darüber gesprochen, dass die BRD plant, bis 2045 klimaneutral zu sein. Als ich dieses Jahr hörte, habe ich zum ersten Mal realisiert, in welch ferner Zukunft das noch liegt, obwohl wir dringend handeln müssen – und zwar jetzt.

Leif: In meinem Studium ging es mir ähnlich. Dort sprachen wir unter anderem über das Pariser Klimaabkommen und wie die Deadlines immer wieder verschoben werden. Es ist nicht in Ordnung, wie dabei die Verantwortung von den älteren auf die jüngeren Generationen abgeschoben wird. 

Hanna: Ich glaube, wir müssen jetzt was tun. 2045 ist noch so weit entfernt. Bis dahin kann viel Unerwartetes passieren. Das beste Beispiel dafür ist Corona. Ziele sind gut, aber wir brauchen mehr Engagement und dürfen Veränderungen nicht zu lange aufschieben.

Foto: Mathias P.R. Reding/Pexels
Inwiefern können aus eurer Sicht Verbote helfen?

Luise: Nach meiner Erfahrung als Trainerin der Jugendgruppe im Taekwondo macht Verbotenes immer einen gewissen Reiz aus. Deshalb glaube ich, dass strenge Regeln sogar kontraproduktiv sein könnten. Außerdem bin ich nicht sicher, ob Verbote auf internationaler Ebene überschaubar und fair bleiben können.

Leif: Das glaube ich auch. Stattdessen sollten wir Anreize schaffen – seien es nun wirtschaftliche oder persönliche. 

Welche Rolle wird Steinbeis Papier in Zukunft im Kampf für Klimaschutz spielen?

Leif: Steinbeis nimmt eine Pionierrolle ein. Vor allem weil unser Unternehmen schon vieles richtig macht, sich aber nicht darauf ausruht. So wurde im letzten Jahr am Glückstädter Hafen zum Beispiel ein Palettenlager gebaut, um unnötige Transportwege und so auch CO2 einzusparen. Dieses Engagement kann anderen Unternehmen als Inspiration dienen. Außerdem spielt Aufklärung eine wichtige Rolle. Begriffe wie holzfrei führen in die Irre. Deshalb sollten wir Verbraucher:innen mit unserer Expertise zur Seite stehen.

Luise: Aus meiner Sicht könnte Steinbeis in Schulen noch viel stärker als Botschafter auftreten. Bei der Suche nach neuen Auszubildenden haben wir darin erste Erfahrungen gesammelt. Wir könnten aber noch einen Schritt weitergehen und Projektwochen anbieten, damit die Kinder frühzeitig lernen, was Umweltschutz bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt. 

Leif Dombrowski (22) ist schon fast ein alter Hase bei Steinbeis. Er begann seine Ausbildung zum Industriekaufmann gleich nach dem Abitur und macht jetzt ein duales BWL-Studium. In seiner Freizeit ist Leif entweder mit seinen Teamkameraden vom Handball unterwegs oder erobert die Gewässer rund um Glückstadt beim Segeln.

Hanna Jeschke (17) ist Recyclingpapier quasi in die Wiege gelegt worden. So trat sie als Papiertechnologin bei Steinbeis in die Fußstapfen ihrer beiden Großonkel. Wenn Hanna nicht an der Papiermaschine steht, ist sie gern draußen im Wald oder im Garten.

Luise Evers (21) ist mit ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau fast fertig. Auch sie wird anschließend die Möglichkeit nutzen, in einem dualen Studium Theorie und Praxis parallel zu lernen. Privat ist auch Luise viel draußen – ihre größte Leidenschaft gilt allerdings der Kampfsportart Taekwondo.

Titelbild: Steinbeis Papier

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Valerie Bachert

Valerie Bachert ist Journalistin, Chefin vom Dienst und Nachhaltigkeits-Beauftragte. Ihr Interesse gilt den Bereichen ökologischer Landbau, bewusster Konsum, Artensterben, soziale Ungerechtigkeit und nachhaltige Ernährung.

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