Ohne Gift und Mikroplastik – der Anti-Aging-Effekt nachhaltiger Papiere

In Zeiten ausgiebiger Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken ist das Thema Älterwerden wohl aktueller denn je. Das Nervengift Botox soll Falten beheben, zahlreiche Beauty-Tutorials und Beauty-Produkte versprechen ewige Jugend. Gesund und umweltfreundlich sieht anders aus. Gift ist bekanntlich nicht gut für den Körper und viele Beautycremes enthalten Mikroplastik, welche die Meere und damit die Umwelt verschmutzen. Ein gutes Beispiel für nachhaltige und ökologische Erneuerung ist das Papier-Recycling.

Die richtige Entsorgung im Recycling-Kreislauf

Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Recycling-Kreislauf des Papiers ist selbstverständlich die richtige Entsorgung. Die Notiz vom Business-Meeting, eine kleine Kritzelei und schon landet das Stück Papier im Papierkorb. Weiter geht es für das Papier – im Idealfall in den Altpapiercontainer. Zusammen mit Pappen, Kartonagen und diversen Fremdstoffen gelangt dieser zum Sortierhof einer Entsorgungsfirma. Nach einigen Sortierprozessen landet das Papier mit anderen Zeitschriften, Magazinen und Büroabfällen als wertvoller Rohstoff auf dem Hof einer Papierfabrik.

Wasser, Peroxid, Lauge und Seife – das Elixier ewiger Jugend

In der Papierfabrik angekommen, ist das Druckerzeugnis wie eine Zutat für ein Backrezept. Am Anfang der Papier-Wiedergeburt steht die Aufbereitung. Zusammen mit Wasser, Peroxid, Lauge und Seife wird das Papier zu einem grauen Brei aufgelöst. Das sieht zwar recht unappetitlich aus, ist aber praktisch das Elixier ewiger Jugend für das Papier. Der Vorgang geschieht im sogenannten Pulper, einem großen Bottich, ähnlich einem Küchenmixer. Anschließend werden Bestandteile wie CDs, Plastikkarten und Folien, die Magazinen beigefügt waren, aussortiert. Dazu wird der graue Brei durch Siebe mit kleinen Löchern und Schlitzen gedrückt, in denen diese Fremdkörper hängen bleiben.

Sauber und makellos ins neue Leben – Deinkingprozess sei Dank

Der wichtigste Schritt, um sauber und schön wiedergeboren zu werden, ist die Druckfarbenentfernung, der Deinkingprozess. Dies geschieht in sogenannten Flotationszellen. Durch Lauge quellen die Papierfasern auf, wodurch Druckfarbpartikel besser von der Faser gelöst werden können. Zugeführte Seife spült wie in einer Waschmaschine die Farbe von der Faser ab. Durch zugesetzte Luft bilden sich Seifenblasen, an denen die Farbpartikel hängen bleiben. Die Seifenblasen steigen an die Oberfläche und werden samt Druckfarbe wie von einem großen Staubsauger abgesaugt. Diese Prozedur wird so lange wiederholt, bis der graue Faserbrei hell geworden ist. Er bildet dann einen exzellenten Grundstoff für sauberes und neues Papier. Die guten Gene sozusagen.

Endspurt: die letzten 100 Meter bis zur Wiedergeburt

Bis zum fertigen neuen Papierprodukt aus Altpapier ist es nun nicht mehr weit. Das Papiergemisch, das zu 99 Prozent aus Wasser besteht, kommt zu Beginn der ca. 100 Meter langen Papiermaschine auf ein Sieb. Die Papierfaser bleibt auf dem Sieb liegen, das Wasser durchdringt das Sieb. Es folgen die Pressen, die das Gemisch zwischen zwei Filzen zusammendrücken. Die Filze nehmen das Wasser aus dem Gemisch auf, bis das Verhältnis von Fasern und Wasser ungefähr 50:50 beträgt. Danach wird das Papier im Slalom über beheizte Zylinder geführt, der Wasseranteil reduziert sich dabei auf rund fünf Prozent. Nun wird Leim auf die Oberfläche aufgetragen, damit das neue Papier bedruck- und beschreibbar wird. Die geleimte und damit wieder nasse Papierbahn durchläuft dann die Nachtrockenpartie. Auch hier wird das Papier wieder im Slalom um beheizte Zylinder geführt und getrocknet. Die nächste Station ist das Glättwerk, das wie eine Bügelmaschine funktioniert. Das geleimte und geglättete Papier wird am Ende zu mächtigen Rollen aufgewickelt. 50 km Papierbahn mit einem Gewicht von bis zu 25 Tonnen machen einen sogenannten Tambour aus. Die großen Rollen werden nun noch in kleinere Rollen oder auf DIN-A4-Format geschnitten werden.

Wie neugeboren geht es auf die nächste Reise

Nach dieser Auffrischungskur geht es für das neugeborene Papier auf die neue Reise. Geglättet, hell und vor allem umweltfreundlich startet das Papier nun in ein neues Leben. Und landet irgendwann hoffentlich erneut im Altpapiercontainer. Also verhelfen wir ihm doch immer wieder zu einem neuen Leben!

WIE BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL?
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 4.50 out of 5)
Loading...
Veronika Warmers

Veronika Warmers

Verantwortet das Marketing, den Bereich Social Media und e-business bei Steinbeis Papier. Kreislaufwirtschaft, Recycling und Biodiversität sind die Themen, die der diplomierten Betriebswirtin am Herzen liegen. Begeisterte Bloggerin des Steinbeis Redaktionsteams.

THEMENVERWANDTE ARTIKEL
WAS SAGEN SIE ZU DIESEM THEMA?
DISKUTIEREN SIE MIT!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

HIER BLOGT
UNSERE REDAKTION
ALLE AUTOREN

Isabella Bigler
Ulrich Feuersinger
Valerie Bachert
Mailin Rahna
Sandra Staub
Klaus E. Jopp
Veronika Warmers